29. Januar 2019, 11:07 Uhr

Roboter am UKGM

Uni-Klinikum Gießen: Dieser Roboter soll künftig bei Operationen helfen

Im Uni-Klinikum Gießen wird ab Sommer mit Hilfe eines Roboters operiert. Der 2,3 Millionen Euro teure DaVinci soll gleich mehrere Verbesserungen bringen.
29. Januar 2019, 11:07 Uhr
Das Robotersystem im OP-Saal bringt viele Verbesserungen mit sich. Ein Ärzteteam ersetzt es nicht. (Fotos: Fotolia/Damian)

Der Arzt sitzt an einem südlichen Strand am Meer, den Computer auf dem Schoß. Per Joystick entfernt er zu Hause in Gießen einem Patienten die Gallenblase. – Sieht so die Zukunft aus? Vielleicht. »Aber nicht in den nächsten 20 Jahren«, sagt Prof. Winfried Padberg, der Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie des UKGM. »Sie können sich darauf verlassen, dass der Arzt die Regie führt, der Roboter bleibt der Assistent«, versicherte er während der Seniorenvorlesung zum Thema Roboter im OP-Saal.

Nach Marburg und Frankfurt wird auch Gießen ab Sommer der Roboter DaVinci zur Verfügung stehen. Finanziert wird das 2,3 Millionen Euro teure Gerät mit Landesmitteln. Zunächst bedeutet der neue »Kollege« ein Zuschussgeschäft, denn bisher zahlen die Krankenkassen die Methode nicht. Dennoch wollen die Mediziner nicht länger auf den Roboter verzichten: Weder in der Praxis noch in der Lehre. Auch angehende Ärzte werden mit der zukunftsweisenden Technik vertraut gemacht. Die Krakenarme von DaVinci sind High-tech-Präzisionsgeräte, die exakte Schnitte ermöglichen.

 

Videoturm für Steuerung

Die Operationseinheit besteht aus einer Steuerkonsole, an der ein Arzt sitzt oder steht, und einer Robotereinheit mit vier Armen und einem Videoturm für die Steuerung der dreidimensionalen Kamera sowie der Lichttechnik. Der Operateur erhält über die Konsole ein vergrößertes 3D-Bild des Operationsfeldes und kann damit die Arme des Roboters mit den mikrochirurgischen Instrumenten steuern. Das bedeutet millimetergenaue Arbeit. Unwillkürliche Bewegungen wie Händezittern werden ausgeglichen. Durch die Vergrößerung des Kamerasystems werden auch feine Strukturen wie Nerven und Gefäße dargestellt. Der Arzt sieht die 3D-Bilder in bis zu 40facher Vergrößerung und kommt mit den gelenkigen »Tentakeln« auch in verborgene Winkel. Außer diesen Vorteilen bedeutet das Verfahren weniger Blutverlust, weniger Narbenbildung und eine schnellere Wundheilung.

 

Hohe Wartungskosten

Nachteile der Roboter-Chirurgie sind die hohen Kosten für Anschaffung und Wartung. Zudem dauert der Eingriff etwas länger, weil der Roboter zu Beginn jeder OP vorbereitet und angedockt werden muss. Ein Nachteil ist auch die fehlende Haptik: Der Arzt fühlt nicht wie bisher das Material und Gewebe. Doch daran, ist Padberg sicher, werden er und seine Kollegen sich rasch gewöhnen.

Die Trainingsphase hat für die entsprechenden Teams des UKGM bereits begonnen. Zum Einsatz kommt DaVinci in der Bauchchirurgie, in der Gynäkologie und in der Urologie. Überall dort, wo man per Laparoskopie operiert, ist der Roboter gefragt. Die Schlüssellochchirurgie war in den 80er Jahren ein wichtiger Meilenstein. Der Roboter ist eine technische und digitale Verfeinerung dieses Verfahrens. Operationen der Speiseröhre, des Darms oder des Magens können künftig mit Hilfe des Roboters vorgenommen werden, ebenso Eingriffe an der Gebärmutter oder den Eierstöcken. Bei Prostatakrebs sei die Methode bereits so etabliert, dass viele Patienten gezielt Kliniken wählten, in denen es die Roboterunterstützung bereits gebe, schilderte Padberg. Entwickelt wurde das System in den USA. Die Ursprünge gehen zurück in die 90er Jahre. Zu Zeiten des Irakkriegs entstand der Wunsch, verletzte Soldaten aus der Entfernung operieren zu können. Die Idee wurde so nicht umgesetzt, aber sie war die Initialzündung für die Entwicklung der OP-Roboter.

 

Auslastung in ein oder zwei Jahren

Für den chirurgischen Bereich des Klinikums bedeutet die Errungenschaft eine große Innovation, bestätigt Pressesprecher Frank Steibli. Roboterassistiertes Operieren bekomme in Zukunft eine immer größere Bedeutung. Bei wie vielen Operationen DaVinci künftig eingesetzt werde, könne man noch nicht sagen, die volle Auslastung erwartet man erst in ein oder zwei Jahren.

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