08. Januar 2019, 11:00 Uhr

Neu im Landtag

MdL Becher steht in den Startlöchern

Der Gießener Landtagsabgeordnete Frank-Tilo Becher (SPD) wird in Wiesbaden seine Arbeitswege auf dem Rad vermissen.
08. Januar 2019, 11:00 Uhr
Vor der Staffelübergabe: Frank-Tilo Becher (rechts) beerbt Gerhard Merz als SPD-MdL und Inhaber des Wahlkreis-Direktmandats. (Foto: hin)

/Wiesbaden (mö). Noch eine Woche Erholung im Alpenschnee, dann naht der Tag, auf den Frank-Tilo Becher nunmehr seit Ende Oktober hinarbeitet. »Es ist Zeit, dass es losgeht. Ich fühle mich schon sehr in den Startlöchern«, sagt der künftige Gießener SPD-Landtagsabgeordnete. Die Amtsgeschäfte als Dekan der evangelischen Kirche in Gießen hat er an seinen kommissarischen Nachfolger übergeben, am 20. Januar wird er feierlich verabschiedet.

Dann wird der 55-jährige Sozialdemokrat seine erste Sitzung im großen Plenum des Hessischen Landtags, der sich am 18. Januar konstituiert, bereits hinter sich haben. In der nochmals geschrumpften SPD-Landtagsfraktion gehört Becher nicht nur zu den wenigen Neulingen , sondern auch zur Minderheit der Wahlkreis-Gewinner. Die Verteidigung des Direktmandats im Wahlkreis Gießen-Stadt war einer der wenigen Lichtblicke für die SPD. Angesichts des desaströsen Gesamtergebnisses sei seine Freude darüber »etwas gebremst« gewesen, als er zu den Kollegen und Kolleginnen der neuen Fraktion gestoßen sei. Dort sei sein Erfolg im ersten Anlauf durchaus registriert worden. »Das Bild mit dem roten Fleck in dem schwarzen Meer war schon sehr präsent«, erinnert sich Becher an die Grafik mit den Wahlkreisen, die in den Tagen nach der Wahl durch die soziale Netzwerke ging; der rote Fleck war er.

Nachfolger von Gerhard Merz

In Wiesbaden tritt Becher in die Fußstapfen von Gerhard Merz. Vom Typ her sind beide zwar sehr unterschiedlich, aber von den Inhalten her wird er Merz wohl nachfolgen. Zwar sind die Themen wegen der erst kürzlich erfolgten Regierungsbildung innerhalb der größten Oppositionsfraktion noch nicht verteilt worden, aber Becher geht davon aus, dass er für Soziales, Integration und Familie zuständig sein wird.

Das Feld Kirchen und Religion bietet sich natürlich auch an, zudem möchte der Gießener beim Blick auf seinen Wahlkreis auch beim Thema Hochschulen und Klinikum mitmischen. Und insgesamt wünscht er sich, dass seine Fraktion die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit »noch mehr nach vorne bringt und mit der sozialen Frage verbindet«. Auch in der Opposition »gibt es genug Aufgaben«.

Von seiner Fraktion und der Landtagsverwaltung fühlt er sich »herzlich, freundlich und professionell« aufgenommen. Beeindruckt habe ihn, wie die Fraktionsspitze nach klarer Analyse der Wahlergebnisse den Blick nach vorne gerichtet habe. Wundenlecken finde schon noch statt, aber eher in Einzelgesprächen am Rande. »Die Stimmung ist: Packen wir’s neu an«, sagt Becher.

Auch die Organisation seiner Wahlkreisarbeit ist geklärt: Becher wird ein Büro im Henriette-Fürth-Haus, der Kreisgeschäftsstelle der SPD, mieten und die beiden Wahlkreismitarbeiter von Merz übernehmen. Unter anderem denkt Becher über eine Neukonzeption der Bürgersprechstunde nach und will ein Format entwickeln, in dem er als Abgeordneter Rechenschaft über seine Arbeit in Wiesbaden ablegen kann. Becher: »Ich will sehen, ob man die Lücke zwischen Wiesbaden und dem eigenen Wahlkreis noch ein bisschen mehr schließen kann.«

Frage nach dem Verkehrsmittel

Vor einer Frage, die sich alle Landtagsabgeordneten, soweit sie nicht aus der Nähe der Landeshauptstadt stammen, stellen, ist die nach dem Verkehrsmittel. Sowohl die Auto- als auch die Zugfahrt nach Wiesbaden gilt als zeitlich schwer kalkulierbar. »Ich werde herausfinden, was besser passt, aber ich befürchte, dass ich sehr schnell meinen bisherigen Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad entlang der Lahn vermissen werde«, sagt der scheidende Dekan.

Als gelernter Pfarrer muss er die rhetorischen Herausforderungen, die im Plenum auf ihn zukommen, dagegen nicht fürchten. »Die »Kunst der Zuspitzung«, die sein Vorgänger beherrschte, will Becher zügig »erlernen«.

Zusatzinfo

Neu im Landtag

Mit Frank-Tilo Becher (SPD), Katrin Schleenbecker (Grüne) und Arno Enners (AfD) wird der Gießener Landtagswahlkreis 18 ab dem 18. Januar mit drei neuen Abgeordneten im Wiesbadener Landtag vertreten sein. In einer kleinen Serie erzählen die drei Politiker, wie es ihnen seit dem Wahltag ergangen ist, welche Aufgaben auf sie zukommen und wie sich ihr Leben durch das Mandat verändern wird.

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