16. September 2019, 21:47 Uhr

Soziale Tradition modern gestalten

16. September 2019, 21:47 Uhr
Karl Fiedler (l.) ist Vorsitzender des AWO Kreisverbands Gießen-Land, Jens Dapper (r.) Geschäftsführer des AWO Stadtkreises

Als vor einem Jahrhundert endlich auch Frauen wählen und an Parlamentssitzungen teilnehmen durften, nutzte Marie Juchacz die Chance, um für ihr Anliegen vor dem Parteiausschuss der SPD in Berlin einzustehen. Anhand eigener Erfahrungen während des Ersten Weltkriegs, sah sie die Dringlichkeit für eine sozialdemokratische Wohlfahrtspflege. Marie Juchacz gehörte nicht nur zu den ersten Frauen in der Weimarer Nationalversammlung, sondern gründete am 13. Dezember 1919 auch den »Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD«, der heute als Arbeiterwohlfahrt (AWO) bekannt ist.

Unter dem Motto »Erfahrung für die Zukunft« des 100. Jubiläumsjahrs, unterstreicht Geschäftsführer Dapper die Werteorientierung des Verbands: »Wir begleiten und unterstützen Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen und -welten mit höchster Qualität.« Die Tagestätten für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen mit alleine 14 Einrichtungen in der Stadt, verschiedene Beratungsleistungen und ambulante Dienste tragen zur örtlichen Pflegeinfrastruktur bei. Trotzdem sei das »Halten und Gewinnen von Pflegekräften« heute aufgrund von vielen Konkurrenten auf dem Markt schwierig. Neben der bewegten Geschichte stehen auch Aufgaben und Ziele für die Zukunft an. Der Wohlfahrtsverband beschäftigt laut Jens Dapper, Geschäftsführer AWO Stadtkreis Gießen, 464 Mitarbeiter sowie weitere 180 im Landkreis. Damit ist er einer der größten Arbeitgeber der Region. Deutschlandweit zählt die AWO über 330 000 Mitglieder.

Das Jubiläumsjahr der AWO wird durch verschiedene Veranstaltungen begleitet. Neben den Festen für die Bewohner sowie Mitarbeiter der Einrichtungen, findet am 100. Gründungstag, dem 13. Dezember, eine Sondersitzung in Berlin statt. Dort soll das neue zukunftsweisende Grundsatzprogramm unterzeichnet werden. Dabei sollten Veränderungen der Gesellschaft, wie Digitalisierung und Migration, einbezogen werden. Wie der Vorsitzende des AWO Kreisverbands Gießen-Land, Karl Fiedler, berichtete, hat das neue Grundsatzprogramm »in allen Ortsverbände eine tiefgehende Diskussion angestoßen«.

Als gemeinsame Veranstaltung des AWO Stadtkreises sowie Kreisverbands findet an diesem Mittwoch, 18. September, ab 16 Uhr eine Jubiläumsfeier im Kulturzentrum in Großen-Buseck statt. Dort wird neben Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, die einen Vortrag über »Frauen in der Politik« hält, auch SPD-Politiker Thorsten Schäfer-Gümbel sprechen. Aus Sicht der Landes- und Bundespolitik wird er berichten, warum es Wohlfahrtsverbände wie die AWO in Deutschland braucht. (Foto: lwg)

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