11. Dezember 2011, 17:53 Uhr

Mother’s Milk und Captain Overdrive im Ulenspiegel

Als der vorweihnachtliche Konsumrausch auf dem Seltersweg abgeklungen ist, geht es drinnen im Ulenspiegel erst richtig los: Zwei der beliebtesten Gießener Bands haben was zu feiern: Mother’s Milk und Captain Overdrive.
11. Dezember 2011, 17:53 Uhr
Andreas Jamin an der Posaune mit Christian Keul und Jörg Helfrich (links) von Captain Overdrive.

Und da tut man sich – wie schon im Vorjahr – zusammen und bittet noch »special guests« (unter anderem Ashes of Pompeii aus Marburg nach Mitternacht) dazu. Natürlich ist der Laden proppenvoll, es wird getanzt, gejubelt, gefeiert.

Mother’s Milk, offizieller Headliner des Abends, hat wie die Red Hot Chili Peppers, denen sie schon 15 Jahre lang Tribut zollen, viele Besetzungswechsel überlebt – nur Drummer Carsten Siebert sitzt von Beginn an hinter seinen Becken und Trommeln. Bis heute spielt die Gruppe die offensichtlichen Hits (etwa »Under the Bridge«, »Californication«) genauso wie Songs, die die echten Peppers bis heute nicht auf die Bühne gebracht haben. Sie präsentieren frühe Werke aus der Zeit, als RHCP noch eine undefinierbare Mischung aus hartem Rock, Funk, Hip-Hop und »expliziten« Texten boten (plus Bühnenoutfits, für die Jim Morrison zu lebenslänglich verurteilt worden wäre), aber auch die neueren, eher stromlinienförmigen Songs wie »Snow (Hey oh)« oder das erst im August auf der neuen CD erschienene »Monarchy of Roses«. Stücke aus den frühen Achtzigern, einschließlich des namengebenden Albums »Mother’s Milk«, bleiben unberücksichtigt.

Sänger Torsten Hartmann trägt seinen Spitznamen »Hardy« völlig zu Recht, repräsentiert er doch mit seiner Körperhaltung und der Sparfrisur vor allem die hart rockende Seite der Peppers. Christoph Barth an der Gitarre und Benjamin Schäfer am spiel- und mixtechnisch wunderbar präsenten Bass sind die jüngsten Zugänge der Band. Gastauftritte von Andreas Jamin (Posaune) und Christian Lademann (Trompete) runden die Jubiläumsshow ab.

Begonnen hat der Abend aber mit dem aus Wülfrath stammenden »Dynamischen Duo«. Oliver Henrich und Jens Rösel, Gründer einer Bon-Jovi-Coverband, gefallen mit ihren gesanglichen Leistungen (vor allem Oliver H.). Was sie auf ihren akustischen Gitarren bieten, ist eher hausbacken – und der Versuch, das an sich wohlwollende Publikum mit »Country Roads« aus der Reserve zu locken, scheitert kläglich.

Was Dynamik bedeutet, demonstriert im Anschluss das seit gut elf Jahren in unveränderter Besetzung agierende und daher eng zusammengewachsene Quartett Captain Overdrive. Ab dem ersten Takt des üblichen Openers »Headache« mit Andreas Jamins explosiv gespielter Posaune ist das Publikum auf den Beinen. Die Zusammenarbeit mit einer speziell zusammengestellten Bigband (bei Karstadt und in Lich) war spannend, aber erst auf der kleinen Bühne des Ulenspiegel, auf Tuchfühlung mit den wahren Fans, geht die Post ab. Christian Keul traktiert seinen schön metallisch-funky klingenden Bass, als ginge es darum, gemeinsam mit Drummer Holger Schwarzer eine ganze Kompanie voranzutreiben, Jörg Helfrich spielt seine Fender Stratocaster mal als scharf akzentuierte Rhythmusgitarre, mal als ordentlich verzerrtes Soloinstrument. Über ein Dutzend verschiedener Soundeffekte, zum Beispiel ein dräuendes »Wah Wah«, kann er per Fußklick einstellen, doch auch der auf der Bühne stets zum Hyperaktiven mutierende Andreas Jamin spielt seine Posaune nicht »clean«, sondern jagt den Blechklang durch etliche Effektgeräte. Der Bandname Overdrive (einer der beliebtesten Verzerrereffekte in härteren Gruppen) spricht für sich.

Seit einigen Wochen ist die dritte CD von Captain Overdrive im Handel, und so spielen Jamin & Co. gut zwei Drittel der aktuellen Nummern. International bekannte Rockbands tun sich oft schwer damit, den »new stuff« inmitten all der bekannten Songs zu platzieren, bei Overdrive jedoch gibt es keinen Bruch. Der Energielevel bleibt auch bei vergleichsweise verhaltenen Nummern wie »Dead End Street« unverändert hoch, und auch die härteren Stücke arten dank edler Melodiebögen und clever durchsichtiger Arrangements nie ins Brachiale aus. Große Klasse!

Die CD »Driftin»« ist im Fachhandel und über den Versandhandel erhältlich. Eine Rezension folgt in Kürze. axc

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