15. Dezember 2015, 08:53 Uhr

Mehr Sozialberatung für Flüchtlinge

Gießen (kw). Der Evangelische Kirchenpräsident Volker Jung hat die Flüchtlingsarbeit im Welcome Center gewürdigt. Auch gab es Neuigkeiten in Sachen Asylverfahrensberatung.
15. Dezember 2015, 08:53 Uhr
Zwischen 30 und 500 Flüchtlinge täglich kommen derzeit in Gießen an. Im Welcome Center erhalten sie heiße Getränke, etwas zu essen, Kleidung – und sehen vor allem freundliche Gesichter. »Wunderbar«, sagt EKHN-Präsident Volker Jung (r.). (Foto: Oliver Schepp)

Gießen (kw). Bei seinem letzten Besuch vor zwei Jahren sei das Anschwellen des Flüchtlingsstroms abzusehen gewesen. Sich darauf einzustellen, sei »politisch nicht gewollt« gewesen. In der aktuellen Flaute sollte man auf keinen Fall die Aufnahmekapazitäten reduzieren: Dazu mahnte Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), gestern bei einem Besuch des neuen Welcome Center am Meisenbornweg. Dekan Frank-Tilo Becher kündigte an, dass an beiden Gießener Standorten der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung – am Meisenbornweg, auf lange Sicht auch in der Rödgener Straße – wieder Sozialräume eingerichtet werden sollen.

Die Petrusgemeinde musste die traditionelle Teestube vor etwa anderthalb Jahren aufgeben, weil die Räume für Betten gebraucht wurden. Dass kaum noch Sozialarbeit möglich war, habe mutmaßlich zum Anstieg der Konflikte beigetragen, erläuterte Pfarrer Matthias Leschhorn.

Die evangelische Landeskirche werde im nächsten Jahr 21 Millionen Euro zusätzlich für Flüchtlingsarbeit ausgeben, unterstrich Jung. Von diesem Geld werde viel nach Gießen fließen. So sollen demnächst zwei hauptamtliche Stellen für Asylverfahrensberatung zur Verfügung stehen. Zurzeit sei es eine halbe und eine weitere Dreiviertelstelle auf Grundlage eines befristeten Projekts, erklärte Becher. Fünf Millionen Euro extra will die Kirche in die Weiterbildung ihrer Erzieherinnen und Erzieher stecken, um die Integration der Flüchtlingskinder in den 600 EKHN-Kitas zu fördern. Besonders wichtig sei auch die professionelle Begleitung und Supervision der Ehrenamtler.

Die Aufnahme vieler Flüchtlinge werde ein »Dauerthema« sein, unterstrich Jung. Das Welcome Center sei ein »wunderbares Beispiel« dafür, wie man sie bewältigen kann: In einem Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Staat, Kirche und anderen Hilfsorganisationen, in diesem Fall dem Roten Kreuz. Beeindruckt zeigte sich Jung vom Gespräch mit etwa einem Dutzend der 450 Freiwilligen, die im Welcome Center im Einsatz sind. »Größte Anerkennung« gebühre der Stadt Gießen und ihren Bürgern für den Umgang mit bis zu 5500 Asylbewerbern in der Erstaufnahme in diesem Sommer.

Es sei eine »offene und ehrliche« gesellschaftliche Debatte notwendig über ein langfristiges deutsches Zuwanderungskonzept, meinte der Kirchenpräsident. Seiner Ansicht nach dürfe es für humanitäre Aufnahme keine Obergrenze geben. Arbeitsmigranten sollte Deutschland geregelter aufnehmen. Wie viele, könne man »großzügig« berechnen; schließlich gebe es auch Abwanderer aus der Bundesrepublik.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Evangelische Kirche
  • Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
  • Flüchtlingsarbeit
  • Rotes Kreuz
  • Sozialberatung
  • Volker Jung
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.