10. September 2019, 22:08 Uhr

SPD setzt auf Doppelspitze

10. September 2019, 22:08 Uhr
moeller_moe
Von Burkhard Möller

Noch fast bis Jahresende wird es dauern, bis die Bundes-SPD eine neue Parteiführung haben wird. Sieben Bewerber/innen-Tandems ziehen gegenwärtig durch die Republik, um bei den Mitgliedern für sich und das neue Doppelspitzen-Modell zu werben. Da wird der Stadtverband der Gießener SPD vermutlich deutlich schneller sein. Bereits am kommenden Freitag soll ein zweiköpfiges »Vorstands-Team« gewählt werden. Kandidieren werden Fraktionsvorsitzender Christopher Nübel und die Stadtverordnete Nina Heidt-Sommer.

Dies bestätigte Nübel auf Anfrage, nachdem die Sozialdemokraten zum Stadtverbandsparteitag am Freitag ins Bürgerhaus Kleinlinden eingeladen hatten. Der Einladung ist zu entnehmen, dass die Gießener SPD vor einer Zäsur steht. Nach Jahrzehnten mit einem Vorsitzenden an der Spitze soll es eine Änderung der Parteisatzung ermöglichen, eine gleichberechtigte Doppelspitze mit einer Frau und einem Mann zu wählen. »Wir nennen das Vorstandsteam, weil es nicht wie der Doppelspitze der Grünen darum geht, Parteiflügel in der Führung abzubilden«, erklärte Nübel. Vielmehr gehe es darum, die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Nübel: »Viele von uns sind beruflich stark eingespannt. Da hilft es einfach, wenn man nicht allein an der Spitze steht.«

Beruflich stark beansprucht, und das auch noch weiter von Gießen entfernt, ist der noch amtierende Vorsitzende Umut Sönmez. Der 36-Jährige hatte den Stadtverbandsvorsitz erst vor knapp drei Jahren von Gerhard Merz übernommen, aber schnell zeigte sich, dass das Amt nur schwer mit seinem Job bei Opel in Rüsselsheim unter einen Hut zu bringen ist. Daher werde Sönmez auch nicht wieder kandidieren und vermutlich auch seinen Lebensmittelpunkt nach Südhessen verlegen, sagte Nübel.

Der designierte Vorsitzende hofft, dass die Partei durch eine Arbeitsteilung an der Spitze »erkennbarer wird«. Denn schon immer habe der Stadtverband im Schatten der Stadtverordnetenfraktion gestanden, die durch die Debatten im Stadtparlament auch mehr in der Öffentlichkeit erscheine. Durch die Einbindung in Koalitionen könne die Fraktion allerdings nur begrenzt sozialdemokratisches Profil ausbilden.

Mit der Lehrerin Nina Heidt-Sommer würde erstmals eine Frau an die Spitze des SPD-Stadtverbands rücken, der vor Umut Sönmez lange Jahre von den Landtagsabgeordneten Günther Becker und Gerhard Merz geführt wurde. Bekannt ist Heidt-Sommer unter anderem durch ihr Engagement im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, zudem ist sie Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und schulpolitische Sprecherin der Stadtverordnetenfraktion.

Mehr Frauen auf Kandidatenliste

Christopher Nübel ist wie Heidt-Sommer bereits stellvertretender Vorsitzender der Gießener SPD und führt die Fraktion seit rund drei Jahren. Der Rechtsanwalt hat sich einen Namen als Experte für Verwaltungsrecht gemacht und ist in Gießen auch als Leistungssportler und Vorsitzender der Gießener Rudergesellschaft bekannt.

Auch eine andere gravierende Veränderung wollen die Genossen am Freitagabend beschließen. Bei der Listenaufstellung für die Wahl zum Stadtparlament - die nächste Kommunalwahl findet im März 2021 statt - soll eine 50-Prozent-Frauenquote gelten. Bislang gilt, dass jeder fünfte Listenplatz frei besetzt werden konnte; meistens nahmen Männer diese Plätze ein. »Das wird für die Ortsvereine natürlich eine Herausforderung werden«, sagte Nübel. (Fotos: csk/pv)



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos