22. März 2018, 14:30 Uhr

Shisha-Bar-Prozess

Urteil im Shisha-Bar-Prozess: Viele Jahre Knast für Täter

Es war der spektakulärste Kriminalfall des vergangenen Jahres: Im August zerstörte eine Explosion die Shisha-Bar in der Licher Straße. Nun wurden die Täter verurteilt. Drei von ihnen müssen lange ins Gefängnis.
22. März 2018, 14:30 Uhr
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Aus der Redaktion
Eine Explosion in der Licher Straße in Gießen setzte eine Shisha-Bar und ein angrenzendes Wohnhaus in Brand. (Foto: con)

Mit hängenden Schultern sitzt Denis B. auf der Anklagebank. Der junge Mann mit dem weißen Hemd und den akkurat gestutzten Haaren wirkt abwesend. Erst als die Tür geöffnet wird, blickt er kurz auf. Nach und nach werden seine drei Mitangeklagten in den Saal des Gießener Landgerichts geführt. Ein Fernsehteam hält fest, wie die Justizbeamten den drei Männern die Handschellen abnehmen. Rund 90 Minuten später werden sie sich wieder schließen. Denn die Richter der Ersten Großen Strafkammer verurteilen Reinhard L. zu sieben Jahren und sechs Monaten, Joshua D. zu acht Jahren und sechs Monaten sowie Jakob S. zu vier Jahren Haft wegen besonders schwerer Brandstiftung und Körperverletzung. Lediglich Denis B. wird das Landgericht ohne Handschellen verlassen dürfen. Er erhält wegen Beihilfe eine Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung. 

 
Fotostrecke: Trümmer in der Licher Straße

Die vier Männer saßen auf der Anklagebank, weil sie im vergangenen Jahr die Shisha-Bar in der Licher Straße in Brand gesetzt haben. »Der 3. August 2017 begann für die Bewohner des Hauses in der Grünberger Straße 30 als Alptraum«, betonte der Vorsitzende Richter nach der Urteilsverkündung. Dann schilderte er detailliert die dramatischen Geschehnisse dieser Nacht. Demnach lief das Geschäft für Bar-Betreiber Reinhard L. nicht rund. Er wollte sich jedoch nicht eingestehen, mit dem Vorhaben gescheitert zu sein. Die Kombination aus Geldnot und gekränkter Eitelkeit verleitete ihn dazu, die Gebäudeversicherung zu betrügen. 80 000 Euro hätte ihn diese »warme Sanierung« eingebracht. Er beauftragte seine späteren Komplizen und bot ihnen 1000 Euro, wenn sie in der Bar Feuer legten. Er selbst deponierte das Benzin hinter der Theke. Als einer der Komplizen es dann mit einem brennenden Taschentuch anzündete, kam es zu einer Verpuffung – die Explosion war verheerend. Die Fenster wurden aus den Fugen gerissen, Glassplitter und Metallteile schossen über die Straße, die Wohnungen über der Bar wurden teils massiv zerstört. 

»Es klingt paradox, aber die Explosion hat den Bewohnern womöglich das Leben gerettet«, sagte der Richter. Wären sie nicht aufgewacht, sie wären womöglich durch das Feuer oder die Rauchgase zu Tode gekommen. So blieb es bei leichten Verletzungen – zumindest bei den Bewohnern. Jakob S. zog sich schwere Verbrennungen zu. Er und Denis B. waren es auch, die von Anfang an geständig waren und die Ermittler so erst auf die anderen Täter brachten. Ein Sachverhalt, der sich positiv auf ihr Urteil auswirkte. 
Dass  Joshua D. die höchste Strafe erhielt, liegt vor allem an seinen Vorstrafen. Von einer Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Haft – laut einem Gutachter wäre dies zumindest möglich gewesen – sahen die Richter jedoch ab. 

Mit den Urteilen endet der Prozess über einen der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre. Alle Fragen konnten aber nicht geklärt werden. Zum Beispiel, wer das zweite Feuer in einem angrenzenden Büro gelegt hat. Oder welche Rolle die beiden Männer spielten, die an einem vorherigen Prozesstag als Zeugen ausgesagt hatten. Der eine hatte dem Bar-Besitzer die Gebäudeversicherung vermittelt, der andere lieh ihm 20 000 Euro. Eine Beteiligung an der Tat konnte ihnen nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Der Richter ordnete ihre Rolle zumindest als »dubios« ein. 

Nach dem Urteilsspruch war eine Person besonders erleichtert: Lydia Ak, die über der Shisha-Bar gewohnt hatte und von der Explosion am heftigsten betroffen war. »Ich bin froh, dass es jetzt endlich vorbei ist.«



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