08. April 2019, 22:12 Uhr

Nacktbilder an 13-Jährige geschickt?

08. April 2019, 22:12 Uhr
Der Angeklagte soll der 13-Jährigen Fotos seiner Genitalien geschickt haben. Der Gießener schweigt zu den Vorwürfen. (Symbolfoto: dpa)

Das Handy liegt auf dem Kühlschrank. Plötzlich gibt es einen Ton von sich. Nachricht eingegangen. Der Vater greift nach dem Telefon – und sieht auf dem Bildschirm ein verstörendes Foto. Es zeigt das Geschlechtsteil eines Mannes – und das Handy gehört seiner 13-jährigen Tochter. Dieser Fall soll sich im Sommer 2017 in Norddeutschland abgespielt haben. Am Montag hat sich das Gießener Amtsgericht damit beschäftigt. Denn der Absender der Nachricht soll laut Anklage ein 26-jähriger Gießener sein. Er muss sich nun wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes verantworten. Überdies ist er wegen des Besitzes von kinderpornografischen Material angeklagt. Bei einer Hausdurchsuchung fanden Beamte einen USB-Stick, auf dem kinder- und jugendpornografische Fotos gespeichert waren.

Der Angeklagte selbst schwieg zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger verlas lediglich eine Erklärung, in der sein Mandant den Vorwurf bezüglich des USB-Sticks einräumte. Er habe das Material aus »Neugierde und Interesse« heruntergeladen und sich dabei keine Gedanken gemacht, sagte sein Anwalt. Wann und wo der Gießener an die Fotos gelangt sei, darüber habe er keine Kenntnis.

Am Montag beschäftigte sich das Gericht unter dem Vorsitz von Jugendrichterin Sabine Tremmel-Schön aber zunächst mit der sexuellen Belästigung. Der Anklageschrift zufolge hat der Gießener das Mädchen auf Instagram angeschrieben. Als sie ihre Telefonnummern ausgetauscht hatten, verlagerte sich der Chat auf den WhatsApp-Messenger. Schon früh soll die 13-Jährige dem damals 24-Jährigen ihr Alter verraten haben. Im weiteren Verlauf soll der Gießener nicht nur Bilder seines Glieds geschickt haben, sondern auch Nacktbilder des Mädchens gefordert haben. Und das auf eine aggressive und vulgäre Art, wie das Verlesen des Chat-Protokolls verdeutlichte.

Identifizierung durch Nacktfotos?

Da der Angeklagte sich nicht äußern wollte, nahm die Zeugenvernehmung einen breiten Raum ein. Die Mutter der damals 13-Jährigen erzählte, ihre Tochter sei in der Schule gewesen, als der Vater die Nachricht entdeckte. »Er dachte, es sei sein Handy«, sagte die Mutter. Neben zwei bis drei Nacktbildern eines Mannes hätten sie in dem Chat-Verlauf auch ein Foto ihrer Tochter gefunden, wie sie mit Sport-BH auf dem Bett gelegen habe. Nach der Schule hätten sie ihre Tochter dann zur Rede gestellt und seien gemeinsam zur Polizei gefahren, wo die Beamten den Chat-Verlauf protokolliert hätten. Sowohl Vater als auch Mutter betonten, sie hätten keinerlei Fotos von dem Smartphone gelöscht.

Auch die Tochter selbst wurde befragt. Die heute 15-Jährige betonte, dass der Gießener ihr geschrieben habe, dass die beiden trotz ihres jungen Alters zusammen sein könnten. Als Richterin Tremmel-Schön sie fragte, ob sie den Angeklagten wiedererkenne, schaute sie den Gießener kurz an und sagte. »Ja, ich erkenne die blauen Augen.« Welche Art von Fotos sie an ihn geschickt habe, daran könne sie sich im Detail nicht mehr erinnern, sagte das Mädchen. Außerdem habe sie die Fotos im Anschluss aus ihrer Galerie gelöscht. »Weil mir eingefallen ist, dass das nicht okay ist«, antwortete die 15-Jährige auf eine diesbezügliche Frage der Staatsanwältin.

Das Löschen der Fotos stellt das Gericht vor einige Schwierigkeiten. Denn in dem gesicherten Chat-Verlauf waren daher nur unscharfe Konturen zu erkennen. Womöglich kann aber eine junge Frau aus Nordhessen für Klarheit sorgen. Die 19-Jährige gab vor Gericht an, mit dem Angeklagten von 2015 an eineinhalb Jahre eine Beziehung geführt zu haben. Sie sei damals 14, 15 Jahre alt gewesen, er circa 20. In dieser Zeit hätte der Gießener ihr ebenfalls Bilder seines Intimbereichs geschickt. Aber auch nach Beendigung der Beziehung sei der Kontakt nicht abgebrochen, das letzte Mal habe er ihr im März Fotos seines Genitals geschickt.

Diese Bilder könnten im Verlauf des Prozesses noch eine bedeutende Rolle spielen. Denn Richterin Tremmel-Schön ordnete an, die Fotos aus diesem Chat-Verlauf ebenfalls von der Polizei sichern zu lassen. Im Zweifel könnte mit deren Hilfe geklärt werden, ob auf den an das 13-jährige Mädchen verschickten Bildern tatsächlich das Genital des Gießeners zu sehen sei.

Neben dem Angeklagten selbst verfolgte auch dessen Verteidiger die Verhandlung beinahe wortlos. Am Ende merkte er jedoch an: »Bisher habe ich noch keinen Beweis gehört, der belegt, dass mein Mandant diese Nachrichten verschickt hat.« Die kommenden Verhandlungstage sollen Klarheit bringen.

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