05. Juli 2017, 20:58 Uhr

Tropenkrankheiten erforschen

05. Juli 2017, 20:58 Uhr
Dengue-Fieber zum Beispiel ist lebensbedrohlich und verbreitet sich in armen Ländern – wie hier in Indien – rasch. (Foto: dpa)

Mehr als eine Milliarde Menschen in rund 150 Ländern der Welt leiden unter vernachlässigten Tropenkrankheiten – »Neglected Tropical Diseases« (NTDs). Dengue-Fieber und Chikungunya, Ebola- und Zika-Virusinfektionen, aber auch Leishmaniose, Trypanosomiasis und Schistosomiasis sind derartige gefährliche Krankheiten, die durch Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilze verursacht werden und die für die Patienten akut lebensbedrohlich sein oder zu schweren chronischen Erkrankungen führen können. Bei Armut und Elend verbreiten sie sich rasch.

Einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der NTDs leisten über 40 Wissenschaftler in über 30 Arbeitsgruppen unter Federführung der Justus-Liebig-Universität Gießen. Partner sind dabei die Philipps-Universität Marburg, die Goethe-Universität Frankfurt, das Paul-Ehrlich-Institut Langen und die Technische Hochschule Mittelhessen. Sie freuen sich jetzt gemeinsam darüber, dass das Land Hessen in einer ersten vierjährigen Periode von 2018 bis 2021 das LOEWE-Zentrum Novel Drug Targets against Poverty-Related and Neglected Tropical Infectious Diseases (DRUID) mit einer Gesamtsumme von rund 19 Millionen Euro fördert. Die Gesamtleitung und wissenschaftliche Koordination des neuen LOEWE-Zentrums liegt bei der Gießener Biochemikerin, Molekularbiologin und Medizinerin Prof. Katja Becker; die JLU war Antragstellerin.

Im neuen LOEWE-Zentrum DRUID sollen dringende Fragen zur Identifikation und Charakterisierung möglicher Zielmoleküle für die Entwicklung von Wirkstoffen und Diagnostika gegen vernachlässigte Infektionskrankheiten geklärt werden. An der Vorbereitung des Antrags haben aus Gießen maßgeblich mehrere Wissenschaftler mitgewirkt, die größtenteils auch dem Lenkungsausschuss angehören werden: Neben Sprecherin Katja Becker sind dies Prof. Christoph G. Grevelding, Parasitologie und Prof. John Ziebuhr, Virologie. Die administrative Koordination liegt bei Ulrike Burkhard-Zahrt, Biochemie und Molekularbiologie im Forschungszentrum IFZ.

JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee gratulierte allen beteiligten Forschern. Sie hätten frühzeitig Weitblick bewiesen und stellten sich gemeinsam hochaktuellen internationalen Herausforderungen, die sich bei der Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten ergeben. »Es zeigt sich einmal mehr, dass internationale Spitzenforschung nur in einem funktionierenden Netzwerk gelingen kann«, sagte Mukherjee.

Weitere Beteiligungen

Ebenfalls beteiligt sind Gießener Wissenschaftler am neuen LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik, ein Joint Venture unter Federführung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN), das insgesamt mit rund 18 Millionen Euro vom Land Hessen gefördert wird. Es ist komplementär zum Gießener LOEWE-Zentrum Insektenbiotechnologie angelegt und somit auch über das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME), Projektgruppe Bioressourcen, mit der JLU verknüpft. Prof. Andreas Vilcinskas ist mit einem Teilprojekt »Animal Venomics« im Bereich »Naturstoffgenomik« beteiligt. Im Rahmen seines Projektes sollen Tiergifte als Bioressource für neue Wirkstoffe erschlossen werden.

Gute Nachrichten kommen auch von einer dritten Stelle: Der LOEWE-Schwerpunkt AROMAplus »Von pflanzlichen Rohstoffen zur mikrobiologischen Produktion – Aroma- und funktionelle Inhaltstoffe aus Reben und Obst«, bei dem die Hochschule Geisenheim University (HGU) die Federführung übernommen hat, wird künftig mit insgesamt rund 4,4 Millionen Euro vom Land gefördert. Prof. Holger Zorn und Junior-Professor Martin Rühl, beide vom Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie der JLU, steuern das Teilprojekt »Bildung von Aroma- und funktionellen Inhaltsstoffen aus Reben und Schwarzen Johannisbeeren durch Fermentation mit Pilzen« bei.

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