24. November 2008, 21:36 Uhr

Übergewicht offenbar gefährlicher als Alkohol

Gießen (if). Pausenlos müde? Juckreiz? Übelkeit? Gewichtsveränderung mit zunehmendem Bauchumfang? Womöglich rätselhafte blaue Flecken? Es könnte die Leber sein:
24. November 2008, 21:36 Uhr

Gießen (if). Pausenlos müde? Juckreiz? Übelkeit? Gewichtsveränderung mit zunehmendem Bauchumfang? Womöglich rätselhafte blaue Flecken? Es könnte die Leber sein: Von einer »Zeitbombe« unentdeckter Lebererkrankungen sprechen jedenfalls derzeit die Fachleute und warnen von einer zu befürchtenden »dramatischen Zunahme von Leberkrebs«. Dabei beziehen sie sich auf kürzlich bekannt gewordene Ergebnisse einer Gesundheitsstudie: Jeder Vierte wies erhöhte Leberwerte auf. Die meisten Betroffenen hatten keine Ahnung davon. Eine Leber besitzt keine Nervenfasern, die den Schmerz weiterleiten könnten. Auf die Bedeutung einer regelmäßigen Kontrolle der Blut- und Leberwerte wiesen deshalb Gastroenterologen aus dem Uniklinikum beim bundesweiten »9. Deutschen Lebertag« unter der Devise »Checkup für die Leber« hin.

Um Lebererkrankungen wurde lange Zeit ein weiter Bogen gemacht. Bei Betroffenen galten sie als Tabuthema. Lieber lehnte man einen angebotenen Drink mit dem Hinweis »Ich muss noch fahren« ab, als den Verdacht zu wecken, Probleme mit dem größten inneren Organ des Menschen könnten alkoholbedingt und folglich selbst verursacht sein. Zwar ist Alkohol - auch wenn erhöhte Leberwerte sich wieder normalisiert haben - nach wie vor als eine Art »Lebergift« strikt untersagt. Aber es sind, so betonte Prof. Elke Roeb zum »Lebertag« im Hörsaal der Medizinischen Poliklinik, neben der Gruppe virusbedingter - also infektöser - Leberentzündungen heute zunehmend andere Ursachen, die über eine Fettleber zur Zirrhose (die Vernarbung des Lebergewebes) bis zum Leberkrebs führen können. Eine entsprechende Lebensführung, falsche Ernährung und damit Übergewicht zusammen mit Diabetes. » 37 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer sind heute in Deutschland adipös«, betonte Roeb - »andererseits haben 75 Prozent der «Fettleber»-Patienten einen «Body Mass Index» von über 30.« Eine eigentliche Therapie gibt es nicht. »Weder was Anti-Oxydantien noch was Gallensäuren angeht, existieren ausreichende Daten.«

Was also lässt sich tun?, fragten die interessiert folgenden Hörer die Leiterin des universitären »Schwerpunktes Gastroenterologie« im dicht gefüllten Hörsaal. »Eine Änderung des Lebensstils, Diätberatung, eine moderate Fettreduktion in der Ernährung, Ersatz der gesättigten durch ungesättigte Fettsäuren, genügend Ballaststoffe, Obst und Gemüse«, lautete die Antwort, »ergänzt durch Bewegung«. Und Alkohol? »Schädigt die Leber!« »Grundsätzlich?« »Grundsätzlich.«

Während es gegen die Fettleber (noch) keine Impfung gibt, ist eine Impfung gegen den Erreger der Hepatitis B seit einigen Jahren möglich und wird für Kinder und Jugendliche sowie bestimmte Berufsgruppen auch empfohlen. »Impfung ist das Beste, was man machen kann«, versicherte Oberarzt Dr. Ahmet Akinci mit Hinweis auf Daten aus den USA. In Deutschland sind bis zu zwei Prozent der Bevölkerung Träger des Virus. Pro Jahr geht man von mehreren Tausend Hepatitis-Neuinfektionen aus, wenn das körpereigene Abwehrsystem des Patienten nicht in der Lage ist, selbst mit dem Virus fertig zu werden. Die Symptome einer Infektion mit Hepatitis-Viren sind unspezifisch: Nur ein Teil der Patienten entwickelt grippeähnliche Symptome, Gelenkschmerzen und Abgeschlagenheit. Eine Gelbsucht tritt eher selten auf, betonte Dr. Akinci.

Ehe Prof. Philip Hart abschließend auf die ganze Palette der heute verfügbaren Diagnosemöglichkeiten einging und dabei auf die Bedeutung des so genannten GPT - Wertes - des Wertes der Glutamat-Pyruvat-Transaminase - hinwies, hatte Dr. Timo Rath die Risikofaktoren für die Entwicklung zum Leberkrebs aufgezählt. Während in ganz Europa ist ein dramatischer Anstieg zu beobachten ist, verdoppelte sich in Deutschland die Sterblichkeit in den vergangenen drei Jahrzehnten von rund 40 000 auf 80 000 Todesfälle jährlich.

»Was kann man denn zur Vorbeugung tun?«, fragte einer der Teilnehmer eher beklommen. Auf die Antwort »Es gibt Anhaltpunkte, dass Kaffee - zwei Tassen mehr pro Tag -eine günstige Wirkung haben kann«, kam die keineswegs witzig klingende Frage: »Mit Milch und Zucker oder ohne?«

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