06. August 2019, 06:00 Uhr

Verkehrsüberwachung

Mit neuem Blitzgerät gegen PS-Poser in Gießen

Mit einem neuen Geschwindigkeitsmessgerät will die Stadt Gießen unter anderem der PS-Prozterei in der City Einhalt gebieten. Sein Vorteil: Es braucht keinen Stromanschluss.
06. August 2019, 06:00 Uhr
Der Akku hält acht Stunden: Kabelloses Geschwindigskeitsmessgerät ES 8.0 im Einsatz an der Eichgärtenallee. (Foto: Schepp)

Sie stehen in Hecken, hinter Bäumen oder zwischen geparkten Autos. Mobile Blitzgeräte am Straßenrand zu erkennen, ist nicht einfach. Bei diesem Exemplar hier, das am Montagnachmittag, von Brennnesseln getarnt, stadtauswärts auf Höhe des Triebs an der Eichgärtenallee steht, liegt auch kein verräterisches Kabel auf dem Radweg. »Das ist der große Vorteil dieser neuen Generation von mobilen Messgeräten«, erklärt Ordnungsdezernent Peter Neidel beim Ortstermin im Grünen.

Eingesetzt wird das ES 8.0 des Herstellers eso bereits seit knapp einem Jahr; vor allem auch dort, wo das Vorgängermodell nicht funktionierte. Zum Beispiel in der Neustadt, wo es Beschwerden von Anwohnern über PS-Protzer gibt, die ihre Schlitten zu schnell und laut ausfahren. »Wir wollen den Posern und Rasern die Stirn bieten«, sagt Neidel.

Das knapp 100 000 Euro Geschwindigkeitsmessgerät besteht aus zwei Kameras sowie einer internetgestützten Funksteuerungseinheit und kann gleichzeitig beide Fahrspuren überwachen, erläutern Ralf Weiershäuser von der Ordnungspolizei und sein Chef Carsten Trittin. Die mobile Einheit sei auch im Auf- und Abbau wesentlich unkomplizierter als das kabelgebundene Vorgängermodell. »Für den Aufbau beider Kameras brauchen wir nur 25 Minuten, bei der anderen Anlage brauchten wir diese Zeit für ein Messgerät«, sagt Weiershäuser.

Das Einsatzspektrum der vorherigen Anlage, deren Kamera nun in einen festen »Blitzer« eingebaut wird, der am Kindergarten in der Ortsdurchfahrt von Allendorf installiert wird, sei durch das 25 Meter lange Kabel eingeschränkt gewesen. Weiershäuser: »Da war man in der Wahl des Messstandorts nicht frei«. Zudem habe man die zweite Kamera nur für die Beweissicherung verwendet. Auch die sei jetzt - unter anderem durch eine höhere Bildauflösung - noch klarer.

Denn Widersprüche gegen Bußgeldbescheide gebe es oft, bestätigt Trittin. Meistens würde die Rechtmäßigkeit der Messung mit Hinweis auf das Gerät oder den eingesetzten Mitarbeiter angezweifelt. »Gleich Null« stünden die Chancen auf einen Erfolg, fügt Trittin hinzu. »Viele haben eine Rechtschutzversicherung und probieren es halt mal«, vermutet Bürgermeister Neidel.

Die Rechnung der Pressevertreter, dass sich das neue Gerät angesichts von 10 000 gefilmten Geschwindigkeitsübertretungen seit Inbetriebnahme schon refinanziert habe, lässt der CDU-Dezernent nicht so einfach stehen: »Uns geht es um die Verkehrssicherheit, auch wenn Ertappte gerne etwas anderes behaupten.« So setze die Stadt ihr zweites mobiles Gerät fast ausschließlich vor Kindergärten, Schulen oder Senioreneinrichtungen ein, um die ganz jungen und alten Fußgänger zu schützen. Eine klare Absage erteilt Neidel daher auch an eine Privatisierung der Verkehrsüberwachung, wie sie einige Kommunen praktizieren.

Die Frage, ob Autofahrer an den Messstellen stadtauswärts oder stadteinwärts schneller fahren, lässt sich so nicht beantworten. »Das hält sich meistens die Waage«, sagt Ordnungspolizist Weiershäuser. Auch beim neuen Gerät bekommen Autofahrer übrigens mit, wenn sie zu schnell waren. Weiershäuser schmunzelnd: »Es blitzt.«

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