02. August 2013, 21:48 Uhr

Siegfried Quandt porträtiert Volker Bouffier

Gießen (mö). »Meine Neugier ist befriedigt«, sagt Siegfried Quandt und fügt hinzu: »Ich bin ganz zufrieden.« Subjekt seiner Neugier war Volker Bouffier, seit 2010 Hessischer Ministerpräsident, was er über den 22. September hinaus auch bleiben will. Zufrieden ist der Kommunikationswissenschaftler mit seinem Buch über Bouffier.
02. August 2013, 21:48 Uhr
Siegfried Quandt hat einen »Dialogband« über Volker Bouffier geschrieben. (Foto: mö)

Die 128 Seiten haben beide zusammen in dieser Woche im Presseclub in Frankfurt präsentiert – kurz vor Beginn der heißen Wahlkampfphase, was laut Quandt volle Absicht war. »Hinterher liest das doch keiner mehr«, sagt der Begründer des Studiengangs Fachjournalistik Geschichte an der Justus-Liebig-Universität in einem Redaktionsgespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung.

»Lebensgeschichte und Politik« des bekanntesten Gießeners der Gegenwart hat Quandt in dem kleinformatigen Buch zusammengeführt. Der Autor nennt es ein »Dialogstück«, weil das zentrale Kapitel aus der Wiedergabe mehrerer Gespräche mit dem CDU-Politiker besteht. Diese 50 Seiten sind der spannendere Teil, weil Quandts Absicht, die aktuellen Ziele des Politikers mit dessen Lebenslauf zu erklären, deutlich wird. Natürlich ist vieles, was Bouffier erzählt, in Gießen bekannt: die politische Familie, die mittlerweile in vierter Generation für die CDU Kommunalpolitik betreibt, die Stalingrad-Erfahrung des Vaters, die Leidenschaft für den Sport und insbesondere den Basketball, der schwere Verkehrsunfall 1974, die aufregende Zeit während der Stadt Lahn und seine Rolle bei der Begründung der Städtepartnerschaft mit Netanya in Israel – gut drei Jahrzehnte nach der Befreiung der Konzentrationslager.

In der schwarzen Diaspora

Aber es ist ja auch kein Buch ausschließlich für eine Gießener Leserschaft – nicht einmal nur für eine hessische. Und wer außerhalb dieser letzten Kampfzone der deutschen Politik dieses Buch lesen wird, kann etwas lernen über die »hessischen Verhältnisse«. Denn als prägend schildert Bouffier sein Herantasten an die Politik in der schwarzen Diaspora Gießen, wo sein Großvater 1945 die örtliche CDU gründete und der Vater in den 50er Jahren darunter gelitten habe, als bekennender Christdemokrat im Staatsdienst weniger Aufstiegschancen zu haben. Schließlich die eigene Erfahrung mit dem Mainstream an der Gießener Uni in den 70er Jahren, als sich Bouffier von linken Aktivisten »politisch gemobbt« fühlte. Das waren aber auch die Jahre, in denen der zackige Alfred Dregger die Hessen-Union auf Augenhöhe mit der SPD hievte. Bouffier beschreibt Dregger als den Typ »Herr«, zu dem er aber ein gutes Verhältnis gehabt habe. Als Mentor wichtiger für ihn, wenngleich im persönlichen Umgang schwieriger, sei der erste CDU-Ministerpräsident Walter Wallmann gewesen.

Die besondere Erwähnung des großbürgerlichen Frankfurter Ex-OB fügt sich in das Gesamtbild dieses Buchs, weil der Autor bemüht ist, seinen Gesprächspartner aus dem »besonderen Kampfverband«, wie lange Zeit eine Selbstbeschreibung der Hessen-CDU lautete, herauszulösen. Als »liberaler Konservativer« sieht sich Volker Bouffier treffend beschrieben von Quandt, der dazu im vorderen Teil des Buchs ein Zitat des dem linken Parteiflügel angehörenden Gießener SPD-Bundestagsabgeordneten und Bouffier-Freunds Rüdiger Veit liefert: »Er ist ein Konservativer, ein rechter Kader ist er nicht, ein Hardliner auch nicht.«

Für den Stilwechsel, der in der Staatskanzlei seit 2010 stattgefunden haben soll, kann der Autor sogar den Kronzeugen präsentieren: Bouffiers Vorgänger Roland Koch, mit dem Quandt gesprochen hat. Koch räumt ein: »Ein Regierungsmodell ›konservativer Bürgerpräsident» reduziert den Konfliktanteil gegenüber meiner Strategie, die häufig polarisierte.«

Dass Quandt dem Subjekt seiner Neugier an einigen Stellen übertrieben wohlwollend begegnet, wirkt auf Leser, die sich in der hessischen Landespolitik etwas auskennen, eher unterhaltsam als ärgerlich. Das gilt auch für den Schluss: Das politische Buch geht in ein Poesiealbum mit Fotos und »Leitgedanken des Politikers Volker Bouffier« über.

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Siegfried Quandt: »Volker Bouffier – Lebensgeschichte und Politik«; erschienen im Herder Verlag, 11,99 Euro. Die Gießener Buchhandlung Thalia hat für den 9. August (15 Uhr) eine Lesung mit Quandt und Bouffier angekündigt.



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