05. Juni 2018, 21:51 Uhr

Urtiere in der Teddyklinik

Medizinstudenten versorgen vor dem Zeughaus derzeit ganz besondere Patienten. Rund 500 Kinder bringen ihre Kuscheltiere zur Teddyklinik – und lernen dabei spielerisch den Arztbesuch kennen. Erstmals öffnet das knuffige Spital zwei Tage seine Pforten.
05. Juni 2018, 21:51 Uhr
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Von Eva Diehl
Einen Verband anlegen, ein Röntgenbild verstehen und in der Apotheke Medikamente holen – all das lernen Kinder spielerisch von angehenden Medizinern in der Gießener Teddyklinik. (Foto: Schepp)

Manni liegt reglos auf dem Untersuchungstisch. Das zottelige rotbraune Fell und die mächtigen Stoßzähne rühren sich nicht. »Was hat denn dein Mammut?«, fragt Teddyärztin Dr. ted. Maren, die einen weißen Kittel und ein Stethoskop um den Hals trägt. »Sein Rüssel ist gebrochen«, sagt der achtjährige Leo leise, der gerade vom Röntgen kommt. »Dann machen wir mal einen Gips drum«, sagt sie. In dem OP-Zelt vor dem Gießener Zeughaus hat die Medizinstudentin zuvor bereits einen Dinosaurier versorgt. Bei der zwölften Auflage des Teddybärenkrankenhauses kümmern sich angehende Ärzte der Justus-Liebig-Universität am Dienstag ehrenamtlich um Urtiere, Teddys, und sonstige von Kindern mitgebrachte Kuscheltierpatienten.

Erstmals findet die Veranstaltung wegen der großen Resonanz an zwei Tagen statt. Aus den umliegenden Kindergärten haben sich für Dienstag- und Mittwochvormittag rund 400 Besucher angemeldet. Zudem kommen 50 bis 100 Kinder ohne Voranmeldung am Nachmittag, schätzen die Veranstalter. Auch heute hat das knuffige Spital noch geöffnet (siehe Kasten).

Eine weitere Neuerung: Erstmals gibt es bei der Teddyklinik innere Organe zu sehen. Herz, Gehirn und Lunge aus Plastik verstecken sich in einigen Teddybären hinter Reißverschlüssen. »Kinder finden das sehr spannend«, sagt Organisatorin Dr. ted. Irina. »Sie möchten die Organe gleich anfassen und herausholen.« Abgeschreckt habe das die Kinder nicht. Die Innereien haben die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) und der Makerspace Gießen (MAGIE) mit 3D-Druckern hergestellt. Eingenäht haben sie die Studierenden selbst.

Die Kinder zwischen vier und acht Jahren sowie ihre Patienten empfangen die angehenden Ärzte in fünf Zelten. Erst geht es ins Untersuchungszelt und danach zum Röntgen, wobei bunte Lichter und ein Bildschirm mit Kamera das Geschehen in einem Krankenhaus nachahmen. Röntgenbilder von Teddys mit verschlucktem Knopf im Bauch oder Delfin mit Flossenbruch liegen bereit. Anschließend wird operiert, ein Gips oder Verband angelegt, bevor im Apothekenzelt etwas Süßes lockt. Daneben gibt es einen Krankenwagen zu bestaunen, einen Erste-Hilfe-Kurs und ein Zahnputztraining.

»Es ist einfach süß gemacht«, sagt eine Mutter, deren Sohn Leander am Steuer des geparkten Krankenwagens sitzt. Daneben sitzt Dr. ted. Max, der zuvor seinen Dino mitversorgt hat, und macht ein lautes Brummgeräusch »Brrrr« – dann schaltet er das Blaulicht an. Leander ist begeistert. Neben dem Spaß sieht seine Mutter weitere Vorteile, nämlich für den Fall, dass nicht Dino, sondern Leander einmal Patient ist: »Die positive Erfahrung in der Teddyklinik überträgt sich vielleicht auf Arztbesuche«, sagt sie.

Der ehrenamtliche Einsatz in spielerischer Mission ist auch für die insgesamt rund 50 Teddydocs lehrreich. »Hier lernt man auf die Kids einzugehen und kindgerecht zu erklären«, sagt Dr. ted. Vanja. Der Medizinstudent könnte sich durchaus vorstellen, später einmal Kinderarzt zu werden.



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