13. Mai 2011, 19:35 Uhr

Stadtwerke verteidigen Lieferantenwechsel beim Ökostrom

Gießen (mö). Die Stadtwerke Gießen AG hat den am 1. Mai vollzogenen Wechsel beim Lieferanten ihres Ökostroms gegen die Kritik des Mietervereins verteidigt. Vorsitzender Stefan Kaisers hatte in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass am neuen Kooperationspartner der SWG, der Naturstrom Rheinland-Pfalz GmbH, der Energieriese RWE über die Koblenzer KEWAG-Gruppe beteiligt ist.
13. Mai 2011, 19:35 Uhr

RWE wiederum hatte vor Wochen im Zusammenhang mit der Debatte um eine Neuausrichtung der Energiepolitik in Deutschland Klage gegen eine Stilllegung seines hessischen Atomkraftwerks Biblis A erhoben. Kaisers befürchtet, dass die Unternehmenserträge der Naturstrom Rheinland-Pfalz GmbH letztlich in die Kassen des Mutterkonzerns RWE fließen, »der weiterhin stur an Atomkraft festhalten will und sich mit aller Macht gegen die Energiewende stemmt«.

Stadtwerke-Sprecherin Ina Weller, die die mittelbare Beteiligung von RWE an der Naturstrom Rheinland-Pfalz GmbH bestätigte, erklärte auf Anfrage, dass die SWG seit etwa eineinhalb Jahren dabei gewesen seien, bei ihrem Ökostrom-Produkt Balance etwas zu verändern. Grund sei die zu geringe Nachfrage nach dem bisherigen Ökostromprodukt gewesen. Daher habe man unter anderem mit dem Unternehmen aus Rheinland-Pfalz verhandelt, um den Stadtwerke-Kunden beim Bezug von grünem Strom günstigere Konditionen bieten zu können. Die Entscheidung für den neuen Partner sei zeitlich weit vor den Ereignissen in Japan und der folgenden energiepolitischen Debatte in Deutschland gefallen, betonte Weller.

Entscheidend aus Sicht der SWG seien drei Dinge, erläuterte die Unternehmenssprecherin: Erstens sei der Ökostrom der Naturstrom Rheinland-Pfalz GmbH, den die SWG als »Natura« anbieten, auf dem gleichen Niveau zertifiziert wie das bisherige Produkt des Düsseldorfer Unternehmens Naturstrom AG. Zweitens investiere die Naturstrom GmbH aus Koblenz in den Zubau von Anlagen zur Gewinnung regenerativ erzeugter Energie und drittens müssten die SWG-Kunden jetzt nur noch einen Ökostrom-Zuschlag von etwa zwei Cent auf die Kilowattstunde zahlen, zuvor seien es vier Cent gewesen. Davon versprechen sich die SWG, dass ihr Ökostrom attraktiver wird.

Kaisers hatte in seiner Erklärung betont, dass es sich beim früheren Partner der SWG, der Naturstrom AG aus Düsseldorf, um einen »unabgängigen Anbieter« handele, der zu den wenigen Ökostrom-Direktvermarktern in Deutschland zähle. In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift »Finanztest« der Stiftung Warentest seien »empfehlenswerte Ökostromanbieter« aufgelistet worden. Der neue Kooperationspartner der SWG gehöre nicht dazu. Auch daher müssten sich die Stadtwerke die Frage gefallen lassen, warum sie den »bewährten Ökostromanbieter« gewechselt haben, meint Kaisers. Die Mitglieder des künftigen Aufsichtsrats forderte er auf, dem Vorstand »genauer als bisher auf die Finger zu schauen«.

Das neue Partnerunternehmen der Stadtwerke präsentiert auf seiner Homepage im Internet neben dem besagten Zertifikat des Labels »Grüner Strom« eine Liste mit zehn Photovoltaik-, Windkraft- und Biomasseanlagen, deren Bau von der Naturstrom Rheinland-Pfalz GmbH gefördert worden sei.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos