03. Mai 2018, 19:00 Uhr

3D-Videokunst

Lieve Vanderschaeve – von »Gravitas« zu »Waves«

Die Auftaktpremiere zum Festival TanzArt ostwest choreografiert Ballettdirektor Tarek Assam selbst. Für das Bühnenbild hat er wieder die 3D-Videokünstlerin Lieve Vanderschaeve geholt.
03. Mai 2018, 19:00 Uhr
Lieve Vanderschaeve in ihrem Atelier vor zwei Monitoren: links ein Filmstill aus »Waves«, rechts von »Gravitas«, im Hintergrund oben eines ihrer Monumentalgemälde, rechts eine Skulptur aus zusammengenähten Röntgenbildern. (Foto: dkl)

Das Gespräch mit ihr ist fröhlich und lebhaft. Lieve Vanderschaeve hat viel zu erzählen, ihr flämischer Zungenschlag kommt charmant rüber. Wer sie bislang als Theaterkünstlerin von ihren 3D-Animationen kennt, sieht auf ihrer Homepage auch die großformatigen Gemälde in realistischer bis surrealistischer Manier. Sie arbeitet also nicht nur am Computer mit Grafikprogrammen, sondern schwingt ganz real den Pinsel. Auch wenn sie derzeit wenig Zeit dazu hat, da sie von deutschen Theatern rege angefragt ist. Worüber sie sehr glücklich ist. »Ich mag die Zusammenarbeit mit Menschen. Das ist anregend und kreativ. So viele Ideen kann man allein gar nicht haben.« Und für die Regisseure hat es den Vorteil, dass Korrekturen noch bis zur Generalprobe vorgenommen werden können.

 

Malen auf Röntgenbildern

 

Ihr Name lässt es vermuten, sie stammt aus Belgien, aus einem Dorf in der Nähe von Gent. Geboren wurde sie in eine Arztfamilie im katholischen Flamen. Und, nein, Ärztin wollte sie auf gar keinen Fall werden, sagt sie mit Vehemenz. Das war für ihre Eltern zunächst schwer zu akzeptieren, aber sie setzte sich durch. In der Schule war sie in drei Fächern gut: in Mathematik, Kunst und Latein. Sie versuchte es zunächst mit dem Mathe-Studium im Hinblick auf Informatik, aber sie merkte bald: »so ein Computer-Nerd wollte ich auch nicht werden.« Dann also die Kunst, die sie an der traditionsreichen St. Lukas-Akademie in Gent studierte. »Malerei als Funktion der Architektur« hieß das offiziell, gemeint ist Monumentalmalerei. Das Arbeiten mit Film und Computergrafik, das gab es damals noch nicht an der Uni, das hat sich die 1967 Geborene nach dem Studium alles selbst beigebracht.

 

Am Computer gebaut

 

Und wie kam sie ans Theater? Längst war sie mit ihrer Familie in Bonn daheim und stellte irgendwann in der dortigen Galerie Kallenbach ihre Acrylmalerei vor. Ihre Spezialität ist das Malen auf Röntgen-Bildern, das habe sie schon als Kind gemacht und an der Uni fortgesetzt. Bis heute. Zur Galerieausstellung schwebte ihr damals ein Cross-Over vor, mit einer Tänzerin, deren Bewegungen sie in eine 3D-Grafik umsetzen wollte. Das war erfolgreich und hat sie mit Bärbel Stenzenberger und der Gruppe boKomplex noch in weiteren Abendprogrammen umgesetzt. Schließlich wurde sie von Theaterleuten entdeckt und die ersten Anfragen kamen. Es hat sich allerdings noch nicht als eigene Kunstform durchgesetzt, erzählt sie, da sei Tarek Assam eine Ausnahme. Es werde eher als Sparmaßnahme gesehen, wenn ein opulenter Bühnenaufbau zu teuer ist.

Und wie entstehen die animierten Bilder, dreht sie dafür vorher Filme? »Nur in Ausnahmefällen, die Filme muss man ja auch nachbearbeiten. Ich baue lieber alles am Computer.« Was kaum zu glauben ist, wenn man ihre realitätsnahen bewegten Bilder sieht. Bei den abstrakten 3D-Animationen für das Tanzstück »Gravitas« war das schon anders, da ist die künstlerische Handschrift deutlich. Man darf gespannt sein, was sie sich für »Waves« ausgedacht hat.

Bislang war sie für Opern- und Tanzproduktionen tätig, doch kann sie sich ihre Arbeit gut für ein Schauspiel vorstellen. Bislang ist sie die einzige, die das macht.

Ihr nächstes Ausstellungsprojekt wird wieder ein Cross-Over mit anderen Künsten sein: »fright, flight, fight« startet Anfang November im Künstlerforum Bonn und ist als sich weiter entwickelnde Wanderausstellung konzipiert. Weitere Ausstellungsorte sind noch möglich.

 

Auftakt zur TanzArt

 

Vanderschaeves neue 3D-Animation für die Tanzcompagnie ist bei der Premiere von »Waves« am 17. Mai auf der Studiobühne- zu erleben. Das ist wie in den vergangenen Jahren der Auftakt zum TanzArt ostwest-Festival an Pfingsten.

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