13. August 2019, 22:08 Uhr

Sicherungsverwahrung droht

13. August 2019, 22:08 Uhr

»Die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung werden dann gegeben sein«, richtete Dr. Klaus Bergmann, Vorsitzender Richter der neunten großen Strafkammer am Landgericht Gießen, eindringliche Worte an einen 26-jährigen Syrer mit Wohnsitz in Wetzlar, nachdem die Kammer diesen wegen Körperverletzung zum Teil in Tateinheit mit sexuellen Übergriffen und Nötigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt hatte. Dr. Bergmann warnte bei der Urteilsverkündung den jungen Mann davor, nach Erlangung der Freiheit wieder einschlägig straffällig zu werden. Dann habe er eben mit der Sicherungsverwahrung zu rechnen. Mit der Höhe der Strafe blieben die Richter sieben Monate unter der Forderung von Staatsanwältin Daniela Zahrt und deutlich über der des Verteidigers Oliver G. Persch, der eine Gesamtstrafe von zwei Jahren auf Bewährung für angemessen erachtet hatte.

Sexuelle Handlungen erzwungen

Nach Überzeug der Richter suchte der Syrer am 29. August 2018 die Wohnung seiner ehemaligen Freundin in der Gießener Bahnhofstraße auf und nahm gegen ihren ausdrücklichen Willen und trotz Gegenwehr sexuelle Handlungen an ihr vor. Die Geschädigte begann zu weinen, daraufhin schrie er sie an. Dadurch weinte sie noch lauter, sodass er seine Handlungen einstellte und später die Wohnung verließ. Durch das gewaltsame Festhalten erlitt die Frau ein Hämatom am Arm.

Nicht minder rücksichtlos war das Vorgehen am 12. September letzten Jahres, als er eine junge Frau, die sich gegen 17.30 Uhr in den Lahnwiesen aufhielt, belästigte, mit sexualisierten Äußerungen beleidigte und gegen ihren erklärten Willen auch berührte. Danach wollte er sie trotz ihrer Gegenwehr in eine Böschung tragen. Als ihn nach wenigen Metern die Kräfte verließen, befreite sich die Frau und alarmierte die Polizei.

Ebenfalls ausgesprochen dreist agierte er am 2. Dezember 2018, als er eine 16-jährige Schülerin an einer Bushaltestelle belästigte, dem jungen Mädchen dann in den Bus folgte und sie weiter bedrängte. Um den Übergriffen zu entgehen, setzte sie sich von ihm weg. Als sie später ausstieg, wurde sie weiter von ihm belästigt. Erst als sie ein Fitnessstudio aufsuchte, befand sie sich in Sicherheit.

Die 16-Jährige leidet auch heute noch immer unter dieser Tat, berichtete Dr. Bergmann. So haben die schulischen Leistungen deutlich nachgelassen, außerdem verlässt sie bei Dunkelheit nur noch sehr ungern das Haus.

Sofortiger Antritt der U-Haft

Wie der Vorsitzende Richter weiter ausführte, sehe der Sachverständige bei dem Angeklagten eine »hohe Rückfallwahrscheinlichkeit«. Nach Auffassung des Gerichts habe der achtmonatige Aufenthalt in der Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Haina den Angeklagten nicht »grundlegend geändert«. »Wenn eine Frau nicht in sein Beuteschema passt, kann er sich beherrschen«, stellte Dr. Bergmann fest, wenn ja, »versucht er ohne Rücksicht auf deren Willen seine Präferenzen durchzusetzen«. Das sei Narzissmus, ergänzte er, und bescheinigte dem Angeklagten eine dissoziale Störung. Daher sieht das Gericht eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten als tat- und schuldangemessen an und ordnete wegen Fluchtgefahr den sofortigen Antritt der Untersuchungshaft an.

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