19. Februar 2019, 21:11 Uhr

Tiefsinnigkeit in der Banalität

19. Februar 2019, 21:11 Uhr
CMD
Richard (Wade Gonsoulin) gibt seiner Frau Sarah (Maria Valentina Kiefer) einen Abschiedskuss – diese erwartet bereits ihren Liebhaber.

Alle Sitzplätze sind gefüllt, es wird dunkler im Saal und Ruhe kehrt ein – die Premiere des Stückes »The Lover« im Keller Theatre kann beginnen. Und wie sie das tut. Ein Mann und eine Frau befinden sich auf der Bühne, ein Ehepaar, wie es sich herauskristallisiert. Der erste Satz wird gesprochen, von Ehemann Richard beinahe beiläufig dahingesagt, und das Publikum ist im Bann. »Kommt dein Liebhaber dich heute besuchen?«, fragt er seine Frau, als wäre dies das normalste auf der Welt. Das Kammerspiel um die komplexe Beziehung zweier sich liebender Menschen hat begonnen.

Begleitet von eigens für diese Inszenierung des Stücks von Harold Pinter komponierte Livemusik verleiht dem Ganzen eine neue Ebene und trägt das Publikum geradezu durch den Abend. Sascha Reif überdeckt mit seiner Gitarre gekonnt die diversen Kostümwechsel zwischen den Szenen und lässt vergessen, dass es im Drama keine Pause gibt.

Wade Gonsoulin bietet einen sympathischen, etwas planlosen Richard, während Maria Valentina Kiefer als facettenreiche Diva Sarah schauspielerisch glänzt. Beide zusammen erschaffen auf der Bühne eine glaubwürdige Charakterdynamik, welche keinen Wunsch offen lässt. Jedes Wort ist pointiert, jedem Satz wird Wirkung verliehen. Die banalen Dialogfetzen des Paares wechseln sich ab mit überraschend tiefsinnigen, trotzdem aber durchaus humoristischen Diskussionen über die Beziehung. Man muss, genau wie die beiden Figuren, zwischen den Zeilen hören. Die Interpretation des Gesagten wird zur Aufgabe des Zuschauers, wie sie auch Aufgabe des Zuhörenden in der Konversation ist.

Live-Musik eigens komponiert

Verwirrung kommt auf, als Gonsoulin plötzlich in einer weiteren Rolle auf die Bühne tritt. Nicht mehr der feine, englische Gentleman, sondern ein Mann mit Lederkappe und Zigarette betritt die Wohnung, sehr zur Freude Sarahs – ihr Liebhaber ist eingetroffen. Ihr Liebhaber, der genau so aussieht, wie Richard. Max heißt er und kommt immer Nachmittags, wenn der Ehemann arbeitet. Obwohl dieser natürlich genau weiß, was währenddessen in seinem Haus vor sich geht. Komplizierter und vielschichtiger könnte eine Ehe wohl kaum sein, voller versteckter Gefühle und Eifersucht.

Dies macht das unerwartete Ende, nur noch überraschender. Es sei an dieser Stelle nicht zu viel verraten, doch wenn sich der Kreis am Ende schließt, erscheint das zuvor gesehene in einem völlig anderen Licht, alles muss neu interpretiert werden.

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