07. November 2018, 21:37 Uhr

Training mit Bodenhaftung

07. November 2018, 21:37 Uhr
Der Gastrobereich: Koch Walter Hücker und die stellvertretende BTZ-Leiterin Susanne Heyrock freuen sich auf spannende Trainingswochen mit ihren Teilnehmern. (Foto: Schepp)

Gießen (cg). Angststörungen, Depressionen, Burn-out, Suchterkrankungen – immer mehr Menschen sind den Anforderungen des Arbeitslebens nicht mehr gewachsen. Psychische Erkrankungen sind immer häufiger ein Grund für ein unfreiwilliges vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf. Eine Chance für Arbeitnehmer aus ganz verschiedenen Branchen bietet seit kurzem das BTZ, ein interdisziplinäres Berufliches Trainingszentrum. Dieser Tage wurde die gemeinnützige Einrichtung, die bereits einen Standort in Kassel hat, auf dem Gelände des US-Depots eingeweiht. Viele Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie Vertreter von Bildungsträgern aus ganz Hessen waren gekommen, um das BTZ zu besichtigen. Es hat seinen Sitz in einem geschichtsträchtigen Gebäude: Wo in den 30er Jahren Piloten ausgebildet wurden, wird heute wieder gelehrt und gelernt – wenn auch mit deutlich mehr Bodenhaftung.

Gastronomie, EDV, Handwerk

Rehabilitations- und Rentenstatistiken sowie Daten zu Arbeitsunfähigkeitszeiten der Krankenkassen zeigen, dass immer mehr Menschen in ihrem Arbeitsalltag scheitern. Abgesehen davon, dass dies in Zeiten von Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel Unternehmen vor große Probleme stellt, verbergen sich hinter den Zahlen menschliche Schicksale. Cristiano Weinkauf, Leiter des BTZ, erinnerte bei der Begrüßung daran, dass Arbeit weit mehr sei als Existenzsicherung. Sie sei vielmehr eine tragende Säule zu Zufriedenheit und Lebensqualität. Wenn das Leben im Job aus den Fugen gerate, seien die Folgen oft weitreichend für die Betroffenen und ihre Familien. Zudem seien psychische Erkrankungen gesellschaftlich noch immer mit einem Stigma behaftet.

Ziel des beruflichen Trainings ist es, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Dazu wird gemeinsam mit einem multiprofessionellen Team eine berufliche Perspektive erarbeitet. Denkbar ist eine Qualifizierung in der bisherigen Branche, aber auch ein Wechsel in ein völlig anderes Arbeitsfeld, erläuterte Weinkauf. Wichtig sei es, für jeden Teilnehmer eine individuelle Lösung zu finden. Berufstrainer, Ergotherapeuten, Mediziner, Psychologen und Sozialpädagogen unterstützen die Teilnehmer bei der psychischen Stabilisierung und dem Erwerb neuer Fähigkeiten. In den großzügigen und ansprechend sanierten Räumen des BTZ gibt es einen Hotel- und Gastronomiebereich, einen Trakt für Schulungen im Bereich Wirtschaft und Verwaltung und schließlich Werkstätten, in denen verschiedene Handwerke erlernt werden können. Die Einrichtung hat Platz für 50 Teilnehmer.

Stadträtin Gerda Weigel-Greilich hatte in ihrem Grußwort an die historischen Bezüge erinnert und auf den Wandel des gesamten Areals hingewiesen. Zudem hob sie die Bedeutung der beruflichen Rehabilitation hervor. Auch die Stadt Gießen mit ihren 1200 Mitarbeitern wisse Förderprogramme zu schätzen, die erkrankten Mitarbeitern neue Perspektiven eröffneten.

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