25. August 2019, 19:23 Uhr

Mehr als nur Schlager

25. August 2019, 19:23 Uhr
Avatar_neutral
Von Nastasja Akchour-Becker
Tätowiert, mit Karohemd und Haartolle: So kennen die Fans Ben Zucker. (Foto: nab)

Man ahnt schon, wo die Reise hingeht, als der 36-jährige Berliner am Samstagabend kurz vor 21 Uhr und nach der Vorband Lebendig die Bühne betritt: Es wird gitarrenlastig auf dem Schiffenberg. Denn so genau lässt sich Ben Zucker mit seiner Band nicht in eine Schublade stecken - so wie seine Karriere auch eine Ausnahme ist.

Nach einem Auftritt in einer Fernsehshow von Florian Silbereisen gelang ihm innerhalb von 24 Monaten der Schritt vom unbekannten Newcomer an die Spitze der deutschen Schlagermusik: Es folgten Doppelplatin für sein Debütalbum »Na und?!«, eine »Goldene Henne«, zwei »Echo«-Nominierungen, Support bei Helene Fischers Stadiontournee und eine restlos ausverkaufte Solo-Tour im vergangenen Jahr. Im Juni dann legte er mit dem zweiten Album »Wer sagt das?!« nach.

Aber man merkt nun, dass Zucker früher andere Musik gemacht hat - sogar auf Englisch, was er auf dem Schiffenberg im Duett mit Backgroundsängerin Elena, mit der er seit der Schule befreundet ist, bei »Broken Strings« (im Original von James Morrison und Nelly Furtado) eindrucksvoll beweist. Eine Überraschung - gerade für die, die seine Musik bis dahin nicht so gut kannten. Beeindruckend auch das Duett mit Backgroundsängerin Nathalie beim Cover von Jupiter Jones« »Stille«. Gänsehaut pur gibt es, als Zucker zusammen mit 3000 Zuschauern ganz ruhig und voller Gefühl »Freiheit« von Westernhagen singt.

Ansonsten präsentiert der 36-Jährige - tätowiert, Sneaker, Jeans, Karohemd und die charakteristische Haartolle - natürlich auch seine Hits wie »Halt dich fest an mir«, »Du warst immer dabei«, »Der Sonne entgegen«, »Mein Berlin« und »Wer sagt das?!«. Dabei wechselt er immer wieder von rockigen Nummern wie »Na und?!« zu Balladen über Herz-Schmerz wie »Ich lasse dich geh’n«. Ein Balanceakt von temporeicher und kraftvoller Musik zu gefühlvollen und sanften Tönen, der ihm offensichtlich mühelos gelingt. Zu fast jedem Song weiß er eine mal mehr, mal weniger gelungene Anmoderation. »Du haust mich um« kündigt er an mit: »Das ist für alle Mamas und Papas, die Hosenscheißer wie mich aufziehen«, und den Song »Verschworen« widmet er »allen Kumpels, besten Freunden, Vertrauten oder Lieblingsbarkeepern«.

Bei den Gießener Fans kommt richtig gut an, dass Zucker immer wieder die Bühne verlässt und mit ihnen auf Tuchfühlung geht. Er albert rum und lacht sich über »Zickezacke zickezacke - Heu Heu Heu« kaputt - das auszuprobieren ihm ein Sänger vergangene Woche in Willingen empfahl. Und auch nach dem Konzert zeigt er mit seiner Autogrammstunde, dass er (noch) ein Star zu anfassen ist.

Den Zuschauern gefällt es. Deshalb entlassen sie ihn nach der Zugabe »Was für eine geile Zeit« mit einem erneuten »Zickezacke« und dem Sprechchor »Oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen!«



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos