Stadt Gießen

Ohne Brille ist alles Mist: So kann Gießen helfen

In armen Ländern sind Brillen Mangelware. In Gießen kann man seine ausgedienten Sehhilfen nun spenden. Auch dank des Einsatzes vieler Kita-Kinder.
19. November 2018, 14:51 Uhr
Christine Steines
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Alles im Kasten: Gino, Konrad und Imad werfen die ersten Brillen in die Boxen. Jens Dapper, Dietlind Grabe-Bolz, Ilona Roth und Rita Möller sind gespannt, ob die Gießener fleißig spenden. (Foto: Schepp)

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz bekam ihre erste Brille mit Anfang 20, AWO-Geschäftsführer Jens Dapper trägt seit kurzem eine, Ilona Roth, Vorsitzende des Sparkassen-Vorstands, braucht eine Brille zum Autofahren. In Deutschland leben rund 82 Millionen Menschen, mehr als 40 Millionen tragen eine Brille. Wer an einer Sehschwäche leidet, hat in unserem Land in der Regel kein größeres Problem, denn Hilfsmittel sind für jeden zugänglich. Dass das nicht selbstverständlich ist, haben die Mädchen und Jungen in den Kindertagesstätten der AWO in den vergangenen Wochen gelernt. Sie haben mit den Erzieherinnen Spendenboxen gestaltet und zudem darüber gesprochen, wie wichtig es ist, gegen die Not anderer etwas zu tun. Wie Kita-Leiterin Rita Möller schildert, haben sich die Kinder bereits im Sommer bei dem Projekt »Die Welt ist bunt« mit Geschichten von Kindern aus anderen Ländern beschäftigt und dabei gelernt, dass es viele unterschiedliche Sitten und Gebräuche gibt. Und dass sich längst nicht alle Menschen immer alles kaufen können, was sie möchten oder brauchen.

 

Helfen und teilen ist wichtig

Für die jüngeren Kinder ist die Frage nach Gerechtigkeit, Armut und Reichtum noch zu abstrakt, doch alle haben sofort verstanden, wie wichtig helfen und teilen ist. Deshalb waren sie auch mit großem Eifer dabei, mit Unterstützung der Erzieherinnen die Spendenboxen zu basteln. Vom heutigen Montag bis zum 8. Dezember werden die Schachteln in Unternehmen und an zentralen Orten der Stadt aufgestellt. Als Kooperationspartner der AWO mit von der Partie sind die Sparkasse, die Firma Schunk, die THM und die Stadt Gießen. Gesammelt werden ausrangierte Brillen und Hörgeräte aller Art. Am Ende der Aktion werden sie von der Non-Profit-Organisation »Brillen weltweit« abgeholt. Jede Sehhilfe wird dann hinsichtlich der Gläserstärke und Funktionstüchtigkeit geprüft. Anschließend werden die Spenden in Länder gebracht, in denen Menschen mit Sehschwäche sehnlichst darauf warten, ihren Alltag wieder besser meistern zu können.

Die Oberbürgermeisterin ging mit gutem Beispiel voran: Sie spendete die erste Brille, die sie als junge Frau bekommen hat. Das Modell mit den riesengroßen Gläsern diente einst als Spielzeug für die Töchter und lag danach jahrelang in der Schublade – in Zukunft wird es irgendwo auf der Welt einem kurzsichtigen Menschen zu mehr Durchblick verhelfen.

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