24. April 2013, 21:28 Uhr

Tödliche Schüsse in der Bahnhofstraße wegen Schulden?

Gießen (sha). »Gulasch« habe der Angeklagte aus dem späteren Opfer machen wollen, weil der 26-Jährige bei dem Mann Schulden hatte, berichtete eine Zeugin am Mittwoch vor der Fünften Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts.
24. April 2013, 21:28 Uhr
Stadt und Kreis haben vor dem Gießener Landgericht einen Vergleich geschlossen. (Foto: red)

Dies habe sie von einer Bekannten erfahren. Diese Frau habe auch erzählt, dass der Angeklagte von einer Pistole gesprochen habe, die er einsetzen wollte. Auf Nachfrage des Gerichts gaben weitere Zeugen an, dass nicht bezahlte Drogen das Motiv des schizophrenen Mannes gewesen sein könnten, . Wie ein medizinischer Gutachter erklärte, war die Schuldfähigkeit des Angeklagten wegen dessen Psychose stark beeinträchtigt.

Der Mitbewohner des Opfers, der nach dem Auffinden des Leichnams noch am Tatabend die Polizei benachrichtigt hatte, äußerte vor Gericht, dass der 26-Jährige gelegentlich Haschisch konsumiert habe. Er habe auch gewusst, dass der junge Mann Schulden gehabt habe. Zur Höhe dieser Außenstände konnte er allerdings keine Angaben machen, da beide nicht über dieses Thema geredet hätten.

Der mutmaßliche Täter schweigt bisher zu den Vorwürfen. Ermittler der Polizei berichteten jedoch, dass der Mann im Internet nach einer Pistole gesucht habe, wie sie am Tatort gefunden wurde. Dies hätten Auswertungen des Computers des Angeklagten ergeben. Eine weitere Beamtin erläuterte, dass der Schuhabdruck an der Tür zur Wohnung des späteren Opfers »eindeutig« von dem rechten Turnschuh stamme, den der 31-Jährige am Tatabend getragen hatte. Die nicht besonders massive Tür zu dieser Wohnung hatte der Täter – vermutlich mit einem Tritt – aufgebrochen. Nach einem Gutachten des Landeskriminalamtes wurden an der Tatwaffe nicht nur DNA des Angeklagten, sondern auch Textilfaserspuren von dessen T-Shirt gefunden.

Verurteilung wegen Mordes möglich

Der 31-Jährige leide an einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis, informierte Gutachter Dr. Rainer Gliemann die Kammer. Allerdings liege bei dem Mann keinerlei Krankheitseinsicht vor, und er verweigere die Einnahme von Medikamenten. Wegen dieser Psychose sei die Schuldfähigkeit des Angeklagten mindestens »erheblich beeinträchtigt«. Ohne eine medizinische Behandlung bestehe die Gefahr, dass erneut ähnliche Gewalttaten von dem Gießener ausgehen könnten, betonte der Psychiater und empfahl deshalb, den 31-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Hinsichtlich etwaiger Drogenschulden des Opfers als mögliches Motiv für die Tat sei dennoch der Einfluss der Psychose auf den Angeklagten erkennbar, führte Gliemann aus. Dafür spreche das Missverhältnis von Ursache und Reaktion. Ein »kleiner Drogendealer« erschieße säumige »Kunden« üblicherweise nicht sofort.

Vorsitzender Richter Bruno Demel wies darauf hin, dass auch wegen Mordes verurteilt werden könnte. Das Aufbrechen der Wohnungstür und die Schüsse auf das überraschte Opfer beinhalteten das Mordmerkmal Heimtücke. Der Sachverständige hatte zuvor erklärt, dass »kognitive Prozesse im akuten Zustand einer Psychose in der Regel nicht betroffen« seien. Der Angeklagte sei ergo trotz seiner Erkrankung in der Lage gewesen, die Überraschung des Opfers bewusst auszunutzen.

Am kommenden Montag werden die Plädoyers in diesem Prozess erwartet.

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