05. September 2014, 21:08 Uhr

Unterbringung einer 31-Jährigen »zwingend« nötig

Gießen (sha). Eine Unterbringung der Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus hält der Sachverständige für »zwingend« erforderlich. Ansonsten seien weitere schwere Straftaten, sogar Tötungen von der 31-Jährigen zu erwarten, sagte er am Freitag am Landgericht.
05. September 2014, 21:08 Uhr
(Foto: Oliver Schepp)

Die kleingewachsene, leicht untersetzte Frau auf der Anklagebank vermittelt diesen Eindruck nicht unmittelbar. Aufmerksam hört sie zu, während der Mediziner der Schwurgerichtskammer sein Gutachten erläutert. Mit dem geringelten Pullover, den gescheitelten mittellangen Haaren und der eckigen Brille wirkt sie eher wie eine Schülerin und nicht wie 31.

Wenn aber der Tatvorwurf zur Sprache kommt, gerät sie in Rage. Mit weit aufgerissenen Augen zetert sie wiederholt: »Ich wollte meine Mutter nicht töten. Sie hat nur Schnittwunden. Ich wollte sie bloß verletzen.« Glücklicherweise hat die 64-Jährige die Messerattacke ihrer Tochter am 13. April dieses Jahres tatsächlich ohne bleibende Schäden überlebt. Die Staatsanwaltschaft hat versuchten Mord angeklagt. Zum Prozessauftakt hatten Nachbarn geschildert, wie sie der älteren Frau im Treppenflur eines Gießener Wohnhauses zu Hilfe geeilt waren (). Gegenüber einem Ermittlungsrichter hatte das Opfer ausgesagt, dass es wohl zu dem Angriff kam, weil ihre Tochter 3000 Euro von ihr haben wollte. Das verweigerte die Mutter aber. Als sie am Tattag frühmorgens aus dem Badezimmer kam, wurde sie von der Beschuldigten attackiert.

Gedroht, Betreuerin zu töten

Die erregt sich vor Gericht: »Meine Mutter hat gelogen, ich stehe auf der Seite der Wahrheit«, ruft sie. Bereits zu Prozessbeginn hatte sie unterstellt, die 64-Jährige habe ihr die genannte Summe vorenthalten, von der sie eigentlich einen Führerschein und eine eigene Wohnung finanzieren wollte.

An diesem Punkt knüpft der medizinische Gutachter an: Die Beschuldigte besitze keinerlei Krankheitseinsicht. Zwar leide die 31-Jährige an einer chronischen Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis und wurde 2007 erstmals stationär behandelt. Doch sie habe bisher gegen jede Anordnung zur Unterbringung und gegen eine Betreuung Widerspruch eingelegt. Einmal habe sie gedroht, ihre Betreuerin zu töten. Auch ihren Vater habe die Frau schon mit einem Messer angegriffen. – Aus der Sicht der Beschuldigten alles »Lügen« aus den Akten der Ärzte.

Das ohnehin erhöhte Delinquenzrisiko bei Schizophrenen werde noch gesteigert, wenn es bereits zu einem »Dammbruch« wie etwa der Messerattacke gegen die Mutter gekommen ist, unterstreicht der Psychiater. Da die Beschuldigte darauf beharre, nicht krank zu sein und auch ob der Tat in keiner Form emotional betroffen sei, verschlechtere sich ihre »Legalprognose« sehr. Der Mediziner sieht eine Unterbringung der 31-Jährigen daher als einzige Möglichkeit, um weitere Straftaten zu verhindern. Die Kammer wird ihr Urteil am kommenden Donnerstag fällen.

Messerstiche gegen Mutter vor Gericht


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