19. Februar 2019, 11:00 Uhr

Mikrofonanlage

Rathaus Gießen: Mikrofonanlage »zum Fremdschämen« ist bald Geschichte

Seit Jahren gibt es im Gießener Stadtparlament Ärger mit der Mikrofonanlage. Bereits kurz nach Eröffnung hatte es Probleme damit gegeben. Nun sind ihre Tage gezählt.
19. Februar 2019, 11:00 Uhr
(Foto: Foto: mö/Fotolia: cheremuha/MDV-Grafik: C. Mank)

Das typische Handzeichen des Mitglieds eines Parlaments ist der erhobene Arm bei einer Abstimmung. In der Gießener Stadtverordnetenversammlung ist es eher das Klopfen des ausgestreckten Zeigefingers auf die Mikrofone im Saal. Funktioniert der Lautverstärker oder wieder mal nicht?

So geht das im Grunde seit der Eröffnung des Rathauses vor zehn Jahren. Eine der ersten Sitzungen im neuen Sitzungsaal, der ansonsten durchaus Landtags-Niveau hat, musste sogar abgebrochen werden, weil die Mikrofonanlage ihren Geist aufgegeben hatte. Damals hielt man das noch für eine Kinderkrankheit. Ein Irrtum: Das Leiden ist chronisch, und in letzter Zeit hat sich der Zustand des Patienten weiter verschlechtert. Der letzte besorgniserregende Schwächeanfall liegt erst ein paar Tage zurück: Als die Vertreter des Otto-Konzerns im Bauausschuss ihre Pläne für das AAFES-Gelände im früheren US-Depot präsentieren wollten, gab die Anlage entweder gar keine oder schrille Töne von sich. Ausschuss-Vorsitzende Dorothé Küster (CDU) spricht aus, was viele im Saal dachten: »Es war zum Fremdschämen.«

Am Dienstagabend nun informierte das Hochbauamt zum wiederholten Male den Ältestenrat des Stadtparlaments und legte dar, wie das Dauerproblem behoben werden soll. Die gute Nachricht nicht nur für die Stadtverordneten: In der zweiten Jahreshälfte soll durch den Austausch der Anlage endlich Abhilfe geschaffen werden.

 

Überlagerungen durch W-LAN

Die Technik war im Rahmen des Rathausneubaus 2009 beschafft worden und sei damals »ein hochwertiges Produkt« gewesen, wie Magistratssprecherin Claudia Boje auf Anfrage erklärt. Mittlerweile weise die Anlage »deutliche Gebrauchsspuren« auf. Dies betreffe im Wesentlichen die Mikrofone und die Akkus. Die Anlage arbeite in einem Frequenzbereich von 2400 bis 2483,5 Megaherz. Boje: »Dies war bei der Beschaffung vollkommen unproblematisch. Heute werden jedoch Funktelefone und das nachträglich installierte W-LAN im ähnlichen Frequenzbereich betrieben. Damit kommt es zu Überlagerung im Sprechbetrieb und damit auch zu den bekannten Störungen«.

 

Erste Störungen kurz nach Eröffnung

Um Abhilfe zu schaffen, werde eine neue Anlage mit gleicher Funktion angeschafft. Die neuen Anlagen arbeiteten in einem Frequenzbereich von 5200 bzw. 5800 MHz. Störungen durch W-LAN oder Funktelefone seien damit, nach dem Stand der Technik, ausgeschlossen. Im Zuge des Umbaus werde die Diskussionsanlage von der Gefahrenmeldeanlage getrennt, sodass zukünftig auch Störungen zwischen diesen beiden Anlagen ausgeschlossen werden können. Sobald der Vergabeprozess abgeschlossen sei, würden die Termine für die Arbeiten mit dem Stadtverordnetenbüro abgestimmt. »Die Umsetzung der Arbeiten ist für Mitte 2019 geplant«, erklärt Boje. Für die bereits geplanten Veranstaltungen werde bis zum Austausch ab sofort eine mobile Interimslösung gestellt.

Die vor zehn Jahren installierte Diskussionsanlage besteht aus 34 Sprechstellen, welche per Funk mit einer Empfangszentrale kommunizieren. Freigaben und Redeunterbrechungen erfolgen von einer sogenannten Präsidentensprechstelle, welche ebenfalls per Funk an die Empfangszentrale angeschlossen ist. Die Sprachsignale werden in der Empfangszentrale entgegen genommen und an die sogenannte Gefahrenmeldeanlage per Draht übertragen. In dieser ELA-Anlage erfolgt die Umsetzung und die Übertragung an die im Saal, im Flur und den Fraktionszimmern verbauten Lautsprecher.

Als kurz nach der Eröffnung des neuen Rathauses die ersten Störungen auftraten, wurde das Haupt- und Personalamt mit der Ursachenforschung beauftragt und kam in einem internen Bericht übrigens zum Ergebnis, dass die Anlage für einen großen Saal »nicht wirklich geeinigt« sei und normalerweise »in großen Tischrunden zur gegenseitigen besseren Verständigung« eingesetzt werde. Die Architeketin hatte ursprünglich verkabelte, fest installierte Mikrofone vorgeschlagen. Die Stadt indes entschied sich für die wegschließbaren Funkmikros, um Vandalismus durch Schülergruppen oder andere dort tagende Gäste zu verhindern.

Info

Zehn Jahre neues Rathaus

Das Rathaus am Berliner Platz wird demnächst zehn Jahre alt. Im Mai 2009 wurde die neue Stadtverwaltung nach sechsjähriger Planungs- und Bauzeit eröffnet. Die Kosten betrugen inklusive Wieseck-Renaturierung, Außenflächen und Altlastensanierung letztlich gut 71 Millionen Euro. Wie berichtet, reichen die 420 Büroarbeitsplätzen mittlerweile nicht mehr aus. Die Stadt will daher das Jugendamt in dem nahen Blecher-Gebäude unterbringen.

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