12. Oktober 2018, 21:43 Uhr

Spannung made in Sachsen

Mit der TV-Serie »Babylon Berlin« bekommt derzeit ein historischer Krimi aus dem Berlin der Weimarer Republik höchste Aufmerksamkeit. Auch Frank Goldammer siedelt seine Bücher in früherer Zeit an. Sein Kommissar Max Heller ermittelt allerdings zur Zeit der Stunde null in Dresden – und das mit großem Erfolg.
12. Oktober 2018, 21:43 Uhr

Der Verdacht liegt nahe: Beim eher monotonen Streichen und Tapezieren müssen Maler und Lackierer viel Zeit haben, sich spannende Geschichten auszudenken. Doch die wenigsten bringen die wohl so erfolgreich zu Papier wie die Krimiautoren Ralf Kramp und Frank Goldammer. Beide sind gelernte Maler und Lackierer und höchst erfolgreich im Krimigeschäft unterwegs. »Aber ich habe den Meister«, scherzt Goldammer, als er im Mathematikum auf Einladung von Krimifestival-Organisator Uwe Lischper aus seinem neuen Band »Vergessene Seelen« vorliest. Und noch etwas unterscheidet die beiden Autoren, die wiederholt beim Gießener Krimifestival Säle füllen: Während Kramps Krimis oft in der heutigen Eifel spielen, lässt Frank Goldammer seinen Kommissar Max Heller im Dresden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ermitteln – als die Menschen noch unter Hunger und Wohnungsnot litten, die Sowjets das Sagen hatten und die DDR zunehmend Gestalt annahm.

»Rote Raben« erscheint demnächst

Begonnen hatte Goldammer seine auf sieben Teile angelegte Heller-Reihe 2016 mit »Der Angstmann«. Es folgten »Tausend Teufel« und nun eben »Vergessene Seelen«. Der nächste Roman erscheint bereits im Dezember. »Rote Raben« heißt er und spielt im Jahr 1951. Für 2019 habe er sich außerdem noch einen Ausflug in ein gänzlich anderes Genre vorgenommen, erzählt Goldammer und verrät, dass er mit viel Spaß an Satire von einem alten Mann erzählen wird, der seine drei zerstrittenen Söhne an der Ostsee mit einem Trick wieder versöhnen will.

Eins ist klar: Frank Goldammer steckt voller Geschichten. Schon in seinen Zwanzigern hatte der Handwerker neben der Arbeit geschrieben. Heute, mit 43 Jahren als alleinerziehender Vater von Zwillingen und Malermeister mit gut gehendem Betrieb in Dresden, tut er es noch immer. Seine historischen Krimis sind genau recherchiert und voller Spannung. Und auch als Vorleser hat der Mann, der nach Aussage seiner Mutter Fernsehkoch Steffen Henssler zum Verwechseln ähnlich sieht, unbestritten Entertainer-Qualitäten. »Ich hatte schon immer ein großes Mitteilungsbedürfnis, sagt meine Mutti«, verrät Goldammer mit einem Grinsen und die Zuhörer hören im nur zu gerne zu. Sein stark sächselnder Dialekt tut dem keinen Abbruch. Im Gegenteil. Und seine vom Hemd kaum verdeckten Tätowierungen ebenso wenig – schließlich hat schon »Mutti« dem damals 38-Jährigen dafür ihr »Okay« gegeben. Frank Goldammer erzählt charmant von Oma und Tante, die vor vielen Jahren aus der DDR ausgereist waren und in Gießen und später in Lahnstein ihre ersten Stationen im Westen hatten. Und auch vom schillernden Großonkel, dessen Kriegserlebnisse die Anregung zur Max-Heller-Reihe gegeben hätten, erfahren die Zuhörer im bestens gefüllten Saal des Mathematikums.

Goldammer gibt unumwunden zu, selbst gar keine Krimis zu lesen oder zu schauen, um sich bei seinen Ideen nicht beeinflussen zu lassen. Ein Konzept, das offenbar bestens funktioniert, denn auch der aktuelle Krimi »Vergessene Seelen« kann mit ungewöhnlichen Einfällen und Wendungen und Goldammers Gespür für die Atmosphäre der Nachkriegszeit punkten. Ein 14-jähriger Junge wird tot aufgefunden. Kommissar Heller findet heraus, dass das Kind nicht nur von seinem Vater grün und blau geschlagen wurde, sondern auch in den Handel von Drogen, die Soldaten verabreicht worden waren, verstrickt war. Für den Kommissar kein leichter Fall, hat er doch selbst mit den Dämonen der Kriegszeit zu kämpfen. Starke Krimilektüre und ein faszinierender Autor – der womöglich in naher Zukunft endgültig den Malerpinsel zugunsten der Schriftstellerei beiseite legen wird.

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