06. Dezember 2018, 22:11 Uhr

Manche Boten haben es schwer

06. Dezember 2018, 22:11 Uhr
Ein verwunderter Hirte (Cora Dietl) im »St. Galler Weihnachtsspiel« aus dem 13. Jahrhundert. (Foto: pm)

Um eine Botschaft geht es an Weihnachten: um die Frohbotschaft (griechisch: »Evangelium«) von der Geburt Christi. Dass es Boten (oder modern ausgedrückt: die Medien) keineswegs immer leicht haben, reflektiert ein Weihnachtsspiel aus dem 13. Jahrhundert, das die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität im Dezember mehrfach aufführen wird. Die Premiere des »St. Galler Weihnachtsspiels«, liebevoll in Szene gesetzt unter der fachkundigen Leitung der Germanistin Prof. Dr. Cora Dietl, findet am 7. Dezember in Braunschweig statt. Zwei weitere Vorführungen folgen in Grünberg und Gießen.

»Weh, Hurensohn, geh bald dahin! Wo sind meine Knechte? Erhängt ihn!«, ruft Herodes, als ihm sein Bote von der Präsentation Christi im Tempel berichtet. Immer wieder erntet der treue Berichterstatter solchen Lohn für seine Dienste. Kein Wunder, dass auf der anderen Seite der Engel Gottes zur Sicherheit geradezu penetrant betont: »Diese Botschaft bringe ich von Gott, ich bin sein Engel und sein Bote.«

»Die Frage, wer wessen Botschaft wie aufnimmt, ist freilich auch als Selbstreflexion des Stücks zu sehen, das in seiner Zeit die Botschaft von der Geburt Christi und der Erlösung überzeugend in Erinnerung rufen will«, erläutert Dietl, Professorin für Deutsche Literaturgeschichte mit den Schwerpunkt Mittelalter/Frühe Neuzeit. Wo und in welcher Form das in alemannischem Dialekt verfasste Spiel ursprünglich aufgeführt worden ist, sei nicht bekannt. Es sei in einer Lesehandschrift des 15. Jahrhunderts überliefert, die heute in St. Gallen liegt – und zwar sichtlich überarbeitet. Wichtige Elemente eines geistlichen Spiels des 13. Jahrhunderts (wie zum Beispiel Lieder) fehlen deshalb.

Die Theatergruppe hat den Text mit einem vergleichenden Blick auf andere Spiele des Mittelalters so bearbeitet, dass aus dem Lesetext wieder ein Spieltext geworden ist, ergänzt um einige Lieder. Das Ergebnis ist ein Spieltext im Sinne mittelalterlicher Weihnachtsspiele, nicht im Sinne der neuzeitlichen Krippenspiele. »Das Publikum darf sich darauf freuen, deutlich mehr als nur ein paar heimelige Szenen rings um das Christuskind zu sehen«, verspricht die engagierte Spielleiterin und Regisseurin Prof. Dietl: »Die Handlung beginnt mit den Propheten des Alten Testaments und endet mit einem Ausblick auf Passion und Auferstehung.«

Die Aufführungen findet statt in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum, dem Institut für Germanistik (Prof. Regina Toepfer) der TU Braunschweig und dem Braunschweigischen Landesmuseum und wird unterstützt vom Museum im Spital Grünberg, von dessen Freunden des Museums und vom Hessischen Landestheater Marburg.

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