09. November 2018, 21:53 Uhr

Sechs Tänzer – ein Ziel

Schon bei der ersten Tanzpremiere dieser Spielzeit konnten Theaterbesucher erkennen, dass mehrere Neue bei der Tanzcompagnie Gießen sind. Wir stellen die sechs vor, dazu eine Jahrespraktikantin.
09. November 2018, 21:53 Uhr
Die Neuen der Tanzcompagnie Gießen (v. l.): Gleidson Vigne, Laura Ávila, Julie De Meulemeester, Léo Vendelli, Chiara Zincone, Patrick Cabrera Touman und Marine Henry. (Foto: Wegst)

Dank der Neuzugänge ist der Altersdurchschnitt in der Tanzcompagnie am Stadttheater jetzt höher als in den Jahren zuvor. Das bedeutet auch: mehr Bühnenerfahrung. Und die brauchen die Neuen, um sich schnell in die verschiedenen Stücke einzuarbeiten. Schließlich standen gleich zwei Wiederaufnahmen an: »Waves« von Tarek Assam und »Auftaucher« von Henrietta Horn. Parallel wurde die erste Premiere erarbeitet: »Globetrotter« mit zwei Gastchoreografen Rosanna Hribar und Jacek Przybylowicz. Und derzeit arbeiten sie mit dem nächsten Gastchoreografen, Daniel Goldin, für die taT-Premiere »Wegerzählungen«.

Tanzen als »unmännlicher« Beruf

Alle haben in früher Jugend mit der Tanzausbildung begonnen, dabei zeigen die Männer die größte Spanne: Der Spanier Patrick Cabrera Toumann begann mit vier Jahren, während der Brasilianer Gleidson Vigne erst als junger Mann mit 17 den Tanz für sich entdeckte. Für Vigne ist das, zumindest in seinem Heimatland, eine Generationsfrage: Er musste sich noch gegen Familie und Freunde für diesen »unmännlichen« Beruf entscheiden. An die Ausbildung an einer Hochschule mit dem Schwerpunkt Zeitgenössischer Tanz schloss sich bei allen direkt ein Engagement an.

Julie De Meulemeester (Jahrgang 1989) stammt aus Fontainebleau südlich von Paris. Sie ist als einzige familiär vorbelastet, ihre Mutter ist Tanzpädagogin und hat sie ausgebildet. Sie selbst hat auch schon unterrichtet, sich aber 2015 für den Tänzerberuf entschieden. Dafür ging sie an das Ballett des Südböhmischen Theaters Budweis. Durch einen Kollegen, der nach Gießen gegangen war (Michael d’Ambrosio), erfuhr sie vom etwas anderen Arbeiten bei der TCG und bewarb sich. In Globetrotter beeindruckte sie als Vogel, der auf Spitze tanzt.

Laura Ávila (Jahrgang 1985) stammt aus Rio de Janeiro. Seit 2006 hat sie in verschiedenen Ensembles, auch europäischen, getanzt, bis sie 2009 an das Ballett der Stadt Sao Paolo geholt wurde. Dort lernte sie den Tänzer und Choreografen Gleidson Vigne kennen, arbeitete mit ihm gemeinsam an diversen Projekten.

Der 1976 geborene Gleidson Vigne stammt ebenfalls aus Rio de Janeiro. Er tanzte bei Ensembles in Brasilien und Portugal, war Mitglied des »Balé da Cidade de Sao Paolo«. 2014 gründete er mit Partnerin Avila eine eigene Compagnie. Doch der Zusammenbruch der brasilianischen Wirtschaft machte alle Hoffnungen zunichte, sie lösten sich wieder auf. Das Ehepaar beschloss einen Neuanfang und ging nach Europa. Sie sind froh in Gießen zu sein und genießen es, einfach nur arbeiten zu können.

Patrick Cabrera Touman (Jahrgang 1995) stammt aus einem Dorf bei Barcelona. Er war bereits mit einem Juniorballett auf Europatournee, wurde Mitglied in verschiedenen Compagnien Spaniens. 2017 konnte er an einem Tanzprojekt der English National Opera (London) teilnehmen. Jetzt freut er sich, in Deutschland zu sein, »wo es so viel Arbeit für Tänzer gibt«.

Ähnlich geht es Léo Vendelli (Jahrgang 1993), der aus Avignon stammt. Er studierte an der Bejart-Schule in Lausanne klassisches Ballett. Beim Genfer Juniorballett lernte er Choreografen und den zeitgenössischen Tanz kennen, das war für ihn der Durchbruch. »Ich will nicht nur Technik perfektionieren, sondern mich weiterentwickeln«, sagt er. Sein Weg als Tänzer führte ihn nach Malta, Metz und Nordhausen.

Abgeschlossenes Chemie-Studium

Die gleichaltrige Chiara Zincone stammt aus Neapel. Sie hat parallel zum Tanz auch noch Chemie studiert, ist dafür zwischen Nord- und Süditalien hin und her gependelt. Die Tanzcompagnie hat sie beim TanzArt ostwest-Festival 2017 kennengelernt und sich um ein Engagement beworben. Als sie im Januar die Zusage erhielt, setzte sie alles daran das Chemie-Studium abzuschließen. Jetzt ist sie frei für ihr Leben als Tänzerin.

In diesem Jahr gibt es nur eine Jahrespraktikantin von der Zürcher Hochschule der Künste. Marine Henry (Jahrgang 1998) wuchs in verschiedenen Städten auf, sie bezeichnet Straßburg als ihre Heimatstadt.

Alle Tänzer und Tänzerinnen haben eine Wohnung gefunden. Sie fühlen sich wohl in der Tanzcompagnie, loben die angenehme Arbeitsatmosphäre. Und sie fühlen sich auch wohl in der Stadt, die klein genug ist, um sich schnell zurecht zu finden, und groß genug, um was los zu machen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Ballett
  • Choreographinnen und Choreografen
  • Gießen
  • Globetrotter
  • Theaterbesucher
  • Tänze
  • Tänzer
  • Zeitgenössischer Tanz
  • Ziele
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos