26. April 2018, 22:07 Uhr

Verwirrung ist die Wurzel

Bücher, Humor und Fußball – das sind die großen Themen im Leben von Frank Goosen. Der ehemalige Tresenleser, dessen Bücher wie »Sommerfest« oder »Radio Heimat« verfilmt wurden, beschreibt die Absurditäten des Alltags mit Humor.
26. April 2018, 22:07 Uhr
Frank Goosen wundert sich immer wieder aufs Neue. (Foto: Ira Schwindt)

Sie veröffentlichen humoristische Kolumnen im ›Kicker‹. Wie kommt ein Kabarettist und Autor in ein Sportmagazin?

Frank Goosen: Ich bin in erster Linie Autor und habe einige Bücher geschrieben, darunter auch ein Fußballbuch. Vor zwölf Jahren kam der Kontakt zum ›Kicker‹ zustande, weil einer der Redakteure wie ich aus dem Ruhrgebiet kommt und ebenfalls Fan des VfL Bochum ist. 2006, kurz vor der WM, habe ich meine erste Kolumne geschrieben. Ich hatte zuvor welche für die Stadionzeitung des VfL verfasst. Das blieb dem ›Kicker‹ nicht verborgen.

Sie waren bis 2017 auch im Aufsichtsrat des VfL Bochum, haben nach internen Querelen Ihr Mandat niedergelegt. Was verbindet Sie heute mit dem Verein?

Goosen: Ich bin 1966 in der Nähe des Stadions geboren und Fan seit ich acht Jahre alt war. Den Verein habe ich in der DNA. Ich bin nur vom Amt zurückgetreten, nicht als Fan.

Bei »Goosens neue Bücher« am Schauspielhaus Bochum stellen Sie Bücher vor. Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

Goosen: Ausschließlich danach, ob sie mir gefallen. Ich bin kein Kritiker, sondern Autor und muss den Leuten nicht unter die Nase reiben, welche Bücher ich nicht gut gefunden habe. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, anderen Autoren an den Karren zu fahren.

Was können wir von Ihnen selbst als neues Buch erwarten?

Goosen: Zum ersten Mal sind zwischen zweien meiner Bücher drei Jahre vergangen. Nächstes Jahr kommt wieder eines raus. Es ist eine Wendekomödie, geht zurück in das Jahr 1989. Sie ist mit dem Personal aus meinem letzten Buch ›Förster, mein Förster‹ bestückt: Eine der Figuren ist Kumpel Fränge. Er hat in Berlin zwei Freundinnen, eine im Westen, eine im Osten. Er ist nicht so scharf auf den Mauerfall.

Ihr aktuelles Programm heißt »Was ist da los?«. Worum geht es?

Goosen: Da halte ich mich an einen Satz des amerikanischen Schriftstellers David Sedaris. Der hat gesagt: ›Der Schlüssel dazu, witzig zu sein, besteht darin, verwirrt zu bleiben.‹ Und ich selbst wundere mich immer wieder über alles Mögliche. Der Ursprung, über etwas humoristisch zu schreiben, besteht für mich immer wieder darin, dass ich mich über etwas wundere und mich frage, was ich da soll. Diese Verwirrtheit auf den Punkt zu bringen, ist für mich die Wurzel meines humoristischen Schreibens.

In der Beschreibung Ihres Programms steht, dass es um die Befindlichkeiten ihrer Generation gehe.

Goosen: Das stammt nicht von mir. So etwas würde ich nie sagen. Ich beobachte einfach, was ich sehe, und versuche daraus Geschichten zu machen. Ich bin vor zwei Jahren 50 geworden, davon erzähle ich. Aber ich schreibe auch über Fußball. Sobald in einem Text das Wort Befindlichkeiten vorkommt, mag ich nicht mehr weiterlesen.

Ihr Programm ist aber nicht nur für Männer gedacht?

Goosen: Das wäre ökonomischer Selbstmord. Ich schreibe zwar aus meiner Sicht, sehe aber an den Reaktionen, dass sich auch Frauen sehr darüber amüsieren. Zum Teil lernen die ihre Männer besser zu verstehen. Beim Fußball lege ich auch Wert darauf, dass es nicht heißt, Frauen hätten davon keine Ahnung. Ich kenne auch Männer, die davon nichts wissen, und einige von denen werden sogar Trainer. Ich unterscheide beim Fußball eher zwischen Insidern und Outsidern: Insider nehmen es ernst, Outsider sind die, die sagen, der Bessere soll gewinnen. Das ist der sportfeindlichste Satz, den es gibt.

Ihre Liebe gehört also immer noch dem Fußball, dem VfL Bochum. Und was ist mit dem Ruhrgebiet an sich?

Goosen: Ich wohne da.

Ärgert Sie das schlechte Image, das das Ruhrgebiet bei vielen Hessen noch hat?

Goosen: Von den rauchenden Schloten redet niemand mehr. Das Ruhrgebiet hat aber noch nicht den Sprung geschafft, sexy zu sein. Wir machen uns oft selber kleiner als wir sind. Es gibt große soziale Unterschiede, soziale Konflikte und viel Armut. Mein Programm ist kein Programm über das Ruhrgebiet, aber das Ruhrgebiet schwingt immer mit, weil ich von dem erzähle, was ich erlebe.

Einige Ihrer Bücher wurden schon verfilmt. Wie viel Einfluss hatten Sie auf die filmische Umsetzung.

Goosen: De jure keinen, weil ich beim Abschluss des Vertrages die Nebenrechte drin lasse. Aber meistens wird schon Wert darauf gelegt, dass der Autor der Romanvorlage einverstanden ist. Mit den drei Filmen, die bisher rausgekommen sind, bin ich sehr glücklich. Im Laufe des Jahres kommt ein Vierter ins Kino. Den habe ich noch nicht gesehen. Ich bin bei der Umsetzung unterschiedlich stark eingebunden, bei Sönke Wortmanns »Sommerfest« war es enger. Wir haben passende Drehorte besichtigt und viel Zeit miteinander verbracht. Das Drehbuch stammt aber komplett von Wortmann. Auch mit Matthias Kutschmann, der »Radio Heimat« gemacht hat, habe ich mich super verstanden.

Waren Sie schon jemals in Gießen?

Goosen: Ja. Mit dem Duo Tresenlesen, in dem ich früher war. Das ist viel zu lange her. Es ist richtig, dass ich mal wieder nach dem Rechten sehe.

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