Stadt Gießen

Verbrecherballade mit Tiefgang

Regisseur Malte C. Lachmann ist bekannt dafür, Theaterstücke für das Publikum erfrischend griffig aufzubereiten. Uwe Herbster gelingt es, mit seinen Bühnenbildern immer wieder eigene Welten zu kreieren. Und Musiker Martin Spahr hat ein Talent dafür, Songs zu echten Juwelen zu machen. Beste Voraussetzungen also für die Premiere von »Johnny Breitwieser« am Samstag auf der großen Bühne, einer rasanten Verbrecher-Vita und »räudigem« Musical. Bei einer gut besuchten Soiree und beim Pressegespräch gaben die drei im munteren Gespräch mit Dramaturg Harald Wolff schon mal Einblick in die neue Produktion der deutschen Erstaufführung. Es ist die vierte Regiearbeit des gebürtigen Marburgers Malte Lachmann am Stadttheater.
28. August 2018, 21:58 Uhr
Karola Schepp
Martin Spahr, Udo Herbster, Malte C. Lachmann und Harald Wolff (v. l.) bringen die Verbrecherballade »Johnny Breitwieser« auf die Bühne. 		(Foto: Schepp)
Martin Spahr, Udo Herbster, Malte C. Lachmann und Harald Wolff (v. l.) bringen die Verbrecherballade »Johnny Breitwieser« auf die Bühne. (Foto: Schepp)

Regisseur Malte C. Lachmann ist bekannt dafür, Theaterstücke für das Publikum erfrischend griffig aufzubereiten. Uwe Herbster gelingt es, mit seinen Bühnenbildern immer wieder eigene Welten zu kreieren. Und Musiker Martin Spahr hat ein Talent dafür, Songs zu echten Juwelen zu machen. Beste Voraussetzungen also für die Premiere von »Johnny Breitwieser« am Samstag auf der großen Bühne, einer rasanten Verbrecher-Vita und »räudigem« Musical. Bei einer gut besuchten Soiree und beim Pressegespräch gaben die drei im munteren Gespräch mit Dramaturg Harald Wolff schon mal Einblick in die neue Produktion der deutschen Erstaufführung. Es ist die vierte Regiearbeit des gebürtigen Marburgers Malte Lachmann am Stadttheater.

Elf Songs, sieben starke Rollen

Als Verbrecherballade wird das vor vier Jahren in Wien uraufgeführte Stück des österreichischen Dramatikers Thomas Arzt angepriesen. »Das ist wohl auch die genaueste Beschreibung«, meint Wolff. Erzählt wird die historisch belegte Geschichte von Johnny Breitwieser, der im Wien Anfang des vorigen Jahrhunderts die Reichen bestahl und den Armen gab und als Volksheld verehrt wurde. 40 000 Wiener kamen zu seiner Beerdigung, Reporterlegende Egon Erwin Kisch berichtete über die Treibjagd der Polizei auf ihn. Charismatischer Verbrecher, Ausbrecherkönig, Idol und Hassobjekt – dieser Johnny war alles in einer Person und wird von Lucas Goldbach verkörpert. Ihm zur Seite stehen sechs weitere Schauspieler, die jeder für sich eine andere Herangehensweise an die Krisen der Zeit des Ersten Weltkriegs verkörpern: Hunger, Armut, keine Aufstiegschancen. »Sieben starke Rollen für sieben Schauspieler«, verspricht Wolff. Choreograf Tiago Manquiho hat mit ihnen eine eigene Körpersprache erarbeitet.

Elf vom kalifornischen Pop-Komponisten Jherek Bischoff geschriebene Songs mit Texten wie »Ich wollt ich wär ein Leichenzug« treiben die Geschichte voran. Begleitet werden die Schauspieler dabei von einem auf der Bühne platzierten Streichquartett mit Percussion, das wahre Ohrwürmer liefert. Bühne und Kostüme in Schwarz und Grau schaffen eine authentisch düstere Atmosphäre voller Dreck und Lumpen. Kurze Sätze, die die Gebrochenheit der Figuren zeigen, eine an das Wienerische angelehnte Kunstsprache, eine Anmutung von Brechts »Dreigroschenoper« sind weitere Elemente, die das Stück trotz aller Härte auch ergreifend machen. Es geht um die Frage, was mit einer Gesellschaft passiert, die auseinanderzubrechen droht und wie das Überleben in schwierigen Zeiten möglich ist.

Premiere ist am Samstag, 1. September, um 19.30 Uhr, im Großen Haus. Weitere Vorstellungen folgen am 9. und 30. September (15 Uhr), 18. Oktober, 4. November, 21. Dezember, 4. Januar und 9. Februar.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Verbrecherballade-mit-Tiefgang;art71,477983

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