19. März 2019, 06:00 Uhr

Przewalski-Herde

Nachwuchs für Gießener Wildpferde?

Jetzt klappt es doch: Einige Urpferde aus Hessen werden in Asien ausgewildert. Das bringt auch Bewegung in die Gießener Przewalski-Herde. Sorge bereitet nur der Überschuss an männlichen Fohlen.
19. März 2019, 06:00 Uhr
Seit sieben Jahren leben Przewalski-Pferde auf der Hohen Warte. Derzeit sind dort 17 Exemplare der einst fast ausgestorbenen Tierart zu Hause und sorgen für Landschaftspflege. (Foto: C. Goebel, BFB Schwarzenborn)

soll nur eine Zwischenstation sein, bald ziehen die Urpferde weiter nach Asien: Mit diesem Ziel wurden vor sieben Jahren die ersten vier Przewalski-Stuten auf der Hohen Warte angesiedelt. Doch bald zeigte sich, dass in Kasachstan die Vermischung mit Hauspferden und damit das Aus für die Art droht. Nun gibt es doch ein erfolgreiches Auswilderungsprojekt in der Mongolei. Das bringt Bewegung auch in die 17-köpfige Gießener Herde. Deren Fans können sich voraussichtlich auf einen weiteren Fohlensegen an der südöstlichen Stadtgrenze freuen.

Die vom Bundesforstamt betreute Herde in Gießen trägt im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) zur Rettung der einst fast ausgestorbenen Tierart bei. Außerdem tun die hellbraunen Pferde auf der 23 Hektar großen Koppel nahe der Licher Straße Dienst als »Rasenmäher«. Sie sorgen dafür, dass das frühere Militärübungsgelände nicht von Gebüsch überwuchert wird und dass – wie früher durch Panzerketten – Pfützen entstehen.

Kürzlich wurden in Zusammenarbeit mit dem Prager Zoo zwei junge Stuten aus Hanau ausgewählt für den Transport in Mongolei, wo wieder Wildpferde frei leben sollen. »Für uns ist das eine schöne Bestätigung. Unsere Bemühungen um den Erhalt der Art werden geadelt«, erläutert Christoph Goebel vom Bundesforst. Für das Projekt in Hessen entstünden »neue Ziele und Aufgaben«. Ging es in den letzten Jahren vor allem um die Erhaltung, so »wollen wir jetzt langsam die Zucht wiederbeleben.« Für die Hohe Warte bedeutet das: Ein neuer Hengst könnte für weiteren Nachwuchs sorgen. Einziehen soll er voraussichtlich frühestens nächstes Jahr.

Welche Erbmerkmale sich vermischen, wird sorgfältig geplant, um Inzuchtfolgen zu vermeiden. 2015 stieß erstmals ein männlicher Mitbewohner zur Gießener Frauen-WG. Die Stuten begrüßten Fury zunächst ungnädig mit Bissen und Tritten, ließen sich dann aber nach und nach alle mit ihm ein. Die Folge: Sieben Fohlen – und danach Furys Kastration. Denn seine Gene sollten sich, nachdem er bereits in Hanau viermal Vater geworden war, nicht weiter verbreiten.

»Seine« Herde führt Fury weiter an. Einem neuen Hengst müsste er allerdings weichen, erläutert Goebel. Sonst würden die beiden männlichen Tiere um das Revier kämpfen. Wenn das unterlegene nicht – wie in der Natur – das Weite suchen kann, drohten tödliche Verletzungen.

 

Seltene Vogelarten gesichtet

 

Die Hengste unter den Fohlen müssen die Herde auf lange Sicht wohl ebenfalls verlassen. Leider seien fast alle bisher in Gießen geborenen Jungtiere männlich, so Goebel. »Ich sage es ungern, aber sie sind für die Arterhaltung eher unwichtig.« Die meisten müssten wohl kastriert und als »Landschaftspfleger« eingesetzt werden.

Die Gießener Mutterstuten kämen für den Transport nach Asien nicht mehr in Frage, erläutert der Experte. Nur junge Tiere im »Top-Zustand« eigneten sich für die kostenaufwendige Auswilderung. Denkbar sei, dass Fohlen von der Hohen Warte eines Tages in die Mongolei reisen. Insgesamt sei die hiesige Herde imposant und vital. Immer wieder besichtigten Fachleute das Erfolgsprojekt. »Alle sind begeistert«, auch von Bürgern gebe es positive Rückmeldungen.

»Froh und zufrieden« sei man auch mit den Beweidungsfolgen. Mit Hufen und Zähnen bringen die Przewalski-Pferde den Naturschutz weiter voran. Unter anderem würden auf der Fläche seltene Vogelarten wie Neuntöter, Heidelerche oder Watvögel beobachtet.

Ein Problem war die Trockenheit im Hitzesommer 2018. In Containern musste Wasser angeliefert werden. Deshalb hat eine Spezialfirma nun einen neuen, tieferen Brunnen gebohrt. Davon profitieren sollen auch die Schafe, die oft in der Nähe weiden: Dorthin wird eine Leitung gelegt.

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