14. Dezember 2018, 10:01 Uhr

Überfall

Überfall auf Seltersweg-Juwelier: Angeklagte geben Einblick in Hintergründe

Der spektakulär gescheiterte Überfall auf einen Juwelier im Seltersweg beschäftigt das Landgericht Gießen. Nun gaben die Angeklagten Einblicke in die Hintergründe der Tat.
14. Dezember 2018, 10:01 Uhr
(Foto: dpa/Symbolbild)

Als Staatsanwalt Christian Bause im Plädoyer für die vier Juwelierräuber Freiheitsstrafen von acht bis neun Jahren forderte, da blies einer der Beschuldigten seine Wangen auf und starrte sekundenlang auf den Tisch vor ihm. Bause sah es als erwiesen an, dass die drei Serben und der Montenegriner sich des besonders schweren Raubes schuldig gemacht haben, als sie Ende Juni vormittags den Juwelier im Seltersweg bei den drei Schwätzern überfielen. Die Verteidigung plädierte auf versuchten Raub mit Strafen zwischen drei und fünf Jahren.

Der Tatbestand, um den es vor dem Gießener Landgericht am Donnerstag ging, ist unstrittig: Beim Auftakt des Prozesses Ende November zeigten sich die Angeklagten geständig. Ihr Motiv: Spielschulden und Drohungen vonseiten ihrer Gläubiger. Am zweiten Verhandlungstag Anfang Dezember hatten die Zeugen geschildert, wie sie den Überfall erlebt hatten. Unter anderem der Mitinhaber, der einen der Räuber umstieß, damit Angestellte und Kundinnen fliehen konnten. Oder dessen Schwester, die bis heute mit den psychischen Folgen des Überfalls kämpft.

Vor den Plädoyers versuchte der Vorsitzende Richter Dr. Klaus Bergmann und der beisitzende Richter Dr. Dominik Balzer die Hintergründe zu beleuchten. Zwei der vier Männer gaben an, sie hätten mit ihrem Anteil aus dem Überfall Spielschulden von 35 000 und 28 000 Euro tilgen wollen. Geliehen hätten sie sich das Geld aus dem Belgrader Milieu – dem organisierten Verbrechen – mit einem Zinssatz von rund zehn Prozent. Die Gewaltandrohungen gegen sich und die Familie seien in diesem Milieu nicht nur so dahergesagt, sagte Strafverteidiger Dietmar Kleiner. Deswegen wollten die Angeklagten nichts zu den Hintermännern sagen.

Staatsanwalt Bause sah bei den Männern »ein hochkriminelles Verhalten«. Die Beute sei bereits in den Taschen verstaut gewesen, sie hätten zwei Waffen eingesetzt – also handele es sich um einen in die Tat umgesetzten schweren Raub. »Gießen hatte großes Glück«, sagte Bause. »denn der Überfall hätte in einer Katastrophe enden, es hätte Tote geben können.« Einer der Angeklagten war bereits in Serbien und in München verurteilt worden. Auch hier ging es um Überfalle auf Juwelierläden; für ihn sah Bause eine Haftstrafe von neun Jahren als angemessen an. Die anderen drei Männer haben keine Vorstrafen, einer wird jedoch mit internationalem Haftbefehl wegen eines in Wien begangenen Delikts gesucht. Sie sollen laut Bause für acht Jahre hinter Gitter.

Einigkeit bei den Verteidigern Dietmar und Philipp Kleiner, Alexander Hauer und Dagmar Nautscher: Die Männer seien geständig, hätten so einen langwierigen Prozess verhindert. Außerdem sei der Raub nicht vollendet worden. Dietmar Kleiner zitierte aus anderen Urteilen aus der Vergangenheit, in denen das Greifen der Beute nicht mit dem Wegschaffen gleichzusetzen sei. Mit den Waffen hätten die Männer nie schießen wollen. Dass der Staatsanwalt dies anders sehe, sei Spekulation. Für den vorbestraften Serben forderten sie nicht mehr als fünf, für die anderen zwischen drei und vier Jahren Haft.

Am Ende gab Richter Bergmann den Angeklagten das letzte Wort. Drei von ihnen nutzten die Chance, um sich für ihre Tat zu entschuldigen. Einer von ihnen schloss mit den Worten: »Ich schäme mich.«

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