Stadt Gießen

Staatsanwaltschaft Marburg warnt vor 21-Jährigem

Vor einem 21 Jahre alten Mann warnt die Staatsanwaltschaft Marburg. Er wurde wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt, ist aber auf freiem Fuß - und könnte sich erneut Kindern nähern.
26. Oktober 2019, 14:00 Uhr
Kays Al-Khanak
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Auch das Jugendamt Gießen ist Adressat der Mitteilung der Staatsanwaltschaft Marburg.

Selten kommt es vor, dass eine Staatsanwaltschaft wie die in Marburg eine solche Mitteilung herausgibt. In einem Schreiben an die für Kinderbetreuung zuständigen Fachdienste in Marburg und Gießen sowie die zwei Landkreise warnt die Behörde vor einem 21 Jahre alten Mann. Er wurde in erster Instanz wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie des Besitzes kinderpornographischer Schriften verurteilt, befindet sich aber auf freiem Fuß. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft hat ihre Revision zurückgezogen.

Die Staatsanwaltschaft bestätigt gegenüber die Echtheit des Schreibens, das dieser Zeitung vorliegt. Es handele sich um eine »Mitteilung in Strafsachen« - nicht um eine Öffentlichkeitsfahndung. In der Anordnung heißt es: »Werden in einem Strafverfahren Tatsachen bekannt, deren Kenntnis aus der Sicht der übermittelnden Stelle zur Abwehr einer erheblichen Gefährdung von Minderjährigen erforderlich ist, sind diese der zuständigen öffentlichen Stelle mitzuteilen.«

Hintergrund ist ein Prozess, der im Juni vor dem Landgericht Marburg sein Ende gefunden hat. Wie die Oberhessische Presse (OP) berichtete, war der Angeklagte zu acht Monaten Haft verurteilt worden - hatte aber bereits über ein Jahr in Untersuchungshaft und in einer psychiatrischen Anstalt hinter sich. Daher befindet er sich wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre Haft gefordert. Das Urteil enthält mehrere Weisungen: Der junge Mann darf sich nicht auf Spielplätzen, in der Nähe von Grundschulen oder Kindergärten aufhalten sowie keine Arbeit ausüben, bei der er mit Kindern unter zehn Jahren zu tun hat.

Der Heranwachsende wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt; außerdem war bei ihm eine Intelligenzminderung festgestellt worden. Auch deshalb war er in einigen Anklagepunkten für vermindert schuldfähig erklärt worden. Der junge Mann hatte als Babysitter gearbeitet und sich dabei einem Kind unsittlich genähert. Auch besaß er kinderpornografisches Material. Der Vater hatte die Polizei im März auf die Neigungen seines Sohnes hingewiesen, berichtete die OP.

Der Sachverständige war im Prozess davon ausgegangen, dass der Angeklagte weiterhin versuchen werde, sich Kindern zu nähern. Außerdem habe er sich in einer Einrichtung in der Region um ein Praktikum beworben sowie im Internet und möglicherweise übers schwarze Brett als Babysitter angeboten, heißt es in der Mitteilung. Weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist und es somit noch keinen Eintrag im Führungszeugnis gibt, hatte die Staatsanwaltschaft wohl zu dem Mittel der Mitteilung gegriffen. Die angeschriebenen Behörden hatten daraufhin Schulen und Kitas in Kenntnis gesetzt. Parallel dazu unternimmt die Polizei eine Gefährderansprache. Dabei handelt es sich um ein Maßnahmenpaket, das von offener Ansprache bis hin zu nicht offenen Ermittlungen reicht. Eingeschlagene Pflöcke, um erneuten Missbrauch zu verhindern. (Foto: ep)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Staatsanwaltschaft-Marburg-warnt-vor-21-Jaehrigem;art71,639213

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