29. August 2019, 22:11 Uhr

Reif für großen Durchbruch

29. August 2019, 22:11 Uhr

Rockig und ordentlich laut war es am Mittwochabend innerhalb der Klostermauern auf dem Schiffenberg. Die Macher des Kultursommers präsentierten ein »Dreierpaket«, das sich gewaschen hat - wie eine Reise durch fünf Jahrzehnte Rockgeschichte: Krokus wurden 1975 gegründet, Gotthard formierten sich 1991, The New Roses sind mit der Gründung 2007 eine der »frischeren« Bands am Markt.

Der Fokus des Abends lag auf dem schweizerischen Doppel Krokus und Gotthard. Beide Gruppen stehen zwar Pate für den Begriff Hard Rock, könnten aber unterschiedlicher kaum sein. Während Gotthard sich dem eher schnörkelloseren Stadionrock der 90er verschrieben haben, an vielen Stellen aber auch noch 80er-Glam-Rock-Attitüde aufblitzen lassen, erinnern Krokus mit ihrer bluesigen Spielweise eher an die australischen Hardrock-Heroen von AC/DC. Beide Bands verbinden auch Gemeinsamkeiten: Beide stammen aus der musikalisch eindeutig unterrepräsentierten Schweiz, bei beiden Gruppen hat Kult-Gitarrist Mandy Meyer (früher Gotthard, heute Krokus) die Finger im Spiel. Doch die beiden Gruppen unterschieden sich am Mittwoch vor allem in der Frische: Zwar lieferten Krokus eine wirklich solide Show. Dass die Band aber nicht mehr taufrisch ist, war vor allem Frontsänger Marc Storace anzumerken, dessen Stimmumfang schon bessere Tage erlebt hat. Dennoch scheint die Band, die für unzählige personelle Wechsel bekannt ist, ausgerechnet auf ihrer Abschiedstour eine perfekte Besetzung gefunden zu haben. So kamen Klassiker wie »Fire« oder »Hoodoo Woman« sowie Coverversionen wie »Rockin’ in a free world« oder »Quinn the Eskimo« bei den 2000 Fans gut an.

Für Gotthard hätte der Tod von Frontmann Steve Lee, der 2010 in den USA bei einem Motorradunfall ums Leben kam, das Aus bedeuten können. Doch die Band wollte weitermachen - und nahm sich Zeit, einen neuen Frontmann zu finden. Dies ist ihnen mit der Wahl des schweizerisch-australischen Nic Maeder vortrefflich gelungen. Problemlos bewegt er sich in denselben Sphären wie einst Lee, einzig bei »Lift U up« ringt er ein wenig mit den Höhen.

Für glammige Gotthard-Songs wie das Deep-Purple-Cover »Hush« vom Frühwerk, aber auch für den Kopfnicker-Opener »Electrified« vom Neuwerk hat er die richtige Attitüde. Durch seine agile Art haucht er der Hard-Rock-Legende Gotthard frischen Esprit ein. Gleichermaßen kann er auch bei Akustiknummern wie »One life, one soul« glänzen.

Special Guest waren The New Roses aus Wiesbaden, die 2016 erstmals beim Kultursommer zu erleben waren. Von ihrem damals noch unbekannten Newcomerstatus hat sich das Quartett zuletzt immer häufiger auf Headlinerplätze kleinerer Festivals oder zu illustren Namen der Rockgeschichte als Special Guest gesellt. Am Mittwoch wird schnell klar, warum: Frontmann Timmy Rough (bürgerlich: Tim Opitz) bringt nicht nur mit jeder Menge Sexappeal - sein lilanes Hemd trägt er bis fast zum Bauchnabel geöffnet - die Frauenherzen zum Schmelzen, sondern überzeugt auch mit seinem unglaublichen Stimm-Organ, das irgendwo zwischen Chad Kroeger und Jon Bon Jovi zu Hause ist. So auch die Songs: The New Roses schütteln sich radiotauglichen Stadionrock aus dem Ärmel, der mal nach den früheren Bon Jovi, mal nach dem Southern Rock eines Tom Petty, dann wieder nach dem rauen Schmalz eines Bryan Adams (»One more for the road«) klingt. Dabei gelingt es der Band, selbst bei radiotauglichen Nummern mit viel Melodie und Ohrwurmgefahr wie »Down by the river« oder »Glory road« die Waage zwischen genug Rotz und zuviel Pathos und Banalität zu halten. Der zuletzt etwas angestaubte Classic Rock hat einen neuen Hoffnungsträger - The New Roses sind reif für den ganz großen Durchbruch.

Timmy Rough (l.) und Bassist Hardy W.-Heart von The New Roses. (Foto: sag)

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