29. Oktober 2019, 21:28 Uhr

Ohne Helm und ohne Licht

29. Oktober 2019, 21:28 Uhr
Die meisten von den ACE-Mitgliedern gezählten Radfahrer sind ohne Helm unterwegs. Auch das Licht haben viele nicht an. (Foto: Schepp)

Es gibt dieses einfache und gleichzeitig so aussagekräftige Experiment: Lässt man eine Melone auf den Asphalt fallen, zerplatzt sie. Legt man die Frucht vorher in einen Fahrradhelm, nimmt sie keinen Schaden. Trotzdem radeln die meisten Menschen ohne Kopfschutz durch die Gegend. Auch in Gießen. Das haben am Donnerstag Ehrenamtliche des Automobilclubs Europa (ACE) festgestellt. Die neun Frauen und Männer hatten sich um 16 Uhr an den Zebrastreifen in der Neuen Bäue auf Höhe des McDonalds gestellt und gezählt. Ergebnis: Von 368 Radfahrern trugen 133 einen Helm.

Während in einigen anderen Ländern Europas Helmpflicht herrscht, ist den Fahrradfahrern in Deutschland freigestellt, ob sie ihren Kopf schützen. Viele verzichten darauf, weil sie Helme als unpraktisch und nicht gerade ästhetisch empfinden. Es gibt zwar Untersuchungen, wonach Helme auch ein Gefahrenpotenzial bergen, da ihre Träger oftmals riskanter unterwegs seien. Die meisten Studien sehen die Vorteile aber klar im Vordergrund. Eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie etwa kommt zum Ergebnis, dass bei insgesamt 2817 schwer verletzten Fahrradfahrern der Kopf mit 71,9 Prozent der am häufigsten betroffene Körperteil gewesen ist. Laut den Medizinern waren Schädel-Hirn-Traumata die häufigste Verletzungsart.

Allerdings könnten diese Zahlen künftig zurückgehen. Denn in den vergangenen Jahren tragen immer mehr Deutsche einen Kopfschutz. Eine Entwicklung, die auch die Ehrenamtlichen des ACE in Gießen beobachtet haben. »Am 5. November 2013 haben wir zur gleichen Uhrzeit ebenfalls gezählt. Damals haben von 233 Radfahrern 216 keinen Helm getragen«, sagt der Kreisvorsitzende Weigel. Seine Kollege, der Regionalbeauftragte Volker Schork, hat diese Tendenz ebenfalls beobachtet. »Die Bereitschaft, einen Helm zu tragen, ist größer geworden. Es machen aber immer noch viel zu wenige.«

Neben dem Helm hatten die ACE-Mitglieder noch zwei weitere Aspekte im Fokus: Fahrradfahrer mit Handy in der Hand und Radler ohne Licht. Das Ergebnis: Während sieben Personen beim Fahren ein Telefon in der Hand hielten, waren 97 von 244 ohne Licht unterwegs. Da die Ehrenamtlichen erst später, als es dunkel wurde, mit dem Zählen begonnen haben, ist die Gesamtzahl niedriger als bei der Helmzählung.

»Wir müssen leider im Stadtgebiet immer wieder feststellen, dass Radfahrer ohne die notwendige Beleuchtung unterwegs sind und daher auch für andere Verkehrsteilnehmer schlecht zu erkennen sind«, sagt auch Polizeisprecher Jörg Reinemer. Der Herbst erfordere grundsätzlich eine besondere Vorsicht. »Neben der Dunkelheit können Laub, abgebrochene Äste oder erstes Glatteis eine Gefahr darstellen«, sagt Reinemer. Außerdem empfehle die Polizei einen Licht-Check.

Bei Kontrollen würden die Beamten zunächst auf die Problematik hinweisen. Weiterfahren sei tabu, wer keine Einsicht zeige, müsse dann mit einem Bußgeld von 20 Euro rechnen.

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