06. August 2019, 22:02 Uhr

Tod durch illegale Abtreibung

06. August 2019, 22:02 Uhr
Derzeit entsteht die Ausstellung, in der Pro-Choice-Aktive - vorn Kristina Hänel - ihre Motivation erläutern wollen. (Foto: pm)

Wenn Abtreibung verboten ist, findet sie weiterhin, ja erst recht statt - nur illegal und oft mit der Folge, dass die Frau verletzt wird oder gar stirbt. Dieses Argument gegen die Paragrafen 218 und 219a will die Gießener Pro-Choice-Gruppe jetzt mit persönlichen Geschichten von Opfern untermauern. Ihre Gesichter sollen im Herbst in einer Ausstellung gezeigt werden.

»Zahllose Frauen sind an illegalen Abtreibungen gestorben. Um wenigstens einige von ihnen sichtbar zu machen, suchen wir für eine Ausstellung nach Geschichten, Namen, Daten«, twitterte die Gießener Ärztin Kristina Hänel jetzt unter dem Bild eines Draht-Kleiderbügels. Der wird bei illegalen Schwangerschaftsabbrüchen mitunter zum medizinischen Instrument umfunktioniert und ist daher Symbol der Menschen, die sich »pro choice«, also für Wahlfreiheit schwangerer Frauen einsetzen.

Demonstration am 28. September

Ort und genaue Zeit der Ausstellung stehen noch nicht fest, erläutert Francesco Arman von der Gießener Gruppe. In erster Linie wollten darin Pro-Choice-Aktive sich selbst und ihre Motivation in Bild und Text vorstellen. »Wichtig ist uns Empowerment der Frauen, die sich selbstbestimmt vertreten.« Dem Aktionsbündnis gehörten in Gießen derzeit rund 25 Aktive an, auf der Mailing-Liste stünden 60 Interessierte.

Die Gesichter und Namen von Frauen, die Pfusch-Abtreibungen nicht oder mit schweren körperlichen oder seelischen Verletzungen überlebten, sollten einen Rahmen der Ausstellung bilden. »Damit sich solche Fälle nicht wiederholen, engagieren wir uns«, so Arman. Man wolle sichtbar machen, welche Risiken mit illegaler Abtreibung verbunden sind, wie sie in Deutschland bis zur Paragraf-218-Reform 1974 häufig stattfand. »Gerade junge Menschen können sich das heute gar nicht mehr vorstellen.« Dabei entstehe in Deutschland derzeit schleichend eine immer größere Versorgungslücke, »die ungewollt Schwangere wieder in die Illegalität zwingen könnte. Das muss verhindert werden«.

»Die ersten Geschichten gehen bereits ein«, berichtet Hänel, »die meisten über Frauen, die nicht gestorben sind, aber Dramatisches erlebt haben.« Die Galionsfigur der Kampagne gegen den Strafgesetzbuchparagrafen 219a hat bei Twitter über 12 000 »Follower«. Das Magazin »Emma« hat ihren Aufruf im Internet aufgegriffen und ihm damit große Aufmerksamkeit beschert.

Auch aus dem Raum Gießen seien Fälle dabei, ergänzt Arman. Welche sich für die Veröffentlichung in welcher Form eignen, werde nun geprüft. »Je nach Zahl der Zuschriften sind Folgeausstellungen möglich.« Angefragt sei das Rathaus, aber auch andere mögliche Ausstellungsorte, erläutert der Linke-Stadtrat.

Vorgesehen ist eine Eröffnung rechtzeitig zum »Internationalen Tag für Entkriminalisierung von Abtreibung« am 28. September. Für jenen Samstag planen Pro-Choice-Gruppen bundesweit Aktionen. In Gießen soll es eine Demonstration geben. Sie solle, so Arman, verdeutlichen: »Wir machen weiter! Wir setzen uns für das Informationsrecht zum Schwangerschaftsabbruch ein.«

Wer zur Ausstellung beitragen will, kann sich melden unter info@kristinahaenel.de.

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