20. September 2019, 21:56 Uhr

Umweltliste sieht Otto kritisch

20. September 2019, 21:56 Uhr
Wie viele Fahrzeuge werden nach der Otto-Ansiedlung den Weg durch die Wiesecker Philophenstraße nehmen, die im Brückenbereich der Wieseck auf eine Spur verengt ist? (Foto: ige)

Sich unbedingt beliebt machen, darauf legt Norbert Kress keinen Wert. Zumindest nicht im Wiesecker Ortsbeirat, wo er für die Wiesecker Bürgerliste für Umweltschutz und Frieden (BUF) im Gremium sitzt. Immer noch eine Schippe drauflegen, das ist seine Sache. In einer Demokratie sicherlich nicht immer das schlechteste. Auch wenn es dann im Gremium solche Reaktionen - in nicht feiner Tonart - gibt: »Da sind schon wieder einmal Teile drin, die Wieseck gar nicht betreffen. Und das ist alles viel zu spät.« So reagierte das sichtlich erzürnte Ortsbeirats-Mitglied Michael Oswald (CDU) auf die Ausführungen von Gremiumsmitglied Kress. Um was ging es eigentlich?

Zur Debatte stand in der von Vorsteher Wolfgang Bellof (SPD) geleiteten Sitzung der Tagesordnungspunkt »Abwägung und Satzungsbeschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes Am Alten Flughafen III«. Weit mehr als 200 Seiten umfasst die Vorlage für den Bereich, in dem sich »Otto/Hermes« mit einem Logistikzentrum ansiedeln will. Dr. Holger Hölscher, Leiter des städtischen Planungsamtes, nahm mit seinem Stellvertreter Stephan Henrich an der Sitzung teil und sprach vom größten Bebauungsplan, der jemals in Gießen aufgestellt worden sei. Fast den gesamten Teil davon wird Otto mit seinem Logistiker Hermes bebauen. »Doch auch eine Tankstelle, Flächenvorhalte für das Unternehmen Stanley Tucker sowie eine Gleisoption beinhaltet der Plan«, erläuterte Hölscher. Feste Einnahmen der Stadt durch die Otto-Bebauung seien die Gebühren für die Baugenehmigung sowie die Grundsteuer des Flächenerwerbes. Zur Gewerbesteuerzahlung kam keine Aussage.

Henrich, der in der Stadt die Verkehrsplanung verantwortet, erläuterte die Kreuzungen, die im Bereich des Bebauungsplanes liegen. Strittig sei noch immer der geplante Kreisel an der Ringabfahrt zum Oberlachweg. Die Straßenverkehrsbehörde HessenMobil habe da wegen möglicher Staugefahr bei der Autobahnabfahrt interveniert. »Frühestens 2022 wird alles an den Knotenpunkten umgebaut sein«, meint Henrich. Otto will zuvor, 2021, sein Logistikzentrum eröffnen. Dann wird es bereits täglich - so die neueste Planung - 2250 Pkw-Fahrten der Beschäftigten geben. Hinzu kommen 200 Lkw-Anfahrten von »Otto« aus dem Norden und Abfahrten in Richtung Süden - Gießen ist das südlichste Logistikzentrum von Otto und wird vom Norden aus beliefert. Zusätzliche 650 Sprinter-Fahrten kommen hinzu. 1300 Arbeitsplätze sollen entstehen. Henrich: »Die im Raum stehende Zahl von 1800 ist ein Wunsch, von Otto nicht bestätigt.«

Wie stark wird nun der Stadtteil Wieseck mit diesem zusätzlichen Verkehr belastet und welche weiteren negativen Beeinträchtigungen für den Stadtteil wird es geben? Die Stadt sowie die Mehrheit des Wiesecker Ortsbeirates sieht das - so der Eindruck in der Sitzung - als »nicht beträchtlich oder eher minimal« an.

Keiner da vom Magistrat

Nicht so Norbert Kress, der es als »ignorant« empfand, »dass niemand vom Magistrat hier ist.« In einer sechsseitigen Stellungnahme zum Bebauungsplan als Anregung an Magistrat und Stadtparlament begrüßt er prinzipiell die Umwandlung eines militärischen Areals zu einem Gewerbegebiet. Obwohl es Arbeitsplätze und Steuern für die Stadt schaffe, dürfe das Wohl der Bürger und deren Wohn- und Freizeitqualität nicht aus dem Auge verloren werden. Kritisiert von Kress wird unter anderem, dass es weder eine Fassaden- noch eine Dachbegrünung gebe und maximal eine Kreuzung statt ein Kreisverkehr realisiert wird. Zudem fordert er einen Radweg mit Zwei-Richtungs-Verkehr auf der nördlichen Seite der Rudolf-Diesel-Straße, damit ein kreuzungsfreies und gefahrloses Radfahren von der Philosophenstraße bis zum Oberlachweg möglich ist. Außerdem dürfe bei der Ring-Behelfsausfahrt Grünberger Straße der Heyerweg nicht zur Zufahrt für den Berufsverkehr zum Alten Flughafen werden. Die Realisierung aller verkehrlichen Maßnahmen müsse vor der Eröffnung von Otto erfolgt sein.

Beiratsmitglied Klaus Zimmermann (SPD) gab seiner Hoffnung Ausdruck, »dass Wiesecker Bürger bei Otto Arbeit finden und dann sicher per Fuß oder Rad auf einem separaten Weg dorthin gelangen.« 15 Jahre sei es her, dass erstmals ein diesbezüglicher Antrag gestellt worden sei. Henrich dazu: »Das dortige Naturschutzgebiet erschwert leider die Durchführung des Vorhabens.«

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