17. September 2019, 11:00 Uhr

Gericht verhandelt Überfall

Todesangst bei Raubüberfall in Gießen

Einem 27-Jährigem droht eine lange Haftstrafe: Er soll im April mit einer Pistole die Herausgabe eines Autos erzwungen haben.
17. September 2019, 11:00 Uhr
Ein Tatort im April: Der Altenfeldsweg.

Mit vorgehaltener Pistole erzwang er nächtens im Altenfeldsweg die Herausgabe eines weißen Hyundai. Kurz zuvor war der 27-Jährige in der Moltkestraße beim ersten Versuch gescheitert, mit Waffengewalt in den Besitz eines Autos zu gelangen. Wegen dieser Straftaten muss sich der Baden-Württemberger, der seit jener Nacht in Untersuchungshaft sitzt, seit Montag vor dem Gießener Landgericht verantworten. Ihm droht die Verurteilung zu einer langen Haftstrafe. Denn er hat bereits ein langes Vorstrafenregister, darunter wegen schwerer räuberischer Erpressung und räuberischen Diebstahls.

Am 14. April gegen 23.15 Uhr saß ein Reiskirchener nach der Rückkehr von der Frühjahrsmesse zusammen mit seiner Freundin vor deren Wohnung in der Moltkestraße rauchend in seinem Opel Astra, als plötzlich ein Unbekannter ans leicht geöffnete Fahrerfenster trat und eine Zigarette erbat. Er bekam sie auch und ging davon, kehrte aber sogleich zurück, hielt nun dem Fahrer einen Pistole an den Kopf und forderte ihn zum Aussteigen auf. Der 21-Jährige tat das und flüchtete sogleich, den Autoschlüssel in der Hosentasche. Als die junge Frau dem Täter versicherte, dass sie keinen Schlüssel hat, lief er durch die Roonstraße davon.

Gut anderthalb Stunden später riss der gebürtige Kasache im Altenfeldsweg die Fahrertür eines Autos auf, mit dem gerade zwei Frauen nach Hause fahren wollten. Er bedrohte mit seiner Pistole die Frau auf dem Fahrersitz und forderte sie mehrfach zun Aussteigen auf. Die verängstigten Freundinnen taten das und übergaben auf Verlangen den Autoschlüssel, ehe sie flüchteten, sich in der benachbarten Kindertagesstätte einschlossen und die Polizei alarmierten. Noch während die Frauen wenig später auf der Wache vernommen wurden, konnte die Polizei den Räuber festnehmen. Einer Streife war der Hyundai im Schiffenberger Weg aufgefallen. Der Fahrer flüchtete über den Gießener Ring, auf dem er nach kurzer Verfolgungsjagd mit mehreren Streifenwagen gestoppt wurde.

Der Angeklagte räumte über seinen Verteidiger die ihm zur Last gelegten Taten ein. Zugleich ließ er mitteilen, dass er sich an jene Nacht nur noch schemenhaft erinnern könne. Er wisse nur noch, dass er plötzlich unbedingt ein Auto haben wollte, um heimfahren zu können. Zuvor habe er mit seinen Kumpels viel Bier getrunken und »jede Stunde eine Nase Kokain« sowie Heroin konsumiert. Deshalb könne er auch nicht erläutern, woher seine Waffe stammt und warum bei ihm eine abgeschnittenen Strumpfhose gefunden wurde. Als Gerichtsvorsitzender Klaus Bergmann weiter nach Details forschte, gab der Angeklagte sich wiederholt genervt und verweigerte weitere Aussagen.

Der Bluttest nach seiner Festnahme hatte allerdings einen Promillewert von 0,0 ergeben, während der Kokainwert nur geringfügig über der Nachweisgrenze lag. Auch die vier Überfallopfer hatten keine Anzeichen dafür erkannt, dass der Täter damals nicht Herr seiner Sinne war. Tatsächlich nimmt der Vater einer elf Monate alten Tochter offenbar schon seit seinem 14. Lebensjahr regelmäßig Drogen, auch während seiner vierjährigen Haftzeit. Derzeit wird er in der JVA Butzbach mit Methadon behandelt.

Opfer leidet bis heute

Während die beiden in der Moltkestraße bedrohten junge Leute die nächtliche Bedrohung gut verkrafteten, hatte der Raubüberfall für die Autobesitzerin im Altenfeldsweg dramatische Folgen. Sie erlitt danach Panik-attacken, war wochenlang krankgeschrieben und absolviert derzeit noch eine Traumatherapie. Auch bei ihrer gestrigen Zeugenaussage wurde die 39-Jährige von Weinkrämpfen geschüttelt und vermied jeglichen Blickkontakt mit dem Angeklagten. Ihre Freundin hatte zwar in den dramatischen Sekunden nach ihren Angaben ebenfalls Todesangst verspürt, reagierte dann aber cooler. »Mach keine Scheiß!«, forderte die 55-Jährige den Räuber noch auf, als dieser vor der Flucht den Fahrersitz verstellte. (Foto: Schepp)

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