22. Februar 2019, 21:50 Uhr

Schilder gegen Lkw-Irrfahrten

22. Februar 2019, 21:50 Uhr
Asphalt über Panzerstraße: Die K 22 ist eine berüchtigte Rüttelpiste. Die Stadt drängt auf eine grundlegende Sanierung. (Foto: Schepp)

Gießen (mö). Wer von Norden auf der Autobahn 485 Richtung Gießen unterwegs ist, wird an der Abfahrt Ursulum auf die »US-Facilities« hingewiesen. Diese Wegweisung indes ist seit zwei Jahren überholt, denn seit März 2017, als das große Güterverteilzentrum der US-Armee (AAFES) schloss, gibt es in Gießen keine amerikanische Einrichtung mehr. Geht es nach dem Stadtparlament, sollen aber auch künftig Schilder an den Fernstraßen rund um Gießen dafür sorgen, dass der Schwerverkehr den direkten und gewünschten Weg zu dem Nachfolgeunternehmen der AAFES finden wird.

Dies beschloss die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend und folgte damit einem Antrag des Ortsbeirats Rödgen, denn im östlichen Stadtteil befürchtet man, dass Lkw auf dem Weg zum »Logistikzentrum Gießen« des Hamburger Otto-Konzerns durch Rödgen fahren könnten.

»Glücksfall« oder Ausbeutung?

Zur Riesenansiedlung auf dem 44 Hektar großen früheren AAFES-Gelände im Rahmen des Bebauungsplans »Alter Flughafen III« war in der Bauausschusssitzung vor knapp zwei Wochen eigentlich alles gesagt worden, was die Fraktionen aber nicht daran hinderte, ihre Argumente im großen Plenum noch einmal zu wiederholen. Während Magistrat, Koalitionsfraktionen und Teile der Opposition erneut den »Glücksfall« einer Ansiedlung mit 1300 bis 1800 Arbeitsplätzen bejubelten, geißelte Linken-Fraktionschef Matthias Riedl erneut das Geschäftsmodell der Logistikbranche mit ihren prekären Arbeitsbedingungen. »Unverständlich« nannte Klaus Dieter Greilich (FDP) diese Kritik, entstünden doch vorrangig Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor und mithin für das langzeitarbeitslose Klientel der Linkspartei. Interessanter war da schon die Reaktion des Magistrats auf eine Nachfrage des Stadtverordneten Michael Janitzki (Gießener Linke), ob und wie viel Gewerbesteuer Otto am Standort Gießen entrichten werde. Obwohl die Stadt nach eigenem Bekunden mit dem Mischkonzern seit über einem Jahr in Verhandlungen über die Ansiedlung des Logistikzentrums steht, konnte oder wollte Planungs- und Wirtschaftsdezernent Peter Nedel (CDU) dazu nichts sagen. Aber selbstverständlich würde der Magistrat »zusätzliche Steuereinnahmen nicht ablehnen«, scherzte der Bürgermeister.

Neuigkeitswert hatte Neidels Mitteilung, dass die Stadt mit anderen Behörden im Gespräch ist, um den Bau eines straßenbegleitenden Radwegs neben der Philosophenstraße zwischen Wieseck und der Eichgärtenallee zu ermöglichen.

Krötentunnel statt K 22-Sperrung

Vorerst zufrieden darf Rödgens Ortsvorsteherin Elke Victor (Freie Wähler) sein, weil der Magistrat nun den Auftrag hat, die Vorschläge aus Rödgen zur Verkehrslenkung den zuständigen Behörden vorzutragen. So geht es darum, an der A 5 vor dem Reiskirchener Dreieck Hinweisschilder auf das Logistikzentrum (über A480/A485 zur Abfahrt Ursulum) anzubringen, ebenso an der Reiskirchener Abfahrt der A 5 mit dem Hinweis auf die Route über die B 49 zur K 22 (Udersbergstraße). Auf den Landkreis, Hessen Mobil und die Bahn soll ferner eingewirkt werden, die Rüttelpiste K22 zu sanieren und die Kreuzung am Bahnübergang der Rödgener Straße umzubauen. »Die K 22 ist mehr als in einem desolaten Zustand«, sagte Victor. Um die Sperrung der K 22 im Frühjahr künftig überflüssig zu machen, sollte zudem ein Krötentunnel gebaut werden.

Nach dem einstimmig erfolgten Beschluss für den Bebauungsplanentwurf wird die Planung demnächst offengelegt, dann wird auch das überarbeitete Verkehrsgutachten erstmals vollständig veröffentlicht. Wohl noch vor der Sommerpause soll der dritte und letzte Bebauungsplan für das frühere US-Depot als Satzung beschlossen werden. Otto will bis 2023 das »Logistikzentrum« errichten und von dort aus den gesamten südwestdeutschen Raum mit Paketen beliefern.

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