12. März 2019, 16:06 Uhr

Tierquälerei

Taube im Seltersweg mit Pfeil aus Blasrohr angeschossen

Eine solche Verletzung sahen die Ärzte der Gießener Vogelklinik noch nie: Ein Pfeil tief im Körper einer Taube - offenbar abgeschossen aus einem Blasrohr. Die Polizei sucht nun nach den Tierquälern.
12. März 2019, 16:06 Uhr
Die verletzte Taube (Foto: pm).

Mit der Taube stimmte offenbar etwas nicht. Zwar lief sie Krümel pickend im Seltersweg umher, doch aus ihrem Körper ragte seitlich eine metallisch glänzender Gegenstand mit einem orangefarbenen Plastikende. Jutta Königsfeld, die am 23. Februar nachmittags im Seltersweg unterwegs war, packte das Tier und versuchte zunächst, den Gegenstand zu entfernen. Als dies nicht gelang und die Taube offenbar Schmerzen litt, brachte die Passantin das Tier in die Vogelklinik. »Tauben sind nicht meine Lieblingstiere, aber es bricht mir das Herz, wenn ich ein Tier aufgrund menschlicher Willkür, Grausamkeit oder gar zum Spaß leiden sehe«, sagt die Biebertalerin.

In der Klinik wurde die Taube geröntgt, auf dem Bild offenbarte sich ein Blasrohrpfeil. Die Ärzte entfernten ihn operativ, nahmen die Patientin stationär auf und kümmerten sich um die weitere Wunderversorgung. Nach sechs Tagen konnte sie in die Freiheit entlassen werden.

 

Häufig Angriffe mit Luftgewehren

Taube
Auf dem Röntgenbild sieht man, wie tief sich der Pfeil in den Körper der Taube gebohrt hat...

Ähnliche Fälle von Tierquälerei bekommen die Mediziner immer wieder einmal zu sehen, bestätigt Prof. Michael Lierz, der Leiter der Vogelklinik. Meist sind es Luftgewehrkugeln, die man in den Körpern der Tiere findet. Mit einem Blasrohr hatte man es bisher noch nicht zu tun. Dass Tauben für manche Menschen geradezu »Hassobjekte« sind, wissen Lierz und seine Mitarbeiter nur zu gut: Aber ihnen Schmerz und Leid zuzufügen, sei durch nichts zu rechtfertigen, betont der Veterinärmediziner.

Was läuft falsch in der Entwicklung der Menschen, dass sie einem Lebewesen zum Vergnügen Leid antun?

Jutta Königsfeld, Helferin
 

Auch für die Polizei war dieser Fall bisher einmalig. Solche Blasrohre seien im Handel frei erhältlich, es handele sich um ein Spielzeug, das beispielsweise auch zum Dartspielen benutzt werde. Die Polizei hofft, dass sie weitere Hinweise zu dem Vorfall im Seltersweg bekommt, damit sie dem Tierquäler auf die Spur kommt. 2018 verzeichnete die Polizei vier Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, auch in den Jahren zuvor bewegten sich die Verstöße in dieser Größenordnung. 2016 fällt mit 15 Verstößen etwas aus dem Rahmen. Die Delikte sind ganz unterschiedlicher Natur, meist geht es um nicht artgerechte Haltung.

Jutta Königsfeld ist entsetzt über die Tierquälerei. »Was läuft falsch in der Entwicklung einzelner Menschen, dass sie einem einzelnen Lebewesen zum Vergnügen Leid antun?«, fragt sie. Um so beeindruckter war sie von dem Engagement der Mitarbeiter der Vogelklinik. »Die Vogelklinik hat wunderbare Arbeit geleistet, und ich freue ich über das versöhnliche Happy End. Die Klinik kann diese Arbeit leisten, weil der Verein zur Förderung der Vogelmedizin Gießen die Behandlung und Rehabilitation freilebender Vögel finanziell unterstützt.

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