28. Oktober 2019, 21:33 Uhr

Präsenz und Strahlkraft

Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert erklang in der Johanneskirche. Für Pianistin Julia Reck und alle anderen Mitwirkenden gab es am Ende des nachhaltigen Konzerts lang anhaltenden Applaus.
28. Oktober 2019, 21:33 Uhr
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Von Dr. Olga Lappo-Danilewski
Die Kantorei der Johanneskirche und das Gießener Kammerorchester unter der Leitung von Christoph Körber. (Foto: rw)

Selten hört man ein Klavierkonzert in der Johanneskirche: Am Sonntag bildete Wolfgang Amadeus Mozarts Werk in d-Moll KV 466 den passenden Auftakt zu einem Konzert von hoher musikalischer Dichte, in dessen Zentrum Franz Schuberts Es-Dur Messe stand. Dramatische Grundstimmung verbindet die beiden Kompositionen.

Die raunenden Einleitungstakte von Mozarts 1785 entstandenem Konzert für Klavier und Orchester entwickelten Spannung, die das Düstere betonte. Das durchzog die gesamte Interpretation, beginnend im Allegro mit markanten Bläserakzenten. Leichtgängiger Esprit blieb da folgerichtig außen vor. Der Klang gewann an Dynamik und Geschmeidigkeit. Tutti-Schlagkraft des Kammerorchesters und eine ausgefeilte Leistung am Flügel gingen Hand in Hand. Die Pianistin Julia Reck, an der Freiburger Musikhochschule ausgebildet und seit 1993 Gießenerin, wo sie unter anderem als Pädagogin wirkt und einen Lehrauftrag an der Universität wahrnimmt, folgte ganz dem dramatischen Impetus in klarem Anschlag ohne Rokoko-Ornamentik. Lediglich im mittleren Teil stellte sich eine Spur jener schwingenden Eleganz ein, die die Satzbezeichnung »Romance« vermuten lässt. Federnd und optimistisch beschloss das Allegro assai eine gelungene Darbietung.

Wurde bei Mozart das kraftvoll zupackende Element betont, steigerte Kantor Koerber in seiner beeindruckenden Einstudierung von Schuberts in dessen Todesjahr 1828 entstandenen Messe diesen Eindruck mit der groß besetzten Kantorei der Johanneskirche und dem nun verstärkten Blech im Gießener Kammerorchester.

Das Werk stellt hohe Anforderungen an das Vokalensemble, das durchweg hoch präsent ist, gut artikuliert, in den fugierten Passagen präzise agiert und den souveränen Vorgaben des Dirigenten in allen Schattierungen zwischen Fortissimo und Piano sowie den Tempoabstufungen sensibel folgt. So fesselte gleich das »Kyrie« mit glanzvollem Klangbild; die kühne Harmonik und der Tutti-Einsatz ließ manchem Konzertbesucher den berühmten Schauer über den Rücken laufen. Anspruchsvoll für Vokal- und Instrumentalensemble war das »Gloria« mit seinen ineinandergreifenden Blöcken im Verlauf der Textgliederung. Der Wechsel zwischen Polyphonie und Homophonie, die große Fuge »Cum sancto spirito« forderten mit ihrer Chromatik erhöhte Konzentration auch beim Zuhören.

Sängersolisten setzen Akzente

Keine großen, aber wichtige Aufgaben nehmen die Sängersolisten in dem Werk wahr, so im »Credo« (»Et incarnatus est« für zwei Tenöre und Sopran), das wiederum mit einer ausgedehnten Fuge (»Et vitam«) besondere Aufmerksamkeit verlangt, sowie im lieblichen »Benedictus qui venit«: Julia Diefenbach (Sporan), Sora Winkler (Alt), Florian Löffler und Christian Richter (Tenöre) sowie Markus Licher (Bass) sorgten mit ihren Partien für schöne Lichter und trugen zur Plastizität des Klangbildes bei. Im reich orchestrierten »Agnus Dei« mit dem nachdrücklich intonierten Gebet »Dona nobis pacem« setzen die Sängersolisten noch einmal Akzente, bevor der so aktuelle Wunsch nach Frieden ruhig ausklingt.

Die Mitwirkenden in diesem nachhaltigen Konzert wurden mit lang anhaltendem, herzlichen Beifall gefeiert.



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