14. Juni 2019, 21:16 Uhr

Trainingshalle als Probenraum

14. Juni 2019, 21:16 Uhr
In der Rivers-Halle an der Licher Straße üben nicht nur Sportler, sondern auch Musiker. (Foto: Schepp)

Früher wehte Beethoven-Musik über den Schlachthof, heute kann man die Klänge von Geigen und Oboen in der Sporthalle der ehemaligen Rivers-Kaserne hören. Das Philharmonische Orchester des Stadttheaters probt an ungewöhnlichen Orten. Und das bleibt vorerst auch so - obwohl der MTV 1846 die Halle an der Licher Straße gern komplett für Sport nutzen würde. Es fehle an einer geeigneten Alternative für die Musiker, sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz im Sozialausschuss. Das habe die Stadt dem Verein in mehreren Gesprächen bereits mitgeteilt.

Für den Vorstand des Sportvereins - mit 2300 Mitgliedern der größte im Kreis Gießen, zudem »einer der ältesten in Deutschland« - trug Karl Krämer in der Bürgerfragestunde die Bitte vor, neben der großen Halle auch die anderen Räume in der Halle nutzen zu dürfen. Der MTV 1846 sei in den letzten Jahren rasant gewachsen, weil er sich neuen Sportarten geöffnet habe. Mit Erfolg: Im American Football spielt der Verein mittlerweile in der Bundesliga, im 2018 etablierten Ringen hat er bereits einen deutschen Vizemeister in der B-Jugend hervorgebracht. Die Abteilung Street-Workout (Calisthenics) entstand aus einer Studentengruppe, die sich am Stangenpark im Stadtpark zusammengefunden hatte.

Für all diese Angebote fehle es an geeigneten Flächen. Die vereinseigene Halle am Heegstrauchweg mit Verwaltungsräumen und Vereinsgaststätte sei »voll ausgelastet und für viele Sportangebote zu klein oder veraltet«. Zusätzliche Trainingszeiten in Schulsporthallen reichten nicht aus.

Für die große Halle an den Rivers hat der Verein bereits seit dem Abzug der US-Truppen 1996 einen Nutzungsvertrag. Den würde er gern ausdehnen auf die kleine Trainingshalle sowie weitere Räume. Sie seien für sportliche Zwecke gut ausgestattet und laut dem Stadttheater für die Musiker »suboptimal«, so Krämer.

Das bestätigte Sportdezernentin Grabe-Bolz grundsätzlich. Doch für das Orchester habe sich bisher kein anderer geeigneter Ort gefunden. Mit einigen Investitionen habe die Stadt die Situation für die Musikerinnen und Musiker verbessert. Die Anforderungen an den Probenraum seien »sehr vielschichtig«; unter anderem müsse er ebenerdig zugänglich sein. »Sollte es geeignete Alternativen geben, so könnten diese geprüft werden.«

Die OB betonte, das Interesse des Vereins sei verständlich. Immerhin könne er die große Halle ganztägig nutzen, dies sei in Gießen »ganz selten«.

Derzeit prüft der Verein, ob er Räume anmieten könnte. Dies würde laut Krämer freilich zu einer deutlichen Erhöhung der Beiträge führen, was aus Sicht des Vorstands dem Bestreben nach sozialer Teilhabe widerspräche.

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