Stadt Gießen

Stadt Gießen steigt bei Leihrädern ein

Hinter dem Rathaus und am Oswaldsgarten gibt es jetzt neue Leihradstationen. Eingerichtet wurden sie von der Stadt Gießen. Zu erkennen sind die neuen Stationen aber bisher kaum.
11. Juli 2019, 06:00 Uhr
Karen Werner
Noch klein, provisorisch und nur aus der Nähe zu erkennen ist die neue Leihrad-Station am Rathaus. 	(Foto: kw)
Noch klein, provisorisch und nur aus der Nähe zu erkennen ist die neue Leihrad-Station am Rathaus. (Foto: kw)

Immer wieder hat die Stadt ihren Einstieg in das Gießener Leihradsystem angekündigt - und ihn nun unangekündigt und noch provisorisch vollzogen. Die beiden neuen Stationen am Rathaus und am Oswaldsgarten würden seit Montag offiziell von der Stadt betrieben, bestätigt Stadträtin Gerda Weigel-Greilich auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Zu erkennen ist das bisher kaum: Nur wenige Räder mit dem gewohnten Hochschul-Aufdruck stehen bisher in ganz normalen Radständern ohne Einrast-Funktion oder großes Nextbike-Schild.

Hinter dem Rathaus - nahe der Tiefgarageneinfahrt an der Straße Am alten Gaswerk - sind 17 Radbügel mit dem blauen Aufkleber »Reserviert für Nextbike« gekennzeichnet. Zwei Uni-Räder waren dort am Mittwochmittag angeschlossen. Am Nachmittag hieß es auf der Internetseite zu beiden neuen Standorten »Kein Rad verfügbar«. In zunächst bescheidenem Ausmaß wurden die beiden Stationen recht kurzfristig eingerichtet.

Kostenlos auf kurzen Strecken?

Ein Hintergrund sei die Aufstockung des Parkdecks an der Ringallee, erläutert Weigel-Greilich. Dort fallen wegen der Bauarbeiten vorübergehend einige von Nextbike genutzten Abstellflächen weg. Dafür wollte man schnell Ersatz schaffen. Außerdem wolle die Stadt das Angebot für die Normalbürger erweitern. Schon jetzt sind ein Drittel der Nutzer keine Studierenden; und die Quote wird voraussichtlich steigen, wenn mehr Standorte außerhalb der Campusbereiche zur Verfügung stehen.

Nunmehr gibt es 19 Nextbike-Stationen in der Stadt, vor allem im Süden und Osten an den Gebäuden von Justus-Liebig-Universität und Technischer Hochschule Mittelhessen sowie am Bahnhof. 300 blaue Uni- und 60 grüne THM-Räder sind in der Stadt unterwegs.

Im März 2017 hatte die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, ein Konzept für ein Leihradsystem erstellen zu lassen. Die JLU preschte dann vor und startete im April 2018 die Zusammenarbeit mit Nextbike. Die Zeit drängte wegen der Sanierung des Audimax, die weitere Wege und weniger Parkplätze für hunderte Studierende mit sich bringt. Die THM stieg kurz darauf ein. Nutzbar waren die Räder von Anfang an für jeden und jede Interessierte.

Nun hat auch die Stadt einen Anfang gemacht. Weil sämtliche Experten der Verwaltung im Urlaub waren, konnte Weigel-Greilich am Mittwoch noch nichts zum weiteren Zeitplan, den Kosten oder einem eigenen »Branding« - der Gestaltung mit Stadt-Logo - sagen.

Auf GAZ-Nachfrage erklärte sie, die Stadt wolle prüfen, ob sie ihren Bürgern ein ähnliches Angebot macht wie Marburg. Dort übernimmt die Stadt die Kosten für die ersten 30 Minuten jeder Fahrt, wie es die Hochschulen auch für ihre Angehörigen tun. Bisher zahlt der Normalnutzer dafür einen Euro pro Einzelfahrt oder zehn Euro im Monat.

Der Bedarf an Ausleih- und Abgabemöglichkeiten nahe der Innenstadt ist offenbar groß. »Auf vielfachen Wunsch« seien die beiden neuen Standorte eingerichtet wurden, erklärt die Uni auf Facebook. Die zentralsten Stationen waren bisher die am Uni-Hauptgebäude und entlang der Ringallee.

Sämtliche Beteiligte äußern sich sehr zufrieden mit dem Gießener Leihradsystem. Anders als in vielen Großstädten gibt es weder Parkchaos noch Schrotträder, weder verwaiste noch überquellende Stationen. Zu verdanken ist das einem Serviceteam mit fest angestellten Kräften, das sich täglich um die Flotte kümmert. Die Stiftung Warentest hat das Leipziger Unternehmen Nextbike kürzlich zum Testsieger unter sechs Bikesharing-Anbietern gekürt.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Stadt-Giessen-steigt-bei-Leihraedern-ein;art71,610526

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