18. März 2018, 19:12 Uhr

Packende Eigenkompositionen

18. März 2018, 19:12 Uhr
Bluesrange aus Wetzlar unterhalten ihr Publikum bestens. (Foto: sis)

»I don’t need no doctor« erklingt es auf der Bühne des Jokus. Zur »3rd Blues Night« haben bekannte heimische Gesichter wie Bluesrange aus Wetzlar und der international bekannte »Mundharmonika-King« Steve Baker geladen. Angekündigt war auch Diego’s Bluesband aus dem Lahn-Dill- Kreis, doch sie musste ihren Auftritt wegen Krankheit absagen.

Die sieben Musiker aus Wetzlar heizen dem Publikum gut ein – mit Ray Charles, BB King, Allmann Brothers und eigenen Werken. Die junge Sängerin Lisa Elbert beweist eine kräftige Stimme, die sich neben Altmeister Walter Krombach keineswegs verstecken muss. »Heute ist nicht Karfreitag, also kein Tanzverbot«, fordert Daniel Scheidel (Harp) die Besucher auf, die zu Beginn noch lauschen, ohne die Hüften zu bewegen. Schon bald wird getanzt.

Bluesrange, die sich 2010 zusammengeschlossen haben, zelebrieren ihren Auftritt durchaus niveauvoll. Unterhaltsam ist der Song »One way out«, wenn der Ehemann nach Hause kommt und der Liebhaber zum Fenster hinaus flüchtet. »Where is your window, baby?«, singt Krombach amüsiert. Jörg Bischoff steuert ein cooles Solo an den Drums bei. Schlagzeug, Bässe, Rasseln und Percussions sind perfekt aufeinander abgestimmt und produzieren ein zum Bewegen einladendes Klangbild.

Ihren großen Auftritt hat Sängerin Elbert mit »Call me the breeze«. Hier bringt sie ein wenig Aloha-Feeling in den dunklen Saal und passt sich zum Countrystil der Haps von Scheidel nahtlos in den Verandabeat der Bässe und Gitarren ein. Kurti Hawranke (Rhythm Guitar) und Heinz Gabler (Lead Guitar) lassen ihre Erfahrung spüren.

Hauptact des Abends, der ruhig so familiär hätte weiterklingen dürfen, ist der gebürtige Londoner Steve Baker. Nach einer 40-jährigen Karriere als hoch angesehener Sideman erfindet er sich nun mit 64 Jahren neu als Sänger und Komponist. Das erste Soloalbum »Perfect Getaway« bietet eine bestechende Sammlung selbstgeschriebener Lieder, die fast beiläufig auch Bakers Fähigkeiten als Harpspieler unter Beweis stellen. Unterstützt von einer großartigen Band mit Kai Strauss (Gitarre), Gaz (Bass, Gitarre, Backing Vocals), Alex Lex (Schlagzeug, Percussion), Chris Rannenberg (Klavier) und anderen liefert Baker packende Eigenkompositionen, die einen breiten Bogen zwischen Singer/Songwriter, Blues, Country, Gospel und Rock’n Roll bis hin zum krachenden Rock spannen. Der Mann ist einer der Allerbesten seines Fachs. Warum solch einer Koryphäe kein Raum mit etwas mehr Glamour geboten wird, bleibt dahingestellt. Baker hat den Blues, den Gospel, Rock und Pop!

Das Album lebt von einer »gewissen Popsensibilität« des Hauptakteurs. Wo der »Notional security blues« noch relativ klassisch nach Blues klingt, nimmt »Hustle on down« enorm an Fahrt auf und kann die rockigen Einflüsse nicht verleugnen. »One world« ertönt melancholisch, »Soul train« funkt über die Bühne, und »Born in London« transportiert ordentlich Beat und Partylaune. Und die Mundharmonika, das Instrument, das den Virtuosen berühmt gemacht hat? Sie bleibt sein Instrument. Hut ab!

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