08. Mai 2018, 22:08 Uhr

Tanz im Treppenhaus

Auch in diesem Jahr gibt es bei der TanzArt ostwest wieder eine ortsbezogene Darbietung. Und wieder im Uniklinikum. Ballettdirektor Tarek Assam konnte dafür den Choreografen Tiago Manquinho gewinnen.
08. Mai 2018, 22:08 Uhr
Tiago Manquinho ist Gastchoreograf für die besondere Performance im gläsernen Chirurgie-Treppenanbau. (Foto: dkl)

Eine ortsspezifische Darbietung, oder site specific performance, im gläsernen Chirurgie-Treppenhaus, wie soll das funktionieren? Es ist ein Durchgangsort, der mal recht belebt und laut ist, dann wieder meditativ ruhig zu einer gigantischen Aussicht auf das Gießener Hinterland einlädt. Bekannt ist der Anbau an den Chirurgie-Neubau (1996) durch das Kunstwerk »Blaue Kugel«, das außen über dem Weg hängt. Im Treppenhaus prägen die halbtransparenten blauen Segel den Raum, die wie riesige Mobiles im Freiraum der Treppen hängen.

Das Kunstensemble stammt von Nikolaus Koliusis (Stuttgart), der im Kapellengang des Uniklinikums derzeit eine Einzelausstellung hat. In diesem Zusammenhang kam die Kunstbeauftragte des Klinikums, Dr. Susanne Ließegang, auf die Idee einer Performance. Auch die Musikauswahl folgte daraus, es sind Stücke von John Cage, den Koliusis in New York kennenlernte, dessen philosophisch-geistige Vorstellungen ihn beeinflussten.

Unten im Treppenhaus steht eine große Birkenfeige, »die leider kein Bonsai ist«, lacht Tiago Manquinho. Da werden allein die Sichtverhältnisse eine Herausforderung. Doch hat er in seinem langjährigen Berufsleben als Balletttänzer gelernt, schwierige Momente als Herausforderung anzunehmen und positiv damit umzugehen.

Seit Ende der Spielzeit 2016/17 arbeitet der Portugiese als freischaffender Choreograf und Lehrer. Auch bei der Tanzcompagnie Gießen ist er Trainingsleiter. Er war zudem als Lehrer im Oktober 2017 einen Monat an der Shenzhen Arts School, mit der die TCG einen Ausbildungsvertrag hat. Ballettdirektor Tarek Assam kennt er seit Jahren, das Austauschfestival TanzArt ostwest erweist sich als berufliches Netzwerk. »Wir sind uns auf den Tanzgalas in ganz Deutschland immer wieder begegnet. Ich war oft mit einem Matratzen-Solo dabei, das Gregor Zöllig für mich choreografiert hat.« Mit dem international renommierten Gregor Zöllig verbindet Manquinho eine langjährige Zusammenarbeit (seit 2004) als Ensemblemitglied an den Theatern Osnabrück, Bielefeld und Braunschweig.

»20 Jahre auf der Bühne stehen, das hat mir gereicht, mich interessieren weitergehende Fragen.« Was für ihn wohl immer die vorwärtstreibende Komponente war. Nach dem Besuch des staatlichen Tanzkonservatoriums in Lissabon und zwei Jahren bei der Companhia Nacional de Bailado hätte er die Karriere zum Solotänzer weiterführen können. Aber diese Lebensperspektive war ihm zu wenig. Er ging nach Deutschland, wo die Tanzlandschaft am vielfältigsten war und ist, wo man sich immer neuen Herausforderungen stellen kann. »Das ist der Grund, warum ich nach 17 Jahren immer noch in Deutschland lebe und arbeite.«

Er startete mit der harten russischen Schule in Dresden. 2003 begann seine produktive Zeit mit dem zeitgenössischen Tanz mit ersten Choreografien. Viele weitere folgten. Eine seiner jüngeren Arbeiten »Who the fuck is Alice?« hatte beim TanzArt ostwest Festival 2016 in Gießen Uraufführung.

Und worum geht es in der ortsbezogenen Choreografie »Close_Insight«? Der Ort spielt eine Rolle, die Verbindung von Drinnen und Draußen. »Das Thema Krankenhaus birgt immer Gefühle der Angst und Unsicherheit. Die Zuschauer stehen auf den Treppen, sie blicken hinunter. Ich werde mich auf den Tanz konzentrieren, wenig Theatrales einsetzen, dabei die Raumdynamik berücksichtigen. Es geht um Gruppenverhalten, die Fragen, wie kommen Menschen zueinander und was bewirkt das an Veränderung.«

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