29. April 2013, 18:58 Uhr

Sieben Schüsse auf Nachbarn: Zehn Jahre Haft wegen Mordes

Gießen (sha). Zehn Jahre Gefängnis wegen Mordes und unerlaubten Waffenbesitzes lautete am Montag das Urteil der Fünften Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts. Außerdem bleibt der an einer schizophrenen Psychose leidende Angeklagte weiterhin in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.
29. April 2013, 18:58 Uhr
(Foto: Red)

Das durch die Beweisaufnahme entstandene Bild lasse nur den Schluss zu, dass es der 31-Jährige war, der am 23. September des vergangenen Jahres das Opfer in dessen Wohnung in der Bahnhofstraße mit sieben Schüssen getötet habe (die GAZ berichtete), sagte Vorsitzender Richter Bruno Demel.

Der Angeklagte habe zunächst die Wohnungstür eingetreten und dann den »ahnungslosen« 26-Jährigen in dessen Zimmer überrascht, unterstrich Staatsanwalt Thomas Hauburger. Aus nächster Nähe habe der Mann einen gezielten Kopfschuss auf das Opfer abgegeben und anschließend noch sechs weitere Male auf den Sterbenden geschossen. Damit habe der Täter den jungen Mann »übertötet«, denn bereits der erste Schuss habe letale Verletzungen verursacht.

Hauburger forderte, den 31-Jährigen wegen Mordes und nicht – wie ursprünglich angeklagt – wegen Totschlags zu verurteilen. Durch das überraschende Eindringen in die Wohnung – das spätere Opfer sah gerade fern – sei das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. Auch wenn der Angeklagte zur Tatzeit unter dem Eindruck einer Psychose gehandelt habe, habe er dennoch bewusst die Ahnungslosigkeit seines Opfers ausgenutzt, betonte der Staatsanwalt. In seinem medizinischen Gutachten habe ein Psychiater festgestellt, dass ein solches »Ausnutzungsbewusstsein« auch während schizophrener Episoden vorhanden sei.

»Nicht zu erschütternde Beweise«

Die Schuld des 31-Jährigen stehe wegen mehrerer Sachbeweise »sicher fest«, sagte Hauburger. Bei Untersuchungen konnten nicht nur Faserspuren des T-Shirts des Angeklagten an der Waffe, sondern auch dessen DNA infolge einer Hautabriebspur festgestellt werden. Darüberhinaus konnte an der Tür zur Wohnung des späteren Opfers ein Abdruck des Schuhs des Täters sichergestellt werden. Auch mögliche von der Verteidigung ins Spiel gebrachte Alternativtäter könnten »diese objektiven Beweise nicht erschüttern«.

Aufgrund der schizophrenen Psychose sei der Mann allerdings nur vermindert schuldfähig gewesen, so dass sich der Strafrahmen von einer lebenslangen zu einer maximal 15-jährigen Haftstrafe verschiebe. Der Staatsanwalt plädierte auf elfeinhalb Jahre Haft. Die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik sei aufrechtzuerhalten, weil der Angeklagte keinerlei Krankheitseinsicht zeige und ohne Behandlung weitere Straftaten von ihm zu erwarten seien.

Verteidiger Henner Maaß forderte indes einen Freispruch für seinen Mandanten. Der 31-Jährige, der in demselben Haus wie das Opfer lebte, hatte vor Gericht zwar geschwiegen, aber bei der polizeilichen Vernehmung die Tat bestritten. Auf der Pistole seien auch Hinweise auf DNA-Spuren des Opfers gefunden worden, sagte Maaß. Ob das Mordmerkmal Heimtücke und die damit verbundene Überraschung des Opfers vor diesem Hintergrund aufrechterhalten bleiben könnten, sei fraglich. Auch dass der Mitbewohner des 26-Jährigen, der die Leiche noch am Tatabend gefunden und der Polizei gemeldet hatte, »immer nur als Zeuge galt«, kritisierte der Verteidiger. Die Widersprüche in den zeitlichen Angaben des Mitbewohners, wann genau er den Toten entdeckt hatte, hätten bei den Beamten kein Misstrauen ausgelöst.

Der Verteidiger bezeichnete den Mitbewohner als »Synonym für alle möglichen Gestalten«, die in dem Mehrparteienhaus aus- und eingehen könnten. Vorsitzender Richter Demel wies hingegen vor allem auf die Beweiskraft der DNA-Spur des Angeklagten am Magazinboden der Tatwaffe und dessen Schuhabdruck an der Wohnungstür hin.



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