11. Januar 2018, 11:00 Uhr

Neuer Träger gesucht

Verband gibt Familien-Bildungsstätte auf

Öffentliche Zuschüsse werden gekürzt, man klagt über Existenzgefährdung und wurschtelt sich weiter durch. Der Träger der Evangelischen Familien-Bildungsstätte macht dieses Spiel nicht mehr mit.
11. Januar 2018, 11:00 Uhr
Unter anderem beim Ferienkarussell der Stadt ist die Familien-Bildungsstätte ein wichtiges Standbein, etwa mit ihren Kochkursen für Kinder. (Archivfoto: Schepp)

Eltern-Kind-Spielkreise, Yoga für Teenager, aus Ausrangiertem Taschen nähen: Das vielfältige Angebot der Evangelischen Familien-Bildungsstätte wird jährlich etwa 8000-mal genutzt. Nun ist es gefährdet. Der Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau gibt die traditionsreiche Einrichtung zum Ende dieses Jahres auf.

"Es gibt Interessenten"

Für eine Übernahme »gibt es Interessenten«, erklärt Angelika Thonipara, geschäftsführende Pfarrerin des Verbands, der GAZ. Sie hoffe, dass in den nächsten Wochen ein neuer Träger gefunden wird. Die bisherige Leiterin Christiane Hegemann hat die FBS verlassen.

»Sowohl wirtschaftliche als auch konzeptionelle Gründe haben den Vorstand dazu veranlasst, diese schwierige Entscheidung zu treffen«, heißt es in einer Pressemitteilung des Frauenverbands. Das Kursprogramm werde bis Sommer 2018 wie angekündigt durchgeführt. Auch die Tagesmütter-Qualifizierung für die Stadt ab 2019 solle in andere Hände übergehen.

Drei weitere Einrichtungen abgegeben

»Wir haben immer wieder erhebliche Kürzungen zu verschmerzen gehabt«, sagt Thonipara. »Das geht nur bis zu einem gewissen Grad.« Ohne öffentliche Zuschüsse sei Bildung nicht zu finanzieren. Unter anderem musste die Einrichtung vor 15 Jahren die Streichung der Landesmittel in Höhe von etwa 65 000 Euro verkraften, das entsprach 14 Prozent des Etats. 2014 strich die Stadt im Zuge der Schutzschirm-Sparmaßnahmen 30 000 Euro Zuschuss.

Ähnliche Probleme gab es andernorts. Seit gut zwei Jahren bemühten sich die Evangelischen Frauen darum, dass andere Kirchenorganisationen ihre vier Familien-Bildungsstätten in Gießen, Offenbach, Wiesbaden und der Wetterau weiterführen. In den drei letzteren Fällen haben die evangelischen Dekanate vor Ort die Einrichtungen übernommen.

Dekanat winkt ab

Das in Gießen hat das jetzt abgelehnt. »Das Dekanat verfügt nicht über die notwendigen Mittel, die Einrichtung langfristig zu sichern«, teilt Sprecher Matthias Hartmann mit. »Gegenwärtig finden Gespräche statt mit dem Ziel, zumindest Teile des Angebots in neuer Trägerschaft zu erhalten. Ergebnisse gibt es noch keine.«

»Wir wünschen uns nach wie vor, dass diese wichtige Einrichtung in Gießen und damit die Arbeit für die Familien in die kirchliche Arbeit integriert wird. Hierzu loten wir zurzeit alle Möglichkeiten aus«, so Thonipara.

Weigel-Greilich: Kürzungen waren nötig

Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich spricht von einem »tollen Angebot«, von dem auch die Stadt profitiere, speziell bei der Tagespflege-Qualifizierung und beim Ferienkarussell. Die Kürzungen seien bedauerlich, aber nötig gewesen. Gesundheitsförderung – ein Schwerpunkt des FBS-Angebots – sei keine städtische Aufgabe. Die Stadt beteilige sich bei Einrichtungen mit großen Trägern in der Regel nicht an der Grundfinanzierung.

Förderverein wartet ab

Derzeit hat die Einrichtung sieben fest angestellte Mitarbeiterinnen und beschäftigt etwa 125 Kursleiter auf Honorarbasis. Noch unklar ist die Zukunft des Fördervereins, der die Familien-Bildungsstätte seit 30 Jahren mit Spenden unterstützt. »Wir warten ab«, sagt die Vorsitzende Ursula Beer.

Wetterau: Sparkurs zum Neustart

In der Wetterau ist der aktuelle Neustart unter neuer Trägerschaft mit erheblichen Einsparungen verbunden. So schrumpfte die Zahl der Mitarbeiterinnen von 16 auf 5, etliche Räume wurden gekündigt, es gibt keine Kochkurse mehr.

Gegründet 1962

Start als "Mütterschule"

Junge Frauen konzentrieren sich auf Schule und Beruf – doch nach ihrer Heirat stehen sie »verzweifelt vor dem Kochtopf«. Auch von Fertigkeiten wie Schneidern oder Säuglingspflege haben sie keine Ahnung. Um dem abzuhelfen, gründeten Aktive der evangelischen Frauenhilfe 1962 die »Evangelische Mütterschule«. Die Einrichtung, zunächst An der Johanneskirche 5 zu Hause, erfreute sich wachsender Beliebtheit und entwickelte sich zum modernen Bildungsanbieter. Dass Hausarbeit und Erziehung nicht mehr als reine Frauensache angesehen wurden, drückte sich 1974 in der Umbenennung zur Familien-Bildungsstätte aus. In ihren besten Zeiten zählte die Familien-Bildungsstätte über 10 000 Teilnehmer jährlich. In den letzten Jahr waren es ungefähr 8000.

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