Stadt Gießen

»Musik statt Straße« feiert Galakonzert

Über einen vollen Konzertsaal im Rathaus konnten sich am Freitag 16 junge Musikerinnen und Musiker aus Sliven in Bulgarien freuen. Zum zehnjährigen Bestehen des Kinderhilfsprojekts »Musik statt Straße« bot das Kinderorchester aus Bulgarien ein abwechslungsreiches Galakonzert an, an dem auch das Multikulturelle Orchester der Stadt Gießen und die Kinder des Streichorchesters der Musikschule Gießen unter dem Dirigat von Katja Marauhn mit gemeinsamen Musikstücken beitrugen.
18. August 2019, 19:38 Uhr
ARI
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Mit einem Stück von Vivaldi bedanken sich die Musiker bei OB Grabe-Bolz. (Foto: ari)

Über einen vollen Konzertsaal im Rathaus konnten sich am Freitag 16 junge Musikerinnen und Musiker aus Sliven in Bulgarien freuen. Zum zehnjährigen Bestehen des Kinderhilfsprojekts »Musik statt Straße« bot das Kinderorchester aus Bulgarien ein abwechslungsreiches Galakonzert an, an dem auch das Multikulturelle Orchester der Stadt Gießen und die Kinder des Streichorchesters der Musikschule Gießen unter dem Dirigat von Katja Marauhn mit gemeinsamen Musikstücken beitrugen.

Das Programm war ein wahrer Ohrenschmaus mit Werken aus der klassischen Musik, Volksmusik, Gesangstücken und Filmmusik, die das Publikum animiert und begeistert haben. Das Konzert wurde von Pianist und Musiklehrer Hermann Wilhelmi lebhaft und unterhaltsam moderiert. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz bedankte sich als Schirmherrin insbesondere bei den Initiatoren Georgi Kalaidjiev und seiner Lebensgefährtin Maria Hauschild.

Alles begann vor über zehn Jahren, als Maria Hauschild einen von ihrem verstorbenen Vater hinterlassenen Briefumschlag mit Geld »für arme Kinder« fand. Sie und ihr Lebensgefährte dachten sofort an die Kinder des Ghettos in Sliven, Heimatstadt von Georgi Kalaidjiev, wo Minderheiten unterschiedlicher Herkunft in Armut leben, und schickten Lebensmittelpakete. Um noch mehr zu tun, gründeten sie »Musik statt Straße«. Dabei gehe es nicht nur um musikalische Ausbildung, sondern um Wertschätzung, Achtung und liebevolle Zuwendung, die diese Kinder bekommen und sie zu selbstbewussten jungen Menschen werden lassen. Diesbezüglich lies Hauschild einen berührenden Brief des Vaters zweier Roma-Mädchen vor. Ohne »Musik statt Straße« wären sie jetzt schon Ehefrauen und Mütter, ohne die Möglichkeit einer Ausbildung und ohne Perspektiven. Stattdessen seien sie selbstständige Mädchen geworden, die eine Zukunft außerhalb Elends und Armut erwarte.

In den vergangenen zehn Jahren konnte Hunderten von Kindern geholfen werden. Im Moment werden 31 Mädchen und Jungen zwischen vier und 18 Jahren in Sliven betreut. »Diese Kinder sind unsere Kinder«, betonten Grabe-Bolz und Maria Hauschild mehrmals.

Das Hilfsprojekt wurde und wird von zahlreichen Spendern unterstützt, wie beispielsweise Frau Kory aus Hamburg, die sich kurz nach der Entstehung der Initiative beteiligt hat und kürzlich mit einer großzügigen Spende die Organisation von professionellen beruflichen Orientierungskursen für die Kinder, die keinen musikalischen Werdegang anstreben, ermöglicht hat. Sie hat auch mehrere Geigen spendiert, genauso wie Professor Breuer vom Universitätsklinikum Gießen, der vor seinem Tod dem »Musik statt Straße«-Orchester sein Kontrabass geschenkt hat. Dank Spenden von Freunden und Unterstützern konnten 2018 ein neuer Orchesterraum und Lehrerraum eingeweiht werden. Die Stadt Gießen unterstützte die Tätigkeit von »Musik statt Straße« ebenfalls mit einer Spende; dafür widmete das Orchester Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz ein Stück von Vivaldi als besonderes Dankeschön.

Auch die Konzertbesucher konnten mit Spenden für Getränke helfen oder indem sie Fotobücher, CDs und Wein erwarben.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Musik-statt-Strasse-feiert-Galakonzert;art71,619725

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