25. Juli 2019, 21:38 Uhr

Revolution ja - aber bitte ohne Tumult

25. Juli 2019, 21:38 Uhr
Das revolutionäre Schwarz-Rot-Gold mit Hessenwappen und Gießen-G: Diese Fahne schwenkte die »Bürgergarde« 1848.

Empörte Bürger werfen Steine gegen Fenster, und bei öffentlichen Versammlungen wird schon einmal ein Redner derart unsanft von der Bühne gezerrt, dass er Verletzungen davonträgt. Dabei sind die Kontrahenten im Grunde Gesinnungsgenossen: Sie alle setzen sich für ein demokratischeres und einheitliches Deutschland ein. Die bewegten »Anfänge der Märzrevolution in Gießen« schildern Malaika Berhe, Hannah Franken und Ole Kiehne in ihrem Beitrag für den Geschichtswettbewerb. Damit haben die Zehntklässler des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums einen Landessieg errungen.

Erstmals werden im Frühjahr 1949 deutschlandweit und vernehmlich freiheitliche Ideale und Demokratie eingefordert, eine Verwirklichung scheint möglich. Nicht nur im 9000-Einwohner-Universitätsstädtchen Gießen, auch in vielen kleineren Gemeinden im Umland machen die Bürger bei Versammlungen deutlich, dass sie sich Veränderungen wünschen. Aber welche?

Verschiedenste Anliegen sorgen für die Aufbruchstimmung, berichten die jungen Forscher. Die Sehnsucht nach politischer Freiheit bewegen das Bürgertum schon seit Jahren. Bauern und Handwerker erleben in Zeiten der Industrialisierung eine Verarmung und sind zornig auf die Kreisräte, die die monarchischen Herrscher vor Ort vertreten. Pressefreiheit oder Versammlungsrecht fordern die Revolutionäre unter der schwarz-rot-goldenen Fahne alle.

Strittig ist jedoch, wie radikal der Umsturz sein soll. Entsprechend schnell setzt eine Zersplitterung ein. Die einen möchten die Fürsten am liebsten kurzerhand absetzen. Diese »Republikaner« sind in Gießen stärker vertreten als anderswo, weil viele Studenten dieser Richtung anhängen. Sie organisieren sich beispielsweise im »Märzverein«.

Doch auch hier gibt es etliche »Konstitutionelle«, die nur vorsichtige Reformen anstreben, etwa weil sie die Folgen der französischen Revolution 1789 kritisch sehen. Für eine gewisse Stabilität tritt beispielsweise der »Vaterländisch-konstituelle Verein« ein, zu dem viele Beamte gehören.

Revolution ja - aber ohne allzu viel Tumult: Dieses Ziel verfolgt auch die »Bürgergarde«, zu deren Oberkommandant Carl Vogt gewählt wird. Sie soll zum einen »Ausschreitungen verhindern und den Aufbruch in geordnete Bahnen lenken« - beispielsweise gibt es in Gießen vermehrt Klagen über Ruhestörung, seit die Wirtshäuser ihre Sperrstunde nicht mehr einhalten. Zum anderen sollen sie freiheitliche Rechte gegen die alte Obrigkeit gewährleisten.

Umsturz oder Reformen?

Mit der Einführung der Pressefreiheit erscheint ab März täglich die Revolutionszeitung »Jüngster Tag«, unter anderem arbeiten dort Georg Büchners Brüder Alexander und Ludwig Büchner.

Da die drei Schüler nur einen kurzen Zeitraum bis Sommer 1848 erforscht haben, schreiben sie nichts zum weitgehenden Scheitern der Revolution. Aus den Anfängen in Gießen könne man vor allem lernen, »dass Menschen Krisen immer unterschiedlich wahrnehmen und bewerten«, so ihr Fazit. Diese Erkenntnis sei gerade heute bedeutsam: »Wir müssen Verständnis für die Interessen und Meinungen anderer aufbringen. Sonst wird die Demokratie untergraben.«

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