25. Mai 2018, 11:00 Uhr

Urteil

Über 700 Kinderpornos im Haus

Ein 57-jähriger Gießener ist verurteilt worden, weil er über 700 Kinderpornos auf seinem Computer hortete. Der Mann hat bereits eine Vorgeschichte als Sexualstraftäter.
25. Mai 2018, 11:00 Uhr

Als er im August 2017 einen USB-Stick im Computer seines Klienten stecken sieht, schöpft der Bewährungshelfer sofort Verdacht. Darf ich mal sehen, was da drauf ist, fragt er den Gießener, der bereits wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war. Der Mann verneint. Kurz darauf zeigt eine Hausdurchsuchung, warum: 622 kinderpornografische Bilder und 91 Videos sind auf dem Datenträger gespeichert. Dafür hat das Schöffengericht Gießen den 57-Jährigen am Donnerstag zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt.

In Handschellen wird der Rentner von zwei Beamten in den Saal des Amtsgerichtes geführt. Für den Prozess ist er aus der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt angereist, in der er seit Herbst letzten Jahres eine vorher verhängte Strafe verbüßt. Zum Fall äußert er sich kaum. Wenn er spricht, redet er leise, fast gebrochen und nur, wenn er direkt gefragt wird. Auch das Geständnis überlässt er seinem Anwalt.

»Die Vorwürfe sind richtig«, sagte der Verteidiger gleich zu Beginn der Verhandlung. »Mein Mandant hat die Daten zur sexuellen Stimulation genutzt.« Er wolle nun in eine sozialtherapeutische Anstalt in Kassel verlegt werden – dafür seien bereits Schritte eingeleitet worden.

Dem 57-Jährigen wird der Besitz kinderpornografischer Schriften nach § 184b des Strafgesetzbuches zur Last gelegt. Neben dem USB-Stick soll er auf zwei Computern fünf weitere Videos und Bilder gespeichert haben. Die Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr und acht Monate Haft ohne Bewährung; die Verteidigung plädierte auf maximal zehn Monate. Per Gesetz sind bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe möglich.

 

Meist jünger als 10 Jahre

 

»Der Verdächtige kannte das Alter der Kinder«, sagte Staatsanwalt Benediktus Zdziarstek. Die meisten seien jünger als zehn Jahre alt gewesen. Zu sehen seien Mädchen und Jungen bei sexuellen Handlungen, teils mit Erwachsenen oder Tieren. Richter Jürgen Seichter ersparte den beiden Schöffen, dem Staatsanwalt und dem Verteidiger nicht, sich einige ausgedruckte Beispiele anzusehen. Angesichts vorhergegangener Taten sehe er »keine günstige Sozialprognose«, sagte Zdziarstek. Er verzichte jedoch auf die Höchststrafe, da der Angeklagte sich geständig und therapiewillig gezeigt habe.

Der Beklagte habe schon früher versucht, sich wegen seiner Neigungen Hilfe bei einer therapeutischen Einrichtung in Frankfurt zu suchen, erklärte der Verteidiger. Bereits in den 1990er Jahren hatte er Kinder missbraucht, wurde aber erst mehr als zehn Jahre später dafür verurteilt. Auch für den Besitz kinderpornografischer Schriften stand er schon vor Gericht. Weder Urteile, noch Bewährungshelfer bewogen den Mann jedoch dazu, im letzten Jahr die verbotenen Fotos und Bilder zu löschen. Auf die Frage des Richters nach dem warum, sagte der er: »Ich hatte Angst, dass der Trieb zu stark ist, und ich dann neues Material herunterlade.«

»Diese sexuelle Präferenz wird sich nicht wegtherapieren lassen«, sagte der Verteidiger. »Aber wir können versuchen, ihn für ein straffreies Leben fit zu machen.« Richter Seichter wandte sich an den Angeklagten mit den Worten: »Jeder muss seine sexuellen Präferenzen beherrschen. Solche Handlungen fügen Kindern großen Schaden zu. Ich will, dass Sie das verstehen.«

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Binnen einer Woche kann Revision eingelegt werden. Wird das Urteil jedoch vollstreckt, bleibt der Angeklagte nicht nur bis Februar 2021 in Haft – wie es ein älteres Urteil vorsieht, sondern weitere 15 Monate. Ob er danach nach Gießen zurückkehrt, ist offen. Seine Wohnung wurde aufgelöst.

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