17. September 2019, 21:23 Uhr

Opfern zur Seite stehen

17. September 2019, 21:23 Uhr
EGB
Vorstandsvorsitzender Achim Lauber-Nöll (Mitte) bedankt sich bei den Mitarbeitern.

Für Menschen, die Opfer von Verbrechen geworden sind, ist die Gießener Hilfe oft die erste Anlaufstelle. Bei einer Feier im Polizeipräsidium Mittelhessen blickte der Verein nun auf seine 25-jährige Geschichte zurück.

Die Gießener Hilfe unterstützt und begleitet Menschen, die Opfer oder Zeugen einer Straftat geworden sind, sowie deren Angehörige. Auf Initiative des Hessischen Justizministeriums nahm die Einrichtung im September 1994 ihre Arbeit auf. Damit war der Verein die vierte professionelle Beratungsstelle dieser Art in Hessen. In seiner Eröffnungsrede bedankte sich Vorstandsvorsitzender Dr. Achim Lauber-Nöll bei seinen Mitarbeitern für ihr persönliches Engagement und begrüßte ganz besonders die ehemaligen Vorstandsmitglieder und Mitbegründer Manfred Meise, Ulrike Büge, Willi Albert und Manfred Schweizer. Ziel sei es gewesen, ein flächendeckendes Netz verschiedener Beratungsstellen in Hessen aufzubauen, was durchaus gelungen sei, sagte Lauber-Nöll. Ein großer Vorteil sei außerdem, dass der ehrenamtliche Vorstand mit Ärzten, Polizisten und Juristen breit aufgestellt sei. Dies zeige, dass auch intern Wert auf Vernetzung verschiedener Bereich gelegt werde. Die Beratung in Gießen wird momentan von fünf Mitarbeitern übernommen, die von Beruf Pädagogen und Psychologen mit therapeutischen Zusatzausbildungen sind.

»Neben praktischer Hilfestellung und psychologischer Beratung geht es vor allem darum, den Opfern das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind«, beschrieb Karl Greven, Ministerialdirigent und Abteilungsleiter im hessischen Justizministerium, die Arbeit der Organisation. Er ging außerdem auf die juristische Situation von Opfern in den letzten Jahrzehnten ein. Demnach konzentrierten sich Hilfsangebote lange Zeit vermehrt auf die Belange der Täter, die Interessen und Bedürfnisse von Geschädigten wurden oft vernachlässigt. Für eine erste Verbesserung der Gesetzesgrundlage sorgte das Opferentschädigungsgesetz im Mai 1976 sowie das Opferschutzgesetz, das zehn Jahre später, im Dezember 1986 in Kraft trat.

Trauma verhindern

Diese Thematik griff auch Jürgen Seichter, Richter am Amtsgericht Gießen, auf. Er gratulierte zum 25-jährigen Bestehen und betonte, die Gießener Hilfe habe das bestehende Ungleichwicht zwischen Täter- und Opferhilfe aufgegriffen und so ihrer Zeit voraus gehandelt.

In einem Fachvortrag zum Thema Traumafolgestörungen ging Dr. Bernd Hanewald, stellvertretender Direktor des Zentrums für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum, darauf ein, was ein Trauma ist und wie dieses entsteht. »Besonders schwere Traumareaktionen lassen sich unter anderem dann erwarten, wenn das Opfer nach der Tat niemand hat, der ihm beisteht«, so Hanewald. Hier setze die Arbeit der Gießener Hilfe an, zu deren Beratungsangebot auch die psychologische erste Hilfe gehört. Hanewald würdigte außerdem den Einsatz der Mitarbeiter, für die die Situationen oftmals belastend seien: »Sie leisten eine wichtige Arbeit, aber bitte passen Sie auch auf sich auf.«

Stadträtin Gerda Weigel-Greilich überbrachte Glückwünsche im Namen der kommunalen Familie. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung vom Polizeiorchester Mittelhessen und dem »Pure Acoustic Duo«. (Foto: egb)

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