02. April 2012, 16:48 Uhr

»Narthex«: Erster Crossover-Abend im TiL

In einer neuen Reihe des Stadttheaters werden spartenübergreifende Arbeiten gezeigt. Diesmal trafen acht Musiker auf acht Tänzer und Schauspieler.
02. April 2012, 16:48 Uhr
Erzähler Roman Kurtz im Halbkreis des Bläserquintetts. (Foto: dkl)

Spartenübergreifendes Arbeiten in Eigenregie erproben Mitglieder des Stadttheaters bereits in der »Late Night«-Reihe, nun gibt es mit »Crossover« auch eine für weniger nachtaktive Menschen. Wie immer ist das Theaterstudio im Löbershof (TiL) der Experimentierraum, der allerdings die Fülle der erwartungsfrohen Besucher am Sonntag kaum zu fassen vermochte. Einen erklärungsbedürftigen Titel hatten die Organisatoren gewählt: »Narthex«, das altgriechische Wort für Kästchen. An diesem Abend sollte es das Schatzkästchen voller Erinnerungen sein, wozu auch die Erinnerungen der Besucher gehörten. Vor Beginn um kurze Notizen gebeten, wurden die Zettel eingesammelt und später auszugsweise vorgetragen.

Im Zentrum stand die Begegnung von Musik mit Schauspiel oder Tanz, mit Körpersprache oder Worten. Nicht jede der zwölf Sequenzen erschloss sich dabei, aber insgesamt war es ein kurzweiliger Abend, bei dem Ensemblemitglieder mit Ehemaligen der Tanzcompagnie und Mitgliedern des Jugendclub Tanz zusammentrafen. Für das Bühnengeschehen bedeutete es auch, dass einige Musikerinnen bei szenischen Darstellungen mitmachten. Grundlage bildeten zwölf kammermusikalische Stücke aus den vergangenen 100 Jahren, selten gespielte oder unbekannte Werke, die für die fünf Blasinstrumente Flöte, Fagott, Horn, Klarinette und Oboe, für Geige und Gitarre sowie Harfe komponiert wurden.

Das erste und letzte Stück stammen aus der Suite »Pardon me« für Blasinstrumente und Erzähler von Anthony Gustav Morris, der am Sonntag auch anwesend war. Dass es sich um eine Uraufführung handelte, ging im vielstimmigen Geschehen unter, doch waren es die wohl einprägsamsten Werke des Abends: am Anfang durch die gewöhnungsbedürftige Modernität der Komposition, am Ende durch die charmante Einbindung von Roman Kurtz, der letztlich einen Witz erzählte (»Der sprechende Hund«). Das Märchen vom Ungeheuer brachte Irina Ries zu Gehör, spannend umgesetzt zum Namen gebenden Stück »Narthex« von Bernard Andrès, das einfühlsam interpretiert wurde von Carol Brown an der Flöte und Cordula Poos an der Harfe.

Tanzimprovisationen gab es mehrere: dramatische Soli von Keith Chin, Antonia Heß (Andrea Zimmer am Horn) und Svende Obrocki (Joseph Unger-Wentorf an der Geige), ein fröhliches Freundinnen-Duett von Antonia Heß und Irina Ries, ein klassisch-elegisches Stück von Tarah Pfeiffer und Glenn Buchholtz. Aus dem Rahmen fielen die Beiträge von Maria Isabel Hagen. Beim ersten Mal trat sie als Gorilla auf und landete im glitzernden Partykleid zu einem Bläserduett (Flöte, Fagott) von Heitor Villa-Lobos, gespielt von Carol Brown und Maria Oliveira-Plümacher. Beim zweiten Mal eilte Hagen im Wettstreit mit ihrer eigenen Gestalt auf einer Videopräsentation durch den Bühnenraum; hier bildete eine Tanzeloge von Leo Brouwer die musikalische Inspiration, interpretiert von Thomas Bittermann an der Gitarre. Am Ende hatte sie ihren eigenen Schatten, ihre Erinnerung eingeholt.

Zu Dialogen für Oboe (Peter Sanders) und Klarinette (Thomas Orthaber) von Finn Hoffding gab es eine witzige Ensembleszene, bei der alle Darsteller aufgereiht auf einer Bank zu den von Kurtz vorgetragenen Erinnerungsfetzen der Besucher mehr oder weniger improvisierten. Ein mit kräftigem Applaus gewürdigter Crossover-Einstieg, bei dem auch die Mitglieder des Philharmonischen Orchesters mal die Möglichkeit hatten, sich aus der Nähe zu präsentieren. dkl

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